"Friss und sauf" wie Oskar Maria (OskarMaria)

München - Diesmal erklärt uns OskarMaria-Wirt Dino Klemencic, warum der bayerische Schriftsteller Oskar Maria Graf ein großer Fan der französischen Küche war.

"Es ist keine Wiedereröffnung, es ist ein Neuanfang." Daran will OskarMaria-Chef Dino Klemencic keinen Zweifel aufkommen lassen. Aus dem Dukatz ist nach einer dreiwöchigen Schließung das OskarMaria geworden.

Rein äußerlich hat sich für den Gast nicht viel verändert: Auf der elektronischen Laufsäule der New Yorker Künstlerin Jenny Holzer laufen noch immer Graf-Zitate über die Bar, das Geschirr und die Papiersets sind nach wie vor mit Sätzen des großen Dichters bedruckt ebenso wie die großen Granittische auf der Terrasse. Das hat seinen guten Grund: "Kunst ist unantastbar", sagt der 34-jährige Gastronom mit Nachdruck.

Mit dem Wirtewechsel ist aber eine konzeptionelle Veränderung einhergegangen: Der gelernte Restaurantfachmann hat im gastronomischen Bereich bereits Akzente gesetzt. Mit einer Krustentier-Vitrine beispielsweise, die dienstags bis samstags aufgefüllt wird. "Wir verwenden ausschließlich Seawater-Qualität. Zuchtware kommt mir nicht ins Haus", sagt Klemencic.

Ihm und seinem Küchenchef Alexander Ebert ist die Qualität der Produkte "extrem wichtig". So bezieht das OskarMaria-Team beispielsweise sein Geflügel vom selben Händler wie die Spitzenköche Haas und Winkler. "Top-Produkte für jedermann zugänglich - das ist die Devise. Das kann mal in Form einer klassischen französischen Quiche (7,50 Euro) sein, mal als Rinderfilet (19,50 Euro).

Was auf den Tisch kommt, ist schnörkellos: "Wir verkünsteln uns nicht in der Deko. Auf das Produkt selbst kommt es uns an", so das klare Credo des Hauses.

Ein weiteres Markenzeichen der neuen Literaturhaus-Küche: Sie verlässt Kontinental-Europa nicht - weder bei den Speisen noch beim Wein. Ein Schritt entgegen dem derzeitigen Trend, allem einen asiatischen Stempel aufzudrücken.

"Friss und sauf" - das war nicht nur das Lebensmotto des Namensgebers. Damit ist auch Dino Klemencic aufgewachsen. "Essen und Trinken spielen in unserer Familie eine wesentliche Rolle." Seine Eltern sind in der Gastronomie tätig, die Familie in Slowenien arbeitet auch in diesem Bereich, selbst die Schwiegereltern waren in diesem Bereich beschäftigt.

Die nachfolgende Generation sitzt bereits in den Startlöchern: Sohn Luis (5) kocht zuhause schon fleißig mit und manchmal darf er auch mit in die Großmarkthalle zum Einkaufen. "Da hat er richtig Spaß dran", freut sich der stolze Papa.

In einem Haus, in dem seit über zehn Jahren Lesende und Schreibende, Verleger und Buchhändler, Journalisten und Zuhörer ein und aus gehen, wird die Kommunikation großgeschrieben. Dafür hat Dino Klemencic schon mit seiner Speisekarte gesorgt: Da steht beispielsweise nur ein schlichtes "Coq au Vin" (mittags 12,50 Euro) drauf. Mehr nicht. Das fördere das Gespräch zwischen Gast und Service - allein schon deshalb, weil man nach den Beilagen fragen müsse. Und selbst die Krustentiere, die OskarMaria-Chef selbst als seine "Lieblingsspeise" bezeichnet, sind ein "kommunikatives Essen": Wer einen Hummer knacke oder eine Auster schlürfe, müsse zwangsläufig mit den Händen essen. "Das lässt die Hürden fallen und bringt dich zusammen, egal ob du mit Freunden am Tisch sitzt oder mit Geschäftspartnern."

Da liegt fast der Schluss nahe, dass Namensgeber Oskar Maria Graf zwangsläufig ein Krustentier-Fan gewesen sein muss. "Darüber ließe es sich im OskarMaria herrlich diskutieren."

OskarMaria

Brasserie im Literaturhaus:

Salvatorplatz 1

80333 München

Telefon (089) 29 19 60 29

kontakt@oskarmaria.com

Öffnungszeiten:

Montag bis Samstag von 10 bis 1 Uhr, sonntags von 10 bis 19 Uhr.

Sonstiges:

Laufend Autorenlesungen. Alle Termine unter www.literaturhaus-muenchen.de. Oskar-Maria-Graf-Geschirr auf Anfrage.

Hinkommen:

am Besten mit dem MVV: U 4/ 5 Haltestelle Odeonsplatz oder Marienplatz. Kurzer Fußweg zur Brasserie.

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