Familie Deichl: Die backenden Bauern

Markt Indersdorf - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute bäckt die Bauernfamilie Deichl aus Markt Indersdorf Brot und Blechkuchen.

Die BSE-Krise war für Familie Deichl "der reinste Glücksfall". Zumindest sieht es Josef Deichl (57) aus Ried bei Markt Indersdorf heute so. Damals sah die Lage freilich anders aus: "Wir waren mit unserer Ochsen- und Kälbermast in eine missliche Notlage geraten." Josef Deichl glaubte, dass sein Betrieb keine Zukunft mehr habe. Der Landwirt legte deshalb seinem Sohn Stefan (32), einem gelernten Landwirt, nahe, mit der jahrhundertealten Familientradition zu brechen und sich woanders Arbeit zu suchen. Doch der junge Bauer wollte nicht - trotz Krise in der Landwirtschaft.

Dass aus den Bauern schließlich erfolgreiche Bäcker wurden, war "purer Zufall": Aus einer Laune heraus, fing Josef Deichl mit dem Brotbacken an - "für uns selbst. Wir hatten auf einmal ja wahnsinnig viel Zeit". Der Wirt im Dorf probierte das Brot, war begeistert und bestellte es für seine Wirtschaft. "Erst da haben wir zu denken angefangen", sagt Deichl rückblickend.

Von da an ging alles wahnsinnig schnell: Ab 2. Mai 2001 begannen die Deichls mit dem Brotverkauf, drei Wochen später mussten sie bereits den zweiten Steinbackofen kaufen, nach drei Monaten den dritten. "Wir wären sonst mit dem Backen nicht mehr nachgekommen." Mittlerweile gibt es im Hofladen dreimal die Woche frisches Brot, am Wochenende sogar Vollkornsemmeln.

Die Deichls wurden vom Erfolg überrannt: "Eigentlich hätten wir keine Chance haben dürfen. In Markt Indersdorf gibt es vier Bäckereien sowie drei Backshops." Für gerade mal 5000 Einwohner.

Während Josef Deichl Rezepturen für Brote und Semmeln entwickelt ("Ich bin stolz darauf, dass ich ohne chemische Triebmittel auskomme."), ist Ehefrau Ursula (58) für die feinen Backwaren zuständig. Die gelernte Hauswirtschafterin hat früher nur für den Hausgebrauch gebacken, mittlerweile steht sie täglich in der Backstube und verarbeitet pro Woche mehrere Tausend Eier. Rund 14 verschiedene Blechkuchen und 20 Torten hat die zweifache Mutter im Repertoire. Die Rezepte stammen von der Mama und von der Landwirtschaftsschule, manche Kuchen hat sie sich auch selbst ausgedacht. Ihr Erfolgsrezept: "Ich backe ganz traditionell und nur mit den besten Zutaten." So wie sie es für den Privatgebrauch auch macht.

Das schmeckt den Leuten, besonders der Bienenstich ist beliebt. Ursula Deichl: "Der muss immer in der Vitrine stehen." Die Gäste kommen mittlerweile in Scharen in das 2006 eröffnete Caf. Wer sonntags zum Frühstücksbuffet kommen will, dem empfiehlt der Wirt mittlerweile sogar eine Reservierung.

Das Caf - auch so eine Erfolgsgeschichte, mit der niemand gerechnet hat: Das Landratsamt wollte den Umbau des Stadls in ein Caf zunächst nicht genehmigen, die Banken zögerten mit der Finanzierung. Doch schon bald nachdem die Deichls im Frühjahr 2006 aufgesperrt hatten, kamen die Gäste. "Wir haben uns im Umkreis von 50 Kilometer einen guten Namen gemacht", sagt Deichl. Der Wirt ist ganz stolz darauf, dass "sogar Gäste aus Ausflugsgegenden wie dem Starnberger See kommen".

Seit kurzem gibt es auf dem Bumbaurhof - der Hofname stammt aus dem 15. Jahrhundert und kommt vermutlich von "Pumpen" - auch eine hofeigene Brauerei. "Das "Tobiasbräu", benannt nach dem Brauer, ist ein leichter, naturtrüber Märzen. Jetzt denken die Deichls darüber nach, aus dem Caf noch einen Biergarten zu machen.

Vom Ökonom zum Gastronom: Die Deichls sind begeisterte Wirtsleute. "Wir machen das wahnsinnig gerne." Selbst mit dem frühen Aufstehen haben sie kein Problem: "Als Bauern konnten wir richtig lang ausschlafen. Da mussten wir erst um 5 Uhr in den Stall. An den Wochenenden stehen wir jetzt um Mitternacht in der Backstube, dass bis zum morgen alles fertig ist."

Als Bauer ist Josef Deichl nur noch selten im Einsatz - und wenn "zum Ausgleich". Den landwirtschaftlichen Betrieb mit 95 Hektar hat Sohn Stefan übernommen. Der Senior kümmert sich nur noch um seine sechs Galloway-Rinder und um den Streichelzoo, den die Familie für die jungen Caf-Besucher eingerichtet hat. "Die Ziege liebt meine Streicheleinheiten", sagt Deichl lachend. Doch dafür bleibt - bei all dem Erfolg - nur noch wenig Zeit. "Das übernehmen jetzt die Kinder."

Bauernhof Caf

Bauernhof Caf Bumbaurhof:

Familie Deichl

Ried Nummer 11

85229 Markt Indersdorf

Telefon: (0 81 36) 54 25

www.bumbaurhof.de

Hinkommen:

mit dem Auto von München aus über die Landstraße Richtung Dachau, von dort Richtung Markt Indersdorf/Aichach halten. In Ried (grüne Ortstafel) ist das Bauernhof-Caf ausgeschildert.

Öffnungszeiten:

werktags von 9.30 bis 18 Uhr, am Wochenende bis 21 Uhr. Montag Ruhetag.

Sonstiges:

Im Hofladen gibt es dienstags, freitags und samstags frisches Brot. Eigenes Bier. Im Hof Streichelgehege für Kinder. Reservierung sonntags fürs Frühstücksbuffet empfohlen.

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