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„Indisch kochen für zwei Leute lohnt sich nicht“, ist Hobbyköchin Birgit Isermeyer überzeugt.

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Indisches Gelage für viele Freunde

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei Birgit Isermeyer aus Pasing. Sie kocht am liebsten indisch für ihre Freunde.

Samstagnachmittag, 17 Uhr. Räucherstäbchenduft wabert durch die Wohnung von Birgit Isermeyer (46). Einstimmung auf den Abend. Denn die Pasingerin hat für später Freunde zum Indischessen eingeladen. „Indisch für zwei Leute zu kochen, lohnt sich nicht“, sagt sie. „Beim Essen müssen viele um den Tisch sitzen.“ Denn traditionell kommen dabei immer mehrere Speisen gleichzeitig auf den Tisch.

Der Koch-Event hat für Birgit Isermeyer bereits am Vormittag begonnen. Mit Lebensmittel einkaufen. „Das macht mir mindestens genauso viel Spaß wie das Kochen selbst.“ Sie bummelt über den Pasinger Viktualienmarkt („Hier bekomme ich alles, was ich brauche“). Noch am Vormittag hat sie das Fleisch in Kräuter eingelegt, zum Durchziehen.

Mit Einbruch der Dunkelheit legt die gebürtige Göttingerin in ihrer Mini-Küche los. Ihr Reich ist klein, trotzdem haben erstaunlich viele Geräte hier Platz. Die Rezeptbücher sind bereit gelegt. „Ich bin eine Rezeptkocherin“, sagt Birgit Isermeyer. In den Regalen stehen zig Kochbücher, über Jahre hat die leidenschaftliche Hobbyköchin Rezepte aus Zeitschriften gesammelt. Diese hat sie in Ordnern nach Themen abgeheftet. Eine Ordnung, um die sie so mancher beneidet.

Ihre englische Freundin Hillary hat Birgit Isermeyer einst mit der indischen Kochkunst vertraut gemacht – lange bevor es hierzulande in Mode kam. Entsprechend abgegriffen sind die Bücher. Bunte Klebezettel erleichtern das Wiederfinden der Rezepte: Für heute hat sich Birgit Isermeyer ein Huhn- und ein Lammcurry vorgenommen. Außerdem soll es Blumenkohl und Auberginen geben.

Vegetarisch kochen ist für die Inder ganz typisch. Wochenlang ist die Weltenbummlerin vor ein paar Jahren durch Indien gereist und hat nicht ein einziges Stück Fleisch gegessen. Es hat ihr nicht gefehlt, sagt sie im Nachhinein. Allein, weil die Inder so besonders würzen. Die ausgefallenen Gewürze, die Birgit Isermeyer braucht, hat sie von ihren Reisen mitgebracht. Vor Tageslicht geschützt, bewahrt sie diese in bunten Blechdosen oder in ihrer Gewürzschublade auf.

Auch wenn Birgit Isermeyer eine „Rezept-Kocherin“ ist, nimmt sie sich doch die Freiheit, die Rezepte abzuwandeln. Im originalen Lammcurry steht beispielsweise eine Zwiebel. Sie legt fünf Stück bereit und schneidet sie in kleine Würfelchen. „Das gibt einen viel besseren Geschmack.“ Auch bei den Gewürzen hält sie sich nicht exakt an die Vorgaben. Normalerweise. Heute macht sie – zunächst – eine Ausnahme. Denn seit kurzem nennt sie Abmesslöffelchen in Herzform ihr eigen. Diese hat sie von einer Freundin geschenkt bekommen. Doch schon kurze Zeit später arbeitet sie wieder Daumen mal Pi – „das ist einfach praktischer“.

Regelmäßig bekommt die IT-Fachfrau von Freunden Küchenutensilien geschenkt. Allerdings ist das nicht ganz einfach, das Richtige zu finden: „Ich bin schon ziemlich gut ausgerüstet.“ Kein Wunder, steht die Pasingerin doch seit sie zwölf Jahre alt ist regelmäßig in der Küche. Da sammelt sich so manches an. Besonders praktisch ist eine ausrangierte Kaffeemühle aus den 50er-Jahren. Die benutzt Birgit Isermeyer anstelle eines Mörsers. „Das spart viel Zeit.“ In Sekundenschnelle sind die Nelken, Kardamomkapseln und getrockneten Chilischoten klein gemahlen. Während die Hühnerspieße im Ofen grillen, brät Birgit Isermeyer das Lammfleisch an. Im Wok, auch wenn dieses Gerät für die Inder eigentlich nicht typisch ist – „es eignet sich aber hervorragend, Fleisch scharf anzubraten“. Schnell bekommt die Köchin Platzprobleme auf dem Herd. „Vier Platten sind für Indisch-Kochen einfach zu wenig“, stellt sie fest.

Mittlerweile ist es 20 Uhr geworden, in den Töpfen schmoren die einzelnen Gerichte. Die ersten Gäste sind eingetroffen. Freund Peter deckt den Tisch, der Rest der Besucher steht am Küchentresen. Die offene Küche betritt keiner – das ist wie eine Demarkationslinie. Nur Freundin Elena darf mithelfen. Auf Anweisung rollt sie das Nan-Brot aus.

21 Uhr. In der Wohnung hängt ein vielversprechender, gewürz-geschwängerter Geruch. Birgit Isermeyer kontrolliert zum letzten Mal die Töpfe, ob alles passt. Abgeschmeckt wird in den seltensten Fällen – „Ich hab’ das im Gefühl“, sagt die Köchin selbstbewusst.

In der Tat. Die Gäste sind nach dem Essen voll des Lobes. Freund Rolf sagt zufrieden: „Nirgendwo sonst in der Stadt isst man so gut indisch.“ Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Stephanie Ebner

Rogan Josh (Lamm)

Zutaten: 8 Knoblauchzehen, zerdrückt, 1 Stück Ingwer (5 cm), 2 Teelöffel gemahlener Kreuzkümmel, 1 Teelöffel Kashmiri Chili-Pulver, 2 Esslöffel Paprika, 2 Esslöffel gemahlener Koriander, 1 kg Lamm aus der Keule oder Schulter, in 2,5 cm großen Würfeln, 5 Esslöffel Öl oder Ghee, 1 Zwiebel, fein gewürfelt, 6 Kardamom-Kapseln, 4 Nelken 2 Indische Lorbeerblätter (Cassia-Blätter), 1 Zimtstange, ¾ Tasse Joghurt, 4 Safranfäden, vermischt mit 2 Esslöffeln Milch, ¼ Teelöffel Garam Massala

Zubereitung: Vermischen Sie Knoblauch, Ingwer, Kreuzkümmel, Chili-Pulver, Paprika und Koriander in einer großen Schüssel. Geben Sie das Fleisch dazu und vermengen dies bis das Fleisch gut mit den Gewürzen bedeckt ist. Zugedeckt mind. 2 Stunden oder über Nacht im Kühlschrank marinieren. Erhitzen Sie das Ghee oder Öl in einem Bratentopf bei kleiner Hitze. Zwiebeln dazugeben und 10 Min. braten oder bis die Zwiebeln leicht gebräunt sind. Aus der Pfanne nehmen. Kardamom, Nelken, Lorbeerblätter und Zimt hinzugeben und 1 Min. braten. Auf höchste Stufe erhitzen,Fleisch und Zwiebeln dazugeben, dann gut vermischen und 2 Min. braten. Gut umrühren, die Hitze auf kleinste Stufe reduzieren und zugedeckt 15 Minuten kochen. Den Deckel abnehmen und für weitere 3 Min. braten oder bis das Fleisch ziemlich trocken ist. ½ Tasse Wasser hinzufügen, bedecken und für weitere 5-7 Min. kochen bis das Wasser verkocht ist, das Öl sich absondert und auf der Oberfläche schwimmt. Das Fleisch für weitere 1-2 Min. braten, dann 1 Tasse Wasser hinzufügen. Zugedeckt für 40-50 Min. leicht köcheln bis das Fleisch zart ist. Die Flüssigkeit wird sich etwas reduzieren. Den Joghurt einrühren, wenn das Fleisch fast zart ist, dabei darauf achten, dass das Fleisch nicht im Topfboden ansetzt. Den Safran mit der Milch dazugeben und ein paar Mal umrühren um den Safran zu vermischen. Mit Salz abschmecken. Vom Herd nehmen und mit Garam Massala bestreuen.

Kheere ka raita (Kräuter-Joghurt)

Zutaten: 570 ml Joghurt, ½ Gurke, geschält und grob geraspelt, 2 Esslöffel fein gehackte Minze, ½ Teelöffel gemahlener, gerösteter Kreuzkümmel, ¼ Teelöffel Cayenne-Pfeffer, 1 Teelöffel Salz, frisch gemahlener Pfeffer.

Zubereitung: Den Joghurt in einer Schüssel leicht mit einer Gabel oder einem Schneebesen cremig-weich schlagen. Alle weiteren Zutaten hinzufügen und vermischen. Abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren bis er serviert wird.

Peelay chaaval (Gelber Reis)

Zutaten: 425 ml Langkorn oder Basmati-Reis, 570 ml Wasser, 1 ¼ Teelöffel Salz, ¾ Teelöffel gemahlener Kurkuma/Gelbwurz, 3-4 Nelken, 1 Stück Zimt, 3 Lorbeerblätter, 3 Teelöffel ungesalzene Butter in kleinen Flocken

Zubereitung: Den Reis in eine Schüssel geben, in mehreren Durchgängen waschen und anschließend abtropfen lassen. 1 ¼ Liter Wasser über den Reis gießen und ihn für 30 Min. ziehen lassen. Dann in einem Sieb abgießen. Den Reis mit 570 ml Wasser, Salz, Kurkuma/Gelbwurz, Nelken, Zimt und Lorbeerblättern in einem schweren Topf mischen und ihn zum Kochen bringen. Topf schließen, Hitze auf kleinste Stufe reduzieren und den Reis für 25 Minuten kochen. Danach den Topf zugedeckt 10 Min. ruhen lassen. Butterflocken hinzufügen und mit einer Gabel vorsichtig unterrühren. Die ganzen Gewürze vor dem Servieren entfernen.

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