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Was macht die Dame laut Knigge auf diesem Foto falsch?

Benimmunterricht

Tisch-Knigge: Regeln fürs Dinner

Es gibt so vieles, was man falsch machen kann bei einem festlichen Dinner. Knigge-Trainerin Martina Berg kennt alle Benimm-Regeln – und hilft anderen dabei, am Tisch einen guten Eindruck zu machen.

Martina Bergs blaue Augen strahlen, als ihr Ehemann Günther ihr beim Hinsetzen den Stuhl sanft an die Kniekehlen schiebt. Er trifft genau den richtigen Moment, geschmeidig gleitet seine Gattin auf die Sitzfläche, ohne ihre royalblaue Hose zu zerknittern. „Sehen Sie?“, sagt Martina Berg und lächelt in die Runde. Sie weiß, wie elegant das eben ausgesehen hat.

Martina Berg ist Benimm-Expertin und Gastgeberin des „Knigge-Dinners“, das an diesem Abend im Landgasthof „Zur Post“ in Haar (Kreis München) stattfindet. Im Nebenraum ist ein großer Tisch gedeckt – für 16 Personen, die korrekte Umgangsformen lernen wollen. Es gibt Weingläser und Wassergläser, Dessert-Gabeln und normale Gabeln, Dessert-Löffel und Suppenlöffel, einfache Messer und Buttermesser. Alles glänzt. Die weiße Stoffserviette ist zu einer Lotusblume gefaltet.

Wie ein 300 Jahre altes Regelwerk die Welt erobert

Dessertlöffel und Dessertgabeln liegen parallel und oberhalb der Teller. Und zwar liegen sie so, dass der Griff jeweils zu der Hand zeigt, mit der er auch aufgenommen wird: der des Löffels nach rechts und der der Gabel nach links. Das ist kein Zufall – sondern entspricht einem mehr als 300 Jahre alten Regelwerk, das auf Adolph Freiherr Knigge zurückgeht. Der Adelige lebte im 18. Jahrhundert und schrieb Bücher über das menschliche Verhalten. Nach seinem Tod wurden die Werke irrtümlich als Benimmregeln interpretiert – und eroberten die Welt.

An diesem Abend werden die Gäste bereits beim Betreten des Raums mit Knigge konfrontiert. „Darf ich Ihnen den Mantel abnehmen?“, fragt Günther Berg. „Haben Sie leicht her gefunden?“, erkundigt er sich aufmerksam – ohne auch nur einen Moment den Blickkontakt zu verlieren. Genau so geht das.

Als alle sitzen, erklärt Martina Berg den Ursprung des Zuprostens: „Im Mittelalter ging es rau zu. Wein wurde in Hörnern eingeschenkt, dem Feind wurden allerdings auch ein paar Tropfen Gift dazugemischt. Wenn ich mit meinem Tischnachbar nicht angestoßen hätte und der Wein wäre nicht übergeschwappt, wäre ich sofort misstrauisch geworden.“ Heute ist das anders: Beim Zuprosten reichen ein nettes Lächeln und ein „Zum Wohle“.

Martina Berg ist IHK-zertifizierte Knigge-Trainerin und Vorstandsmitglied der Deutschen Knigge Gesellschaft, Klar, dass sie die korrekten Umgangsformen perfekt beherrscht. Sie erklärt die Regeln zuerst und führt sie dann vor. Zeigt den Teilnehmern, dass sie das Glas am Stiel und unter keinen Umständen am Bauch halten sollen – das wäre benimmtechnisch eine Todsünde. Dann bringt sie den Teilnehmern bei, dass die Stoffserviette erst aufgebrochen wird, wenn das Essen bestellt ist.

Wie eine Katze auf dem Schoß und eine Maus im Rücken

Martina Berg will ihre Gäste nicht bevormunden. „Ich möchte Sie heute Abend gut unterhalten.“ Die Teilnehmer haben für das Knigge-Abenteuer mit Drei-Gänge-Menü 98 Euro gezahlt – sie saugen förmlich auf, was Martina Berg ihnen erklärt und zeigt. Überprüfen genau, ob bei ihnen alles genauso aussieht, wie bei der Expertin. Die richtige Sitzhaltung, muss der ein oder andere ein paar Mal korrigieren. Denn am Tisch müsse man sitzen, als ob einem eine Katze auf dem Schoß läge und im Rücken eine Maus sitze, erklärt Berg.

Zur späteren Stunde rückt Knigge etwas in die Ferne. Die Stimmung wird lockerer, die Gesprächsthemen privater. Es schleichen sich bei einigen Dinner-Gästen klitzekleine Fehler ein. Sogar Martina Bergs Ehemann – man glaubt es kaum – übersieht einmal, seiner Frau beim Hinsetzen mit dem Stuhl behilflich zu sein. Die Illusion vom perfekten Dinner ist ein wenig gebrochen – doch das stört niemanden. Vermutlich würde es auch Knigge selbst nicht stören. Schließlich hat er in seinem Werk „Über den Umgang mit Menschen“ auch folgenden Ratschlag formuliert: „Verzweifle nicht bei dem Bewusstsein mangelnder Vollkommenheiten.“

Biljana Dzevelekova

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