„Indisch ist meine große Leidenschaft“

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei Petra Schreil in Poing. Sie kocht am liebsten indisch für ihre Familie.

Im Herrgottswinkel hängt ein geschnitzter Jesus, ein großer Kachelofen verbreitet angenehme Wärme, davor steht eine Holzbank und ein Holztisch. Eine gemütliche, ganz normale Wohnküche im Oberland eben – wären da nicht die vielen geschnitzten Elefanten, gläsernen Kerzenleuchter und bunten Saris. „Ich liebe Indien“, sagt Petra Schreil (42) aus Poing. Die Kultur, die Leute und vor allem das Essen. Deswegen duftet es in ihrem Haus auch öfter nach Curry, Safran und Königskümmel als nach bodenständigem Schweinebraten oder Fleischpflanzerl. So auch heute. Die zweifache Mutter kocht Rotes Linsen-Curry und cremiges Hühnercurry.

Schon als junge Frau träumte die Poingerin von Indien. Einmal das Taj Mahal sehen. „Und zwar nicht nur kurz – ich wollte von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang vor dem Grabtempel sitzen.“ Zusammen mit ihrem Mann Hans (44) packte sie 1994 zum ersten Mal ihren Rucksack und flog nach Bombay.

Davor machte sie einen Kochkurs bei der Volkshochschule. „Ich wollte wissen, was die Leute da so essen.“ Zahlreiche Kochkurse folgten. Mittlerweile hat Petra Schreil eine beachtliche Rezeptsammlung zur indischen Küche. „Indisch muss ich nach wie vor nach Rezept kochen“, sagt die Hausfrau. „Wegen der vielen Zutaten“, fügt sie erklärend hinzu. Obwohl die 42-Jährige mittlerweile auch andere asiatische Länder bereist hat, ist Indien ihre große Leidenschaft geblieben.

Man müsse sich irgendwann entscheiden, was man am liebsten kochen will, sagt die begeisterte Hobbyköchin. „Allein der vielen Gewürze wegen.“ Petra Schreil hebt ihre Gewürze in einer silbernen Blechdose auf. Weil sie Koriander und Kreuzkümmel leicht verwechselt, hat sie am Dosenrand einen Spickzettel angebracht.

Dass im Norden Indiens vorwiegend vegetarisch gekocht wird, kam Petra Schreil anfangs sehr gelegen. „Ich esse weder Fisch noch Lamm.“ Fisch kann sie mittlerweile zubereiten – vorausgesetzt, sie hat jemanden zum Abschmecken. Dass sie auch mit der Ingwerwurzel anfangs so ihre Probleme hatte, kann man sich heute nicht mehr vorstellen: Großzügig wirft Petra Schreil die klein geschnittenen Ingwerstückchen zum Knoblauch in den Mixer. Das Püree brät sie anschließend in der Pfanne an. Schon weht ein Knoblauchduft durchs Haus – „das muss man wissen, wenn man indisch kocht“. Indisch kochen sei nunmal „geruchsintensiv“.

Weil man beim Indischessen mehrere Gerichte gleichzeitig isst, hantiert Petra Schreil mit vier Töpfen gleichzeitig am Herd. Da ist für einen Reistopf einfach kein Platz mehr. Deshalb hat sich die Indien-Liebhaberin vor ein paar Jahren auch einen Reiskocher zugelegt. Und so oft, wie sie indisch kocht, hat sich die Anschaffung auch rentiert.
Man sieht, dass Petra Schreil viel Routine hat. Spinat anbraten, die Currys umrühren und das Gemüse frittieren, das alles geht beinahe im Handumdrehen. Und doch vergisst sie an diesem Tag in all der Aufregung den Reis mit Curcuma gelb einzufärben – „das hatten mir eigentlich meine Töchter aufgetragen“.

Die Zwillinge Andrea und Daniela, 14 Jahre, haben sich längst von der Indien-Leidenschaft ihrer Mutter anstecken lassen und kochen schon diverse Currys. Nur das Taj Mahal haben sie, im Gegensatz zu ihrer Mutter, bislang noch nicht gesehen – „diesen Traum wollen wir ihnen aber noch erfüllen“. Dann will Petra Schreil auch den Fauxpas ihrer ersten Indien-Reise revidieren: Sie hat zwar zig Fotos vom Taj Mahal. Aber auf keinem einzigen sind die Schreils mit drauf. „Das müssen wir ändern.“

Doch davor wird erst einmal am heimischen Tisch indisches Essen zelebriert. Besonders stolz ist Petra Schreil auf ihre original indischen Silberteller. „Die hat mir eine Freundin aus England mitgebracht, weil man sie hier nicht bekommt.“ Das Auge isst schließlich mit.

von Stephanie Ebner


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Rotes Linsen-Curry

Zutaten: 250 g rote Linsen, gewaschen und abgetropft, 500 ml Gemüsebrühe, 1/2 TL gemahlene Kurkuma, 50 g Ghee (Butterschmalz, im Asia-Markt erhältlich), 1 Zwiebel, gehackt, 2 Knoblauchzehen, feingehackt, 1 großer grüner Chili, ohne Kerne und feingehackt, 2 TL gemahlener Kreuzkümmel, 2 TL gemahlener Koriander, 2 Tomaten, gehackt, Salz und schwarzer Pfeffer nach Geschmack, 125 ml Kokosmilch.

Zubereitung:Linsen, Brühe und Kurkuma in einem großen Topf zum Kochen bringen. Bei reduzierter Hitze abgedeckt 10 Minuten weich köcheln lassen, dabei gelegentlich umrühren und darauf achten, dass die Masse nicht am Topfboden haftet. Unterdessen Ghee in einer kleinen Pfanne erhitzen und die Zwiebel darin goldgelb dünsten. Knoblauch, Chili, Kreuzkümmel und Koriander zugeben und unter Rühren 2-3 Minuten mitdünsten. Zwiebel und Gewürze in die Linsenmischung einrühren, dann Tomaten zugeben. Bei sehr schwacher Hitze unter häufigem Rühren 5 Minuten köcheln lassen. Mit Salz und Pfeffer würzen, Kokosmilch einrühren und gut erhitzen. Mit Naan-Brot oder Reis servieren.

Gebratener Spinat mit Zwiebeln

Zutaten: 2 Zwiebeln, 1 Stück frische Ingwerwurzel (etwa 3 cm lang), 2 Knoblauchzehen, 3 EL Ghee oder Öl, 1/4 TL Chili, gemahlen, 1 TL Kreuzkümmel (Cumin), gemahlen, 1/2 TL Kurkuma, gemahlen, 1 TL Koriander, gemahlen, 600 g tiefgefrorener Blattspinat, Salz, 125 g Sahne.

Zubereitung: Die Zwiebeln schälen und in dünne Scheiben schneiden. Den Ingwer schälen und reiben. Den Knoblauch schälen und zerdrücken. Das Ghee oder das Öl in einer Pfanne erhitzen. Die Zwiebeln, den Ingwer und den Knoblauch darin bei mittlerer Hitze goldbraun anbraten. Die gemahlenen Gewürze hineingeben und etwa 1 Minute braten. Den Spinat und Salz dazugeben und bei mittlerer Hitze zugedeckt etwa 15 Minuten auftauen und garen. Zum Schluss die Sahne vorsichtig unterrühren. Den Spinat mit Chapatis oder Naan servieren.

Cremiges Hühnercurry

Zutaten: 1 kg Hähnchen oder Geflügelteile, 4 EL Ghee oder Pflanzenöl, 1 Zwiebel, geviertelt, 2 Knoblauchzehen, 1 cm Ingwerwurzel, 4 EL Mandelmehl, 1/2 TL Kurkuma, 1 TL Cayennepfeffer, 2 TL Korianderpulver, 250 g Crème fraîche oder 250 ml Kokosmilch, 1/2 TL Garam masala, 3 hart gekochte Eier, geviertelt, 2 EL geröstete Mandelblättchen, 1 Limone, Koriander- oder Minzzweige.

Zubereitung: Huhn in 5 cm große Stücke schneiden, in Ghee gleichmäßig anbraten, aus dem Topf heben und warmstellen. Zwiebel, Knoblauch und Ingwer im Mixer zu einer Paste zermahlen. Die Paste im gleichen Topf goldbraun braten. Mandelmehl, Kurkuma, Cayennepfeffer und Koriander hinzufügen. 1-2 Minuten unter Rühren mitbraten lassen. Huhn wieder in den Topf geben und 250 ml Wasser hinzufügen. Halb verschlossen etwa 25 Minuten köcheln lassen. Mehrmals wenden, bis das Huhn zart ist. Crème fraîche, Garam masala und Eier dazurühren. Kurze Zeit mitköcheln lassen. In einer warmen Servierschüssel anrichten und mit Mandelblättchen, Limonenscheiben und den Kräuterzweigen garnieren.

Gajar Halwa (Möhren-Halwa)

Zutaten: 500 g Möhren, geraspelt, 700 ml Milch, 2 EL Ghee, 30 g Mandeln, gehackt, oder gehackte Cashewnüsse, 1 EL Weizengrieß, 1 EL Rosinen, evtl. 1/2 TL Kardamompulver, 2 1/2 EL Zucker 2 EL Ghee.

Zubereitung: Ghee in einem großen Topf mit schwerem Boden erhitzen und die geraspelten Möhren hineingeben und auf mittlerer Hitze unter häufigem Rühren ca. 5 Minuten braten. Milch hinzufügen und weiter ca. 25-30 Minuten braten. Bei mittlerer Hitze offen kochen. Jetzt die Nüsse, Rosinen, Zucker und Weizengrieß dazugeben und weitere 10 Minuten kochen, bis die Mischung andickt. Dabei häufig umrühren.
Tipp: Diese Süßspeise kann warm oder kalt serviert werden. Petra Schreil tischt die kalte Variante auf.

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