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Die optimale Ernährung kommt ohne Diätplan aus. Denn ein gesunder Körper weiß selbst, was er braucht.

Expertin im Interview

"Maßlose Verwirrung" über richtige Ernährung

Glutenfrei, rohvegan, Paleo oder doch besser Low-Carb? Die Frage nach der optimalen Ernährung treibt viele um. Mit negativen Folgen, wie eine Ernährungswissenschaftlerin beobachtet hat.

Berlin - Diäten und Ernährungsvorgaben setzen Menschen einer Ökotrophologin zufolge unter Druck und begünstigen ungesundes Essverhalten. Zunehmend erkennen Wissenschaftler, dass es die eine gesunde Ernährung gar nicht gibt, sagte die Hamburger Ernährungswissenschaftlerin Maike Ehrlichmann.

Was ist für Sie gesunde Ernährung?

Maike Ehrlichmann: Für mich steht im Zentrum, dass unser Körper über ein funktionierendes System verfügt, das darüber bestimmt, wann wir welches Essen brauchen. Das funktioniert intuitiv bei Kindern und in der Natur. Auch wer mal länger krank war, weiß danach genau, worauf er Appetit hat. Das ist in den seltensten Fällen Curry-Wurst.

Warum greift man im Alltag dann doch dazu?

Ehrlichmann: Auf die inneren Signale zu hören, müssen viele erst wieder lernen. Das System ist gestört: zum Beispiel durch Stress, Werbung und Zusätze wie Süßstoffe, Aromen und Glutamat. Auch durch Essregeln wie "Kein Brot zum Abendessen". Stattdessen gibt es dann später drei  Magnum auf dem Sofa. Es herrscht eine maßlose Verwirrung, welche Ernährung gut ist - warum hieß es vor zehn Jahren fettarm, warum jetzt Low-Carb? Die Leute sind überfüllt von Vorschlägen und machen am Ende gar nichts. Wegen überhöhter Vorstellungen halten sich viele Leute für undiszipliniert und sind frustriert. Dabei müsste man nur die Störfaktoren beseitigen.

Sie geben Ihren Klienten keine Mengen vor?

Ehrlichmann: Nein. Wir brauchen viel individuellere Wege. Auch Professoren sagen inzwischen: Vergessen Sie die Kalorien. Ich habe beobachtet: Wer selbst bestimmt über sein Essen, isst total anders und lernt wieder, auf sich zu hören. Wichtig ist auch, nicht immer von Gesundheit zu sprechen. Das löst sofort Druck und oft Ablehnung aus. Für viele ist Aussehen eine viel größere Motivation.

Heißt ihr Buch deshalb "Ehrlich essen macht schön"?

Ehrlichmann: Ja, wobei wir Schönheit neu definiert haben, auf Zellebene. Nur gut versorgte gesunde Zellen sind schön und strahlen das auch aus. Die meisten unserer Rezepte sind auch herzschützend und krebsvorbeugend. Aber wir sagen "schön", weil damit bisher die Regel verbunden war: Iss so wenig wie möglich. Wir dagegen finden es okay, Kartoffeln zu essen. Wir raten für den Anfang zu zehn ganz normalen Lebensmitteln, mit denen man kochen kann, ohne viel nachdenken zu müssen. Anstatt sich mit Chia-Samen oder anderen abstrusen Lebensmitteln zu beschäftigen. Das bringt eine enorme Erleichterung.

Zur Person

Maike Ehrlichmann ist Ernährungswissenschaftlerin, Autorin und als Coach in Kiel und Hamburg tätig. Sie studierte in Kiel und Fulda. Unter Expats im Ausland bemerkte sie, dass gerade Frauen, die sich besonders viel mit der "richtigen" Ernährung beschäftigten, besonders mit Gewichtsschwankungen zu kämpfen hatten.

Eine gesunde Ernährung lässt sich am besten in kleinen Schritten in den Alltag integrieren. Nur wer Baustein für Baustein Dickmacher gegen Gesundes austauscht, kann seine Lebensgewohnheiten ändern. Das rät Prof. Andreas Fritsche vom Lehrstuhl für Ernährungsmedizin und Prävention am Universitätsklinikum Tübingen. Ein Ernährungs-Tagebuch zeigt, wo das Problem eigentlich liegt. Idealerweise geht man dann dieses Problem zuerst an. Denn: Je kleiner die Veränderung, desto einfacher und langfristiger lässt sie sich umsetzen.

Ein Beispiel: Wer jeden Tag im Büro zwei Teilchen vom Bäcker isst, ersetzt eines davon beispielsweise durch einen Apfel. Alles andere behält er erst mal so bei - nach mehreren Wochen hat sich der Körper daran gewöhnt. Dann kann man überlegen, ob man bei seiner Ernährung die nächste Baustelle angehen will.

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