Die fröhlichen Schwestern aus Baiernrain

Baiernrain - Freitags schauen wir im Wechsel mit den Wirten Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir bei den Baiernrainer Schwestern Maria Rest und Irmgard Daniel zu Gast.

Bevor Maria Rest zu kochen beginnt, bindet sie sich eine blaue Karl-Moik-Schürze um. "Die hab' ich mal bei einer Kochbuch-Vorstellung bekommen und seitdem benutze ich sie täglich", sagt sie. Außerdem passe sie farblich perfekt in ihr Reich: In der Küche dominieren die Farben weiß und blau, wie es sich für eine echte Bayerin gehört.

Doch heute tischt die 56-Jährige ausnahmsweise ein österreichisches Gericht auf. Das Rezept für "Schwammerlschöberl" stammt ursprünglich von ihrer Cousine Pauline und passt in die Jahreszeit. Schwester Irmgard Daniel (53) erklärt: "Am 29. Juni, zu Peter und Paul, beginnt die Schwammerlzeit." Sie muss es wissen. Zusammen mit ihrem Mann Heinz geht sie regelmäßig in den Wald zum Pilzesuchen.

Beim Zwiebelschneiden verzieht Hobbyköchin Maria keine Miene - "Sie glauben gar nicht, wie viele Zwiebeln ich in meinem Leben schon geschnitten habe." Fast so schnell wie ein Profi ist die Zwiebel zerteilt. Nicht alle Stücke sind akkurat und von gleicher Größe. Für einen Koch undenkbar, doch Maria Rest sagt selbstbewusst: "Macht nichts, bei uns geht's robuster zu. Wir stammen aus einer Bauersfamilie."

Nacheinander vermengt sie die Zutaten. Zu allererst Salz und Pfeffer - "sonst vergess' ich's", lautet die schlichte Erklärung. Waage und Messbecher sucht der Gast in ihrer Küche vergebens - "nein, das brauch' ich nicht", sagt Maria Rest. "Das hab' ich im Gefühl, wie viel Milch ich für meinen Teig benötige."

Schließlich steht die Landfrau jeden Tag in der Küche und kocht für ihren Mann Leonhard, manchmal auch für die Kinder und die Enkelkinder, die alle im Haus wohnen. "Seit ich verheiratet bin, ist das so." Und selbst sonntags tischt die gelernte Schneiderin ihren Lieben etwas auf, denn essen geht sie nicht so gerne: "Zuhause schmeckt es uns am besten." Maria Rest steht gern in ihrer Wohlfühlküche. Auf den blauen Holzofen ist sie besonders stolz: "Der macht eine so schöne Wärme." In den Wandschränken stehen alte Schneebesen und schmucke Gewürzdosen aus weißem Porzellan mit blauer Aufschrift - "alles Erinnerungsstücke an meine Mutter".

Jeden Tag kochen, das ist einfach so: "Das hab ich gar nicht hinterfragt, als ich geheiratet habe." Mit der Zeit ist es eine Leidenschaft geworden. "Ich hab zusammen mit meiner Schwester angefangen, Rezepte zu sammeln." Irgendwann entstand die Idee, ein Kochbuch herauszubringen. Maria Rest bat Freundinnen und Nachbarinnen, ihre Küchengeheimnisse zu lüften. Herausgekommen ist das knapp 400 Seiten dicke "Baiernrainer Schmankerlkochbuch", angereichert mit Anekdoten. Die Rezepte sind handgeschrieben. Den Erlös, den die Schwestern beim Verkauf erzielen, wird gespendet. Sogar Alfons Schuhbeck hat ihr Kochbuch bekommen und soll beim Durchblättern anerkennend gesagt haben: "Von den Landfrauen kann man noch so manches lernen. Selbst ein Profi."

Während sie erzählt, schichtet Maria Rest die Teigmasse in eine Auflaufform und schiebt diese in den Ofen. "Ich bin's gewohnt, gleichzeitig zu reden und zu kochen. Eins der Enkel ist eigentlich immer da und will unterhalten werden."

Heute ist nur ihre Schwester rübergekommen - Irmgard Daniel wohnt mit ihrer Familie im Nachbarhaus. Oft kochen die beiden zusammen, "wir richten eigentlich alle Familienfeste zusammen aus". Zusammen kochen, d.h. jede ist für ihren Part zuständig. "Sonst wird's nichts."

Sobald das Schwammerlschöberl im Ofen ist, haben die beiden Zeit zum Ratschen und vor allem Lachen, denn sowohl Rindfleisch als auch die Tiramisu haben sie schon vorbereitet. "Sonst wären wir nie fertig geworden. Denn das Fleisch muss über Nacht in der Beize liegen und braucht mindestens zwei Stunden im Ofen, die Tiramisu sollte längere Zeit im Kühlschrank stehen." Alle drei Rezepte stammen aus ihrem Kochbuch - "das ist doch Ehrensache".

"Fertig", sagt Maria Rest, wischt sich die Hände an ihrer Schürze ab und schließt die Küchentür. Denn gegessen wird im Wohnzimmer, mit Blick auf die Alpen und das Chaos in der Küche - "das wird irgendwann später beseitigt".

Schmankerlkochbuch

Das "Baiernrainer Schmankerlkochbuch" gibt es ab Montag, 30. Juni, in allen Geschäftsstellen des Münchner Merkur und seiner Heimatzeitungen. Es kostet 17,95 Euro. Der Reinerlös kommt der Merkur-Aktion "Lichtblick Seniorenhilfe" zu Gute.

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