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Annika Singer war schon immer von Honig und seinen verschiedenen Aromen begeistert. 2013 machte sie ihre Ausbildung zur Jungimkerin und wurde Besitzerin eines ersten Bienenvolkes. Mittlerweile bietet die 44-Jährige regelmäßig Degustationen an.

Sommer im Glas

Einladung zum Honigschlecken: Imkerin bietet Verkostungen an

Der Inhalt in den Gläschen schimmert, als seien nicht nur die Aromen, sondern auch das Licht der Frühlings- und Sommermonate darin gefangen. Von hellgelb über bernsteinfarben bis rotbraun reicht die Palette, sie spiegelt die vielen Facetten eines der ältesten Genussmittel der Welt wider: Honig.

„Doch er wird oft viel zu pauschal wahrgenommen“, sagt Stadtimkerin Annika Singer. Deshalb bietet die 44-Jährige in München Geschmackserlebnisse der besonderen Art an: Honigverkostungen.

Nur süß? Von wegen. „Honig ist nicht gleich Honig“, sagt Singer. „Die Unterschiede sind wahrnehmbar ähnlich wie bei Wein.“ Worin sie liegen, das erfahren Neugierige bei ihren regelmäßigen Degustationen, die die PR-Beraterin unter dem Titel „Honigschlecken“ veranstaltet. Zum Beispiel bei einem späten Frühstück in der Espressothek an der Romanstraße. Dort steht Singer an einem Samstagvormittag vor einer kleinen Gruppe, die sich an die Vielfalt des Honigs herantasten möchte. Als Testobjekte hat sie zehn ausgewählte Honigsorten mitgebracht. Eine stammt aus München, der Rest aus dem Münchner Umland oder aus mediterranen Ländern. Jede schmeckt und duftet ein wenig anders.

Honig in Kombination mit Käse zum Croissant

Singer war schon immer von Honig und seinen verschiedenen Aromen begeistert. Aus jedem Urlaub brachte die PR-Beraterin ein Glas mit. Daneben faszinierte sie die Leistung der Honigbienen. So sehr, dass sie 2013 ihre Ausbildung zur Jungimkerin machte und stolze Besitzerin eines ersten Bienenvolks wurde. Heute gehören ihr vier Bienenstöcke, zwei stehen in Nymphenburg und zwei in Grünwald. Bevor Singer die Geschmacksnerven der Teilnehmer auf die Probe stellt, versorgt sie sie mit Hintergrundwissen. „Mit einem Pro-Kopf-Verbrauch von etwa 1,5 Kilo Honig pro Jahr liegen die Deutschen ganz weit vorne“, erzählt sie. Der Bedarf könne nur zu 20 Prozent von heimischen Imkern gedeckt werden. „Der Rest wird importiert.“

Nach einem geschichtlichen Abriss, Fakten zur Biene und zur Imkerei sowie Verbrauchertipps (siehe auch Kasten) werden die Löffel gezückt. Das Honigschlecken beginnt. Die Teilnehmer erwärmen Gläschen Nummer eins kurz in den Händen und öffnen es. Erst wird geschnuppert, dann gekostet. „Den Honig im Mund schmelzen lassen“, rät Singer. „Dann durch den Mund ein- und durch die Nase ausatmen. So werden alle Geschmacksnerven aktiviert.“

Frischer Honig in einer Wabe

Die Sorte, die den Auftakt bildet, ist elfenbeinfarbig und cremig. Der Geschmack: Mild süßlich. Es ist Rapshonig. „Ein klassischer Frühstückshonig“, sagt Singer. Nach und nach werden die anderen neun Gläschen geöffnet. Die Teilnehmer probieren die verschiedenen Sorten pur, streichen sie auf Brot oder lassen sie auf ein Stückchen Käse rinnen. Zwischendurch essen sie immer wieder Apfelscheiben. „Das neutralisiert die Geschmacksknospen“, erklärt Singer. Bei einer Sorte fällt sofort eine frische mentholische Note auf. Es ist Lindenblütenhonig aus München. Eine andere dagegen schmeckt eher neutral: Herkömmlicher Industriehonig. Auch er habe seine Daseinsberechtigung, sagt die Imkerin, „aber nicht das ureigene Aroma, das der Jahrgang und die Region dem Honig verleihen.“

Die Teilnehmer machen sich Notizen. „Am Ende ergibt sich ein Muster, das erkennen lässt, welcher Honigtyp man ist“, erklärt Singer. Langsam kristallisieren sich Vorlieben heraus. Dem einen schmecken eher die dunkleren kräftigen Sorten wie Wald-, Eukalyptus- und Kastanienhonig. Dem anderen die hellen süßen Sorten wie Akazien-, Sonnenblumen- und Lavendelhonig. Und einige sind hin- und hergerissen. „Sie gehören zum offenen Typ, seine jeweilige Vorliebe ist situationsabhängig“, sagt Singer. Ob blumig, fruchtig, leicht bitter, harzig oder holzig – diese Entscheidung sei manchmal einfach situationsabhängig. Brigitta Wenninger

Mehr Informationen auf www.honig-schlecken.de.

Von Brigitta Wenninger

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