„Die Männer müssen draußen bleiben“

München - Freitags schauen wir im Wechsel Hobbyköchen und Wirten über die Schulter. Heute sind wir zu Gast in Moosach, wo sich sechs Frauen seit 23 Jahren zum gemeinsamen Kochen treffen.

Nein, einen Namen haben sie sich in all den Jahren nicht gegeben. Und so entsteht am Wohnzimmertisch von Ingrid Lipps in Moosach eine lebhafte Diskussion, wie man die Runde der sechs Frauen denn nun am besten unter einen Namen bringen könnte. In ihrem Buch, das ihre Treffen protokolliert, ist immer wieder „Moosacher Gourmet-Runde“ zu lesen. „Gourmet ist aber übertrieben“, sagt Margrith Zeitler. „Koch-Kränzchen“ klingt ihnen irgendwie zu altbacken. „Moosacher Koch-Runde“, so der Tenor am Tisch, trifft das Ganze vielleicht am besten.

Ihren Anfang nahm die lebhafte Runde vor 23 Jahren. Damals haben sich die Frauen kennengelernt, als ihre Kinder in den gleichen Kindergarten gingen. Und über die Kinder entdeckten Margrith Zeitler, Ulrike Reitzner, Anneliese Schmid, Ursula Wolf, Regina Niehoff und Ingrid Lipps eine weitere gemeinsame Leidenschaft: das gute Essen. Und so trafen sie sich von nun an – das hatte Margrith Zeitler einst angeregt – alle vier bis sechs Wochen zum Kochen und Ratschen. Und halfen sich gegenseitig aus: „Eine von uns hat einmal die Woche auf die Kinder aufgepasst, während die anderen zum Turnen gegangen sind“, erzählt Ingrid Lipps.

Das Turnen fiel irgendwann aus. Das Kochen blieb. Und darauf sind die Frauen stolz. „Wir finden es einfach schön, dass eine Gruppe Frauen so etwas so lange und beständig zusammen macht.“ Und so sind über die Jahre aus den Kindergartenbekanntschaften gute Freundinnen geworden. Die zusammen kochen, lachen, aber auch lebhaft diskutieren. „Natürlich ist man auch nicht immer einer Meinung“, sagt Ursula Wolf, „aber das zeichnet uns auch aus, dass wir uns immer noch so gut verstehen.“ So gut, dass man auch gemeinsam verreist. Zum Beispiel in die Heimat der jeweiligen Frauen, die ursprünglich aus Niederbayern, der Schweiz, aus Franken, Ost-Westfalen, Württemberg und aus dem Allgäu stammen. Oder neulich, da waren sie gemeinsam an einem Sonntag zum Brunchen am Tegernsee. Das hatten die Frauen Ingrid Lipps im Mai zum Geburtstag geschenkt.

Ein Geschenk gibt es übrigens immer. Immer für die Frau, die bei dem Treffen gerade mit Kochen dran ist. Denn jeweils eine von ihnen lädt ein und ist für die kulinarische Gestaltung des Abends verantwortlich. Und dafür gibt es von den anderen ein kleines Dankeschön. Das kann alles sein. Was Praktisches wie neue Pasta-Teller oder was Persönliches wie ein Parfum. Denn ein Vier-Gänge-Menü für sechs zu kochen ist nicht nur an dem Abend eine Menge Arbeit. Schon Wochen vorher werden da Kochbücher gewälzt und Rezepte gesammelt und schon im Vorfeld überlegt, wo man die besten Zutaten für das Menü kaufen kann. „In den ganzen Jahren haben wir uns kulinarisch schon weiterentwickelt“, sagt Margrith Zeitler. „Und viel voneinander gelernt“, fügt Ursula Wolf hinzu. Denn während die eine (Anneliese) die Suppenspezialistin ist, sind Kässpätzle die Spezialität der anderen (Ulla) und die Dritte (Regina) ist die Fachfrau für Süßes und hat auch an diesem Abend das Dessert zubereitet.

Was es an den gemeinsamen Kochabenden zum Essen gab, haben die Frauen seit 1993 in „unserem Buch“ protokolliert. Genauso wie „Die Sprüche des Abends“. Darin ist zum Beispiel nachzulesen, dass die Runde schon 1994 – gut 15 Jahre bevor es in den Münchner Straßencafés populär wurde – zu ihren Treffen Sekt mit Aperol geschlürft hat. „Denn natürlich wird an unseren Abenden auch gepichelt“, lacht Ingrid Lipps.

Oder da steht: „Heute bleiben die Männer ungeschoren. Sie wurden weder positiv noch negativ erwähnt.“ Klar, dass Männer ein Thema sind, wenn sechs Frauen an einem Tisch sitzen. Besonders wenn es wie bei der „Moosacher Kochrunde“ heißt: „Männer müssen draußen bleiben.“ Wenn die Frauen kochen, suchen die Männer entweder das Weite oder verziehen sich in eine ruhige Ecke. Denn – auch das passiert – bei den Treffen kann es auch mal lauter werden. Egal, ob gelacht oder angeregt diskutiert wird. „Mein Mann saß sogar mal mit Schalldämpfern auf dem Kopf in seinem Zimmer“, erinnert sich Margrith Zeitler.

Und so haben die Frauen mit ihren Gerichten und Erinnerungen nun mittlerweile fast zwei Bücher gefüllt. „Und die Regina hat gesagt, der Artikel in der Zeitung ist jetzt die Krönung für unser Buch“, sagt Ingrid Lipps. Vorerst zumindest. Denn, darin sind sich die sechs von der „Moosacher Kochrunde“ einig: Es wird sicher auch noch ein drittes Buch geben. „Und in 20 Jahren können Sie uns gerne wieder besuchen."

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