"Herr Koch, es hat gut geschmeckt"

Garmisch - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute lädt Karsten Kuhlmey zur Nudelparty in die Jugendherberge nach Garmisch ein.

Beim "Tatort"-Schauen hat sich Holger Strobel (36) neulich fürchterlich geärgert. "So schlecht schmeckt's nur in der Jugendherberge", hat da ein Kommissar das vernichtende Urteil gefällt. "Die waren schon lang nicht mehr in einer Jugendherberge", ist der stellvertretende Leiter aus Garmisch überzeugt und fügt selbstbewusst hinzu: "Was wir hier auftischen, hat Hotel-Niveau." Auf dem Silvesterbuffet beispielsweise thront - genauso wie in den besten Häusern am Ort - ein Spanferkel und ein Eisschwan.

Der einzige Unterschied: Hier geht es nicht so gediegen zu. In dem rot gestrichenen Speisesaal mit 110 Sitzplätzen kommt es schon mal vor, dass krachend ein Stuhl umfällt oder ein Glas zu Bruch geht. Das Schöne: Hier schaut niemand, wenn's mal wieder etwas lauter wird. Denn die meisten Gäste, die hier speisen, haben selbst Kinder.

Das liegt auch an der Altersbeschränkung, die es für bayerische Jugendherbergen gibt. Das heißt, Jugendliche bis 26 Jahre und Familien mit Kindern haben Vorrang. Erst wenn dann noch Betten frei sind, kommen auch ältere Ehepaare in der Jugendherberge unter. "Da wir ein großes Haus mit 205 Betten sind, ist das meist auch kein Problem", sagt Strobel. Nur in den Ferienzeiten kann es eng werden.

Nutzten Familien die Herberge in dem Garmischer Ortsteil Buchrain früher nur als Nachtlager auf dem Weg nach Italien, verbringen immer mehr ihren Jahresurlaub hier. Und das liegt nicht nur an der traumhaften Lage zwischen Zugspitze und Wettersteingebirge. Besonders seit die Herberge vor drei Jahren komplett umgebaut wurde, ist sie viel besucht. Seit dieser Zeit bürgt das Prädikat "Familienerlebnis" dafür, dass sich junge Mamis und Papis mit ihren Sprösslingen hier wohlfühlen. Dafür sorgen allein gut ein Dutzend Hochstühle im Speisesaal, extra Familienzimmer, Kraxen, Wickelauflagen und Fläschchenwärmer zum Ausleihen.

Auch in der Küche dreht sich alles um die Familie. Dafür sorgt Küchenchef Karsten Kuhlmey. Er stellt den Speiseplan zusammen. "Manchmal ist es gar nicht so einfach, Vater und Sohn mit dem gleichen Speiseangebot glücklich zu machen", hat der 41-Jährige die Erfahrung gemacht. Da ist Kreativität gefragt - "dann tische ich beispielsweise zu Püree und Sauerkraut für den Papa ein Kassler und für den Knirps Rostbratwürstchen auf. Das kommt an." Auch wenn Kuhlmey ursprünglich aus Hessen stammt, einmal in der Woche wird's bayerisch: "Das erwarten die Gäste hier einfach."

Wer in der Jugendherberge absteigt, kann zwischen Halb- und Vollpension wählen. In der Hauptsaison kostet ein Tag pro Person 29,10 Euro (HP: 25,80 Euro). Kinder bis fünf Jahren zahlen gar nichts. Dazu kommen einmalig pro Jahr 21 Euro Mitgliedsbeitrag für Familien. Der kulinarische Tag fängt mit einem reichhaltigen Buffet an. "Ich versuche, meine Gäste gesundes Essen schmackhaft zu machen", sagt der Koch. Dazu stellt er den Obstsalat und das Müsli an vorderste Front, zuckerhaltige Frühstückscerealien stehen weiter hinten. Wer's lieber deftig mag, kann zwischen mehreren Wurst- und Käsesorten auswählen. Da die meisten Gäste über Mittag nicht in die Herberge kommen, können sie sich an einem extra Lunch-Buffet eine Brotzeit zum Mitnehmen zusammenstellen. Sogar das Trinken für unterwegs ist im Preis inbegriffen. "Nur was der Gast wirklich isst, kommt in die Tüte", sagt Kuhlmey.

Abends gibt es dann eine warme Mahlzeit, die der Koch und sein Team frisch zubereiten. "Dabei kann uns jeder über die Schulter schauen." Die Front zum Speisesaal ist komplett offen. Da kommt es chon mal vor, dass ein Gast plötzlich in der Küche steht und einen Extrawunsch äußert. "Wenn möglich, erfüllen wir ihn." So wie neulich, als sich eine junge Frau Kaiserschmarrn wünschte. Am nächsten Tag gab's ihn kurzerhand zum Nachtisch. Auch wenn in der Jugendherberge abends eigentlich zwischen 18 und 19 Uhr gegessen wird - "wenn sich jemand verspätet und uns anruft, muss er nicht hungrig bleiben. Dann zaubern wir halt später noch was".

Vorbei sind auch die Zeiten, in denen der Gast in Jugendherbergen abwaschen musste. Das ist schon allein aus hygienischen Gründen nicht mehr erlaubt. Lediglich das Geschirr muss zusammengestellt werden.

Die Gäste in Garmisch sind mit Kuhlmeys Küche sehr zufrieden: "Herr Koch, es hat sehr gut geschmeckt", steht in bunten Lettern auf einer der vielen Kinderzeichnungen in Kuhlmeys Büro. So ein Lob ist jeden Morgen erneut Ansporn genug.

Jugendherberge Garmisch-Partenkirchen:

Adresse:

Jugendherberge Garmisch-Partenkirchen:

Jochstraße 10 im Ortsteil Burgrain

Tel.: (0 88 21) 96 70 50

www.garmisch.jugendherberge.de

Hinkommen:

Von München aus die Garmischer Autobahn bis zum Ende fahren. Weiter auf der B 2. Nach Oberau und vor dem Tunnel in Farchant Richtung Ort abbiegen. Von dort ist der Ortsteil Burgrain bzw. die Jugendherberge ausgeschildert.

Sonstiges: 

Kinder bis 5 Jahre frei. Für Familien sind die Tische am Fenster mit Blick auf die Zugspitze reserviert

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