Die Geisels: München ist unsere Zukunft

München - 17 Sterne, vier Hotels, drei Restaurants: Die Privathotellerie Geisel gibt es seit 1900 in München. Heuer wurden die drei Brüder Carl, Michael und Stephan Geisel als "Hoteliers des Jahres" ausgezeichnet.

Was bedeutet es für Sie, "Hoteliers des Jahres" zu sein?

Carl Geisel: Darauf sind wir sehr stolz. Nur ausruhen werden wir uns nicht. Unsere Philosophie ist: Man darf sich nie zufrieden geben und muss immer hungrig nach etwas Neuem sein.

Sie sind drei Brüder. Wie funktioniert die Zusammenarbeit?

Carl Geisel: Wir arbeiten gleichberechtigt zusammen, auch wenn wir die Bereiche untereinander aufgeteilt haben: Michael ist für das "Anna Design-Hotel" und das "Cosmopolitan" zuständig, Stephan für das Weingeschäft und die Endkunden. Ich für den "Königshof" und das "Excelsior".

Bei uns fallen die Entschlüsse nur einstimmig, es gibt keine Zwei-gegen-eins-Entscheidungen. Das heißt nicht, dass wir immer einer Meinung sind. Aber notfalls reden wir so lange in Ruhe miteinander, bis wir zu einem einstimmigen Ergebnis kommen.

Michael Geisel: Die Geisels, das sind auch nur wir Brüder. Unsere Frauen sind uns als Gäste immer willkommen. Die Firma aber führen wir Brüder.

Privathoteliers gibt es nur wenige in der Stadt.

Carl Geisel: Aber dafür sind es die Platzhirschen. Wir und Innegrit Volkhardt vom "Hotel Bayerischen Hof" sind die größten Privathoteliers. Beide spielen wir in der ersten Liga.

Das Bahnhofviertel ist im Wandel. Luxushotels wie das "Sofitel" und "Le Meridien" haben sich angesiedelt. Konkurrenz für Sie?

Carl Geisel: Wir freuen uns grundsätzlich über jede Aufwertung des Bahnhofsviertels. Da ist uns die wunderschöne Architektur des "Sofitels" lieber als eine heruntergekommene Bayerpost wie es vorher war.

Michael Geisel: Wir sind insgesamt daran interessiert, dass etwas am Hauptbahnhof passiert. Das fängt beim Umbau des Bahnhofes an und hört beim Flughafenzubringer auf. Wir sind ganz klar für den Transrapid. So wären unsere Gäste schneller am Flughafen. Für Flugreisende, die fünf oder sechs Stunden Aufenthalt in München haben, wäre eine Fahrt nach München interessant. Die Gastronomie in Bahnhofsnähe würde davon profitieren.

Wie wichtig ist ein so renommiertes Restaurant wie das Ihre für das Hotel Königshof?

Michael Geisel: Zu einem gescheiten Hotel gehört einfach ein gescheites Restaurant. Wobei man aber sagen muss, dass nur fünf bis zehn Prozent ins Hotel zum Essen gehen. Die Mehrheit unserer Restaurant-Gäste kommen direkt aus München.

Carl Geisel: Ein Ein-Sterne-Restaurant ist ein Luxus, den wir uns leisten können. Müssten wir die in München übliche Miete für ein 1000 Quadratmeter großes Restaurant zahlen, wäre das Gourmet-Lokal kein rentabler Betrieb.

Ihr Küchenchef Martin Fauster hat einen Michelin-Stern erkocht. Hoffen Sie auf einen zweiten?

Michael Geisel: Hoffen kann man immer, aber wir sind auch glücklich mit einem Stern.

Carl Geisel: Zwei Sterne wären sicher schön, allein deshalb, weil wir in München mit dem "Tantris" nur ein Restaurant mit zwei Sternen haben. Hans Haas genießt so eine Monopolstellung in der Stadt.

Die meisten Hotelzimmer werden heutzutage übers Internet gebucht. Haben Sie da als Privathotel das Nachsehen?

Michael Geisel: Da haben wir zugegeben einen Nachteil gegenüber den Ketten, weil ein Name wie "Hilton" international bekannt ist. Aber seit 2003 ist unser Hotel "Königshof" in den exklusiven Kreis "The Leading Hotels of the World" aufgenommen. Das ist gerade für die Internet-Suche wichtig. So finden uns auch Gäste aus den USA, ohne erst mal den Namen "Königshof" zu kennen.

Gibt es überhaupt noch den Hotelgast, der mit einem Koffer an der Rezeption steht und nach einem Zimmer fragt?

Carl Geisel: Selten, aber es kommt noch vor. Der Großteil unserer Gäste bucht inzwischen aber übers Internet. Der Preis entscheidet, Markenloyalität gibt es kaum noch. Wir haben eine Mitarbeiterin allein dafür eingestellt, die sich darum kümmert, dass unser Internet-Auftritt stets aktuell ist und auf den Markt reagiert. Denn eine Festpreisbindung haben wir in keinem unserer Häuser. Da muss man manchmal im Viertel-Stunden-Takt reagieren.

Ihre Häuser sind für die familiäre Atmosphäre bekannt. Wie stellen Sie diese her?

Carl Geisel: Mit Geld ist es relativ einfach, einen schönen Rahmen zu schaffen. Doch damit geben wir uns nicht zufrieden. Unsere Häuser leben durch unsere Mitarbeiter, die zum Teil schon mehrere Jahrzehnte bei uns sind. Unser Führungsstil ist menschlich, das heißt, wir sehen auch den Menschen hinter jeder Arbeitskraft.

Michael Geisel: Uns ist wichtig, dass die Stimmung unter den rund 360 Mitarbeitern gut ist. Die Harmonie überträgt sich automatisch auf unsere Gäste.

Carl Geisel: Nur die "alte Konkurrenz" zwischen Schwarz und Weiß (Anmerkung der Redaktion: Küchenpersonal und Service) gibt es auch bei uns.

Welchen Stellenwert nimmt bei Ihnen das Thema Ausbildung ein?

Carl Geisel: Wir denken langfristig. Das heißt, wir können nicht kompetente Mitarbeiter erwarten, wenn wir selber nicht ausbilden. Rund 60 unserer 360 Mitarbeiter sind Auszubildende. Das ist ein hoher Prozentsatz. Ausbildung ist uns ein großes Anliegen und wir sind stolz darauf, dass viele unserer Mitarbeiter bei internationalen Wettbewerben gewinnen.

Michael Geisel: Die Ausbildung zur Hotelfachkraft ist eine Knochenausbildung. Das wissen wir. Aber wir wissen auch, dass es sich für unsere Mitarbeiter lohnt: Unsere Hotels sind für viele das Sprungbrett. Wenn ich unterwegs bin, treffe ich überall auf der Welt ehemalige Angestellte, oft in Spitzenpositionen.

Wie sieht die Zukunft der Geisel Privathotels aus. Gibt es Bestrebungen, aus dem Imperium ein nationales oder gar internationales Unternehmen zu machen?

Michael Geisel: Wir sind dankbar, dass unsere Hotels in München stehen. Und noch dazu mittendrin - denn von unseren Häusern lässt sich München herrlich zu Fuß erkunden.

Carl Geisel: Als Berlin Hauptstadt wurde und alle nach Berlin gegangen sind, haben wir das auch überlegt. Allerdings nur kurz. Wir sind Münchner Hoteliers und daran wird sich nichts ändern. Wenn wir expandieren, dann nur innerhalb der Stadt. Wir bekommen regelmäßig Angebote, fünf bis sechs prüfen wir ernsthaft pro Jahr. Wenn wir mal wieder ein Objekt finden, das zu uns passt, expandieren wir. Aber München ist ganz klar unsere Zukunft und wir hoffen, dass München auch in Zukunft so attraktiv bleibt.

Das Gespräch führten Karl Schermann und Stephanie Ebner.

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