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Frankophil: Harry Bischof in seinem kleinen Laden „Le Bazar de Cuisine“ an der Balanstraße 8.

Haidhausen

Der Franzose im Franzosenviertel ist zurück

Harry Bischof ist eigentlich gelernter Fotograf. Doch aus Liebe zu Frankreich hat er nun einen Laden mit französischen Lebensmitteln im Münchner „Franzosenviertel“ eröffnet. Ein Besuch.

Unscheinbar liegt Harry Bischofs kleiner Laden an der Balanstraße 8, direkt am Rosenheimer Platz. Ein unauffälliges Schild über dem Eingang wirbt: „Le Bazar de Cuisine“. Im Schaufenster steht ein Regal mit kleinen Straßenschildern darauf: Belfortstraße, Pariser Platz, Balanstraße. Darunter stehen Produkte wie Dijon-Senf, bunte Macarons und Champagner. Frankreich-Liebhaber erkennen gleich, was gemeint ist: Die Produkte unter den Straßenschildern kommen aus den Orten, nach denen die Straßen im „Franzosenviertel“ Haidhausen benannt sind. Inhaber Bischof steht selbstbewusst mitten in seinem Laden und grüßt Kunden direkt mit „Bonjour!“. Der Mittfünfziger trägt einen Schal zum Pullover, Jeans und kurzes Haar. Seine Gestik ist zurückhaltend, er spricht mit ruhiger Stimme. In seinem Laden, den er gerade wiedereröffnet hat, verkauft er allerhand Lebensmittel und Küchenutensilien aus Frankreich, „die man in Deutschland so nicht kriegt“, wie er nicht ohne Stolz erklärt. Es riecht nach frischem Tee. Das Geschäft ist geschmackvoll eingerichtet, mit warmen Farben und antiken Möbeln. In Regalen und auf Kommoden sind Limonaden, Pasteten und Geschirr sorgfältig arrangiert.

Bischof ist aufgeschlossen und redet gern mit seinen Besuchern: Aufgewachsen ist er in Baden-Baden, erzählt er, in der Nähe seiner ersten großen Liebe: Frankreich. Immer wieder trieb es ihn dorthin, schwärmt er. Das Geschäft ist der Beweis, dass die Liebe bis heute besteht. Seine Begeisterung treibt ihn an. Die Produkte sucht er selbst aus, hat persönlich Kontakt zu den Händlern, achtet auf Qualität. Das Preisniveau ist entsprechend gehoben. Ursprünglich macht Bischof etwas anderes: Er ist Food-Fotograf. „Essen ist meine große Leidenschaft“, erklärt er und lächelt verschwörerisch. Seinem Körper sieht man das nicht an. Als Selbstständiger fotografierte er mehr als 150 Kochbücher, erzählt er, drei davon schrieb er selbst. Das Kochen mache ihm genauso Spaß wie Fotografieren, seine Motive bereitet er selbst zu. Für Bischof zählt die Ästhetik: „Das Sinnliche, das Schöne“, sagt er. Das sieht man auch im „Le Bazar de Cuisine“: Alles im Laden hat seinen Platz.

Acht Jahre lang lebte er mit seiner Frau, einer Food-Stylistin, in einem Weinanbaugebiet in Bordeaux, sein großer Traum. Dann zogen sie wieder zurück nach Deutschland. Der Arbeit wegen, wie er sagt. Die Auftragslage als Food-Fotograf war mal besser, mal schlechter, gibt Bischof zu. „Die ganze Welt knipst ihr Essen mit ihrem Smartphone“, bemerkt er mit Bedauern. Ein Foto sei immer weniger Geld wert. Dass die wachsende Konkurrenz ein Grund für die Eröffnung seines Ladens sei, bestreitet Bischof jedoch. Fotograf sei er immer noch. Als er den Laden 2005 zum ersten Mal eröffnete, war es vor allem sein Wunsch, etwas anderes zu machen und sich neu zu erfinden. Nach sieben Jahren verkaufte er das Geschäft, um sich mehr der Fotografie zu widmen. Nun steht er wieder in der Balanstraße Nr. 8 und bietet – wie früher – französische Kleinigkeiten an.

Die Kunden, einige davon Stammkunden, kamen sofort zurück. „Ich merke, dass die Franzosen sich unheimlich über französische Produkte, die sie vielleicht noch aus ihrer Kindheit kennen, freuen“, erzählt Bischof. Aber auch Deutsche kämen mit speziellen Wünschen oder um etwas Neues zu entdecken. Eine Kundin kommt auf ihn zu und verabschiedet sich mit Bisous. Küsschen rechts, Küsschen links. Die Atmosphäre ist herzlich. Ob das nicht anstrengend sei, mit zwei Jobs selbstständig zu sein? Bleibt da Platz für Hobbies? Bischof lacht und verrät seine heimliche Leidenschaft: Schlagzeugspielen. Das mache ihm unheimlich Freude. „Ich möchte was ins Leben hineinpacken“, sagt er und lächelt verschmitzt. Immer komme etwas Neues. Vor 20 Jahren hätte er bestimmt nicht gedacht, dass er mal einen eigenen Laden haben würde, gibt er offen zu. C’est la vie.

Von Sophie Krause

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