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Perfekt für Vegetarier: Valerie McCleary-Thornton (re.) und Christine Sterner lieben die Vielfalt der ayurvedischen Küche.

Der Geschmack des Ayurveda

München - Wir schauen Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute: Valerie McCleary-Thornton und ihrer Freundin Christine Sterner in Englschalking. Die beiden Frauen kochen ayurvedisch – eine traditionelle indische Küche.

Die langjährige Serie des Münchner Merkur endet heute bei Valerie McCleary-Thornton und ihrer Freundin Christine Sterner in Englschalking.

Als sie 29 Jahre alt war, reiste Valerie McCleary-Thornton allein acht Monate lang durch Indien. Ihr weniges Gepäck steckte in einem Rucksack. Mit Bus und Bahn erkundete sie das Land. Die Reise hat das Leben der heute 63-Jährige tief geprägt – auch kulinarisch. Seitdem kocht sie ayurvedisch. „Als Vegetarierin war ich auf der Suche nach einer Küche, die nicht so laff schmeckt“, erzählt die aus Irland stammende Valerie. „Dort kennen wir nur Salz und Pfeffer – und Pfeffer und Salz“, sagt sie und lacht. Die Vielfalt der Gewürze, der Geschmäcker und auch der Farben der traditionellen indischen Küche begeistern die Hobbyköchin bis heute.

In ihrer kleinen Küche in Englschalking hat sich Valerie, die seit 26 Jahren in München lebt, gemütlich eingerichtet. Zwischen den weißen Küchenfronten verweisen die vielen Gewürzdosen auf die indische Kochkunst, welche die Irin so liebt. Senfkörner, Asafötida – auch Teufelsdreck genannt – und Gelbwurzel, das sind die Zutaten, mit denen Valerie McCleary-Thornton aus einfachem Gemüse eine aromatische Mahlzeit zaubert. Heute stehen auf der Speisekarte: Gemüse-Reis (Pulao), Mung Dal-Suppe, Zucchini-Gemüse, Rote Beete-Salat und süßes Karotten-Halva.

„Die ayurvedische Küche ist so vielfältig“, schwärmt Valerie, während sie die Senfkörner in Öl anröstet. „Die sind fertig, wenn sie springen und platzen“, verrät die Köchin. Seit mehr als 30 Jahren verzichtet sie auf Fleisch und war immer auf der Suche nach Gerichten, „die Geschmack haben“.

Auf einem ayurvedischen Teller befinden sich immer viele Gerichte. Die Küche ist daher nichts für Eilige. Valerie hat stets ihre Freundin Christine Sterner zur Unterstützung dabei. Während sie das Gemüse in kleine Stücke schnippelt, gibt sie einen Einblick in die eigene Kocherfahrung: „Manche Dinge lassen sich auch gut vorbereiten“, sagt sie. Der Rote-Beete-Salat und das Karotten-Halva etwa werden kalt gegessen und können deshalb auch mal einen Tag lang stehen.

Ansonsten lautet die erste Regel in der ayurvedischen Küche aber: „Es muss alles frisch sein.“ In der Küche breiten sich exotische Düfte aus: Ingwer, angerösteter Kreuzkümmel, Zimt. Die ungeübte Nase kann die einzelnen Aromen kaum noch unterscheiden. Während Valerie und Christine das Gemüse würzen, die gespaltenen Mungbohnen mit heißem Wasser übergießen, um daraus eine dicke Suppe zu kochen, geben sie eine kleine Einführung in die Lehre des Ayurveda. Denn das ist weit mehr, als eine Art des Kochens. Dahinter verbirgt sich eine indische Heilkunst. Yoga und Massage etwa haben darin ebenso ihren Stellenwert, wie die richtige Ernährung. Auf Deutsch bedeutet Ayurveda „Wissen vom Leben“.

Jeder Mensch verdaue die verschiedenen Lebensmittel unterschiedlich, erklärt Valerie. „Wichtig ist, zu wissen, welche ich gut vertrage und welche nicht.“ Nach der Lehre des Ayurveda hängt dies von dem Temperament des Einzelnen ab. Man spricht auch von „Doshas“. Bei Valerie dominiert zum Beispiel „Pitta“ – das heißt, sie ist ein sehr temperamentvoller Typ. „Deshalb sollte ich nicht so scharf essen, weil das die Hitze in mir noch zusätzlich anregt“, erklärt sie. Ihr Körper verdaut dagegen sehr gut Salat und Gemüse. „Mmh“, schwärmt sie, als sie kurz den Topfdeckel hebt und schnuppert. „Sieht das nicht einfach schön aus?“ Gelb, rot, grün leuchtet das Zucchini-Kartoffel-Gemüse im Topf. Die strahlenden Farben erinnern sie an Indien.

Dann kann angerichtet werden. Auf einem traditionellen Thali, einem Tablett-Teller, befinden sich alle Gerichte und damit auch alle Geschmacksrichtungen – salzig, süß, sauer, scharf, zusammenziehend und bitter. Ganz oben wird, in einer kleinen Schale, die Suppe serviert, gegenüber Gemüsereis, rechts auf dem Teller liegt das Zucchini-Gemüse. Auf der linken Seite die Rohkost in Form des Rote-Beete-Salats und in der Mitte die süße Komponente des ayurvedischen Mahls, das Karotten-Halva. „Eigentlich kann man alles gleichzeitig essen“, erklärt Valerie. Aber viele würden sich das Süße als Nachspeise aufbewahren. Sie spricht ein kurzes Gebet, in dem sie sich für die Energie, die sie mit dem Essen aufnimmt, bedankt – und verspricht, sie an andere weiterzugeben. Die würzige Essensreise ins traditionelle Indien kann beginnen.

Von Kerstin Lottritz

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