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Gemeinsam essen und kochen verbindet: Münchner Studenten und Flüchtlinge bereiten zusammen ihre Leibspeisen aus der jeweiligen Heimat zu – Fate und Pfannkuchen dürfen dabei nicht fehlen.

Mein Küchengeheimnis

„Integration geht durch den Magen“

Münchner Studenten kochen mit Flüchtlingen ihre Lieblingsspeisen nach. Eine Aktion, die nicht nur allen Spaß gemacht hat. Sie zeigt auch: „So unterschiedlich sind wir gar nicht.“

„Das Projekt soll sich um Flüchtlinge drehen.“ Vielmehr Vorgaben gibt es nicht für die Studentengruppe am SDI, der Hochschule für angewandte Sprachen, in München. Carolin Bergmann, Sophie Grimberg und Sophia Everding sind auf der Suche nach einem Thema. „Wir wollten etwas für, aber auch gleichzeitig mit den Flüchtlingen schaffen.“ Schnell wurden die drei jungen Frauen – sie kochen selbst gerne – fündig: Ein Kochprojekt sollte es werden, denn: „Kochen muss schließlich jeder.“ „Eine Prise Kultur“ heißt das Projekt, das die Uni-Gruppe ins Leben gerufen hat.

Das Uni-Projekt schmeckt den Teilnehmern nicht nur, es zeigt auch: „Wir sind gar nicht so unterschiedlich wie gedacht.“

Carolin Bergmann war „zunächst skeptisch“, wie sie selbst einräumt. Miteinander kochen, heißt auch, sich vorsichtig einander anzunähern. Probleme gibt es gleich zu Beginn: Babacar und Solif begrüßen die 25-Jährige schlicht mit einem kurzen „Hallo“. Die Studentin ist zunächst „irritiert“, erzählt sie, und denkt: „Die geben mir nicht mal die Hand.“ Erst als die drei später am Herd stehen und gemeinsam die Milch einkochen, kommen sie ins Gespräch. Carolin Bergmann erfährt dabei, dass es „keine Abneigung war, sondern der Respekt gegenüber einer fremden Frau“, die man in der Heimat von Babacar und Solif nicht berührt. So kommt es, dass sie sich Stunden später, nach dem gemeinsamen Kochevent, mit einer herzlichen Umarmung verabschieden.

Entspannt kochen: Josephine mit Tochter Debora und Sarah (Mitte) bereiten gemeinsam Zutaten für „fried rice“ zu.

Die Studentin resümiert: „Wir haben bei diesem Projekt nicht nur neue Rezepte kennen gelernt, sondern auch mit unseren Vorbehalten umzugehen gelernt.“ Aus Fremden werden Freunde. Sophia Everding (23) steht mit Josephine aus Nigeria am Herd. Selbst als nicht alle benötigten Zutaten vorhanden sind, bleibt Josephine total entspannt – „diese Ruhe hat mich total fasziniert“. Nicht einmal als Josephines kleine Tochter zu schreien beginnt, lässt sich die Flüchtlingsfrau aus dem Konzept bringen. Das Schönste aber ist für alle, gemeinsam zu essen und dabei zu entdecken: „Wir sind gar nicht so unterschiedlich.“ Auch in der Küche, viele Gerichte ähneln sich. Während hierzulande für viele in den Sommermonaten Obatzda und Brezn ein Muss sind, wird im arabischen Raum gerne Hummus (Aufstrich aus pürierten Kichererbsen) gereicht. Das Adäquat zum Kaiserschmarrn ist ein Pfannkuchen mit Blütensirup und Pistaziensahne. Sogar Krapfen gibt es überall.

Carolin Bergmann hat insbesondere auch die Gastfreundschaft der Fremden beeindruckt: Als die junge Studentin zur Rezeptabsprache ins Flüchtlingsheim kam, wurde sie gleich mit reichlich Essen bedacht – „sie geben Dir alles“. Beim gemeinsamen Essen kommen sich Studenten und Flüchtlinge näher: Die Fremden erzählen von ihrer Flucht, ihren Ängsten und auch von ihrem Heimweh. So wie der Syrer Salman, der auf der Flucht von seiner Frau und den beiden Kindern getrennt wurde und lange nichts von ihrem Verbleib gehört hatte. Er weiß, dass seine Lieben wieder zurück in Syrien sind und klammert sich an die Hoffnung, sie eines Tages wieder zu sehen. In der Heimat hätten sie alle gekannt, erzählen die Fremden unisono. In München seien sie völlig isoliert von Freunden und Familie. Deshalb ist für die Studierenden klar, dass sie auch nach dem Kochevent Kontakt halten wollen. Salman helfen sie bei Sprachproblemen, den ersten Geburtstag von Josephines Tochter Debora feiern sie gemeinsam.

Am kommenden Montag, 27. Juni, 21 Uhr, gehen die Studierenden mit einem Website-Launch an die Öffentlichkeit. Im Welcome-Café der Münchner Kammerspiele – „das Projekt soll auch nach Semesterende weitergeführt werden“, sagt Sophie Grimberg. Im Welcome-Café treffen sich übrigens montags regelmäßig Fremde und Einheimische zwischen 16 und 22 Uhr und kommen bei einer Tasse Tee oder einem Teller Suppe ins Gespräch. Hier wie dort gilt: „Integration geht durch den Magen.“

Lauter Leibgerichte aus der Fremde

Vorspeise: Fate aus Syrien (für sechs Personen) 

3 libanesisches Fladenbrote
1 Dose Kichererbsen
500 g Joghurt
1 halbe Zitrone, ausgepresst
3 EL Sesampaste
2 EL Butterschmalz
2 EL Pinienkerne
1/4 Bund Petersilie
1 Granatapfel, die Kerne herausgekratzt
Salz und Cayennepfeffer
etwas Bratöl zum Frittieren

Zubereitung:

  1. Das Fladenbrot halbieren und in Öl knusprig frittieren.
  2. Joghurt mit Zitronensaft und der Sesampaste verrühren und etwas von der Flüssigkeit der Kichererbsen zufügen, die Sauce sollte nicht zu dickflüssig sein, mit Salz abschmecken.
  3. 2 EL Butterschmalz in einer Pfanne erhitzen und die Pinienkerne darin goldbraun rösten.
  4. In einer Glasform (wenn möglich) die frittierten und zerpflückten Brotstücke auf dem Boden verteilen. Darauf gibt man die Kichererbsen, die man anschließend mit der Joghurtsauce bedeckt. Darauf streut man die Pinienkerne und etwas Cayennepfeffer.
  5. Zum Schluss die gehackte Petersilie als kleine Häufchen auf die Fate verteilen und darüber die Granatapfelkerne streuen.

Tipp: Die Fate sofort servieren, weil sie nur frisch zubereitet schmeckt, solange das Brot noch knusprig ist.

Arabische Pfannkuchen in Blütensirup mit Pistaziensahne (für 16 Stück)

Herkunft: Jordanien

Für den Belag: 

1 L frische Vollmilch
1 EL gehackte Pistazien
1 EL gehackte Walnüsse

Für den Teig: 

225 g Mehl
1 TL Trockenhefe
1 TL Zucker
1 TL abgeriebene Zitronenschale

Für den Sirup: 

400 g Zucker
1 EL Orangenblütenwasser
1 EL Rosenwasser
Butterschmalz zum Braten

Zubereitung: 

  1. Milch in einem Topf zum Kochen bringen. Bei kleiner Hitze in 1 Stunde auf ¼ Liter einkochen lassen. Gelegentlich umrühren, damit die Milch nicht am Boden ansetzt und keine Haut bildet. Eingedickte Milch in eine Schüssel füllen und kühl stellen.
  2. Das Mehl mit der Trockenhefe, dem Zucker, der Zitronenschale und ¼ Liter lauwarmen Wasser zu einem glatten Teig verrühren. Zugedeckt 1Stunde an einem warmen Ort gehen lassen.
  3. Für den Sirup den Zucker mir ¼ Liter Wasser zu einem dickflüssigen Sirup einkochen. Orangenblüten- und Rosenwasser einrühren. Den Sirup in ein kleines Kännchen füllen und erkalten lassen.
  4. Den Teig nochmals kräftig durchschlagen. In einer kleinen Eisenpfanne etwas Butterschmalz erhitzen. In eine kleine Schöpfkelle Teig einfüllen und die Pfanne so schwenken, dass die Pfannkuchen rund und dick werden. Auf jeder Seite goldbraun backen und warm stellen, bis der ganze Teig verarbeitet ist.
  5. Pfannkuchen mit Sirup beträufeln, eingedickte Milch und die Nüsse darüber geben.

Frittierte Bananenkrapfen mit Mango Für 4 Personen

Herkunft: Kamerun

Für den Fruchtsalat:

1 reife Mango
1 reife Papaya
3 EL Rohrzucker
Saft von 1 Limette

Für die Krapfen: 

2 vollreife Bananen
250 g Mehl
1 EL Backpulver
2 EL Rohrzucker
Gewürze: Salz, 1 TL gemahlener Zimt, geriebene Muskatnuss
Öl zum Backen

Zubereitung: 

  1. Mango schälen, das Fruchtfleisch vom Stein schneiden und klein würfeln. Papaya schälen, halbieren, entkernen und in Scheiben schneiden. Alles in eine Schüssel geben, mit Zucker bestreuen und mit Limettensaft begießen und vorsichtig vermischen. Abgedeckt im Kühlschrank kalt stellen.
  2. Bananen schälen, mit einer Gabel in einer Schüssel zerdrücken und mit Mehl, Backpulver, Zucker, Salz, Zimt, Muskatnuss und ca. 100 ml lauwarmen Wasser zu einem weichen, glatten Teig verrühren.
  3. Eine tiefe Pfanne ca. 3 cm hoch mit Öl füllen, das Öl erhitzen. Teelöffelgroße Stücke vom Teig abstechen und portionsweise in dem Öl ca. 5 Minuten knusprig ausbacken. Auf Küchenpapier abtropfen lassen.
  4. Die Bananenkrapfen auf einer Servierplatte mit dem Fruchtsalat anrichten.

Mein Küchengeheimnis

Haben auch Sie ein „Küchengeheimnis“? Dann schicken Sie uns eine Mail an Gastro@merkur.de. Oder rufen Sie uns an. Sie erreichen uns unter Telefon (089) 5306-419. Wir freuen uns auf eine Küchenplauderei mit Ihnen.

Von Stephanie Ebner

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