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Moritz Meyn in seiner neuen Kneipe "Isses"

Neue Kneipe

Außergewöhnlich gewöhnlich

Kein Innenarchitekten-Firlefanz wie Lampen aus Muranoglas. Keine Gourmetburger aus Bio-Hackfleisch. Stattdessen nackte Wände, Nachos mit Sauce und eine große Cocktailkarte mit zehn Sorten Gin, zehn Sorten Agavenschnaps und etlichen Sorten Rum.

Das „Isses“ an der Schwabinger Elisabethstraße ist eine Kneipe, wie es nur wenige gibt in München. Bodenständig, unkompliziert – und damit außergewöhnlich gewöhnlich. Hierher kann man kommen, ohne sich zuvor Gedanken über seine Garderobe zu machen. Auf einen Drink mit Freunden bis zwei Uhr früh oder zum Essen schmackhafter Burritos.

Der 29-jährige Betriebswirt Moritz Meyn hat die Kellerkneipe erst kürzlich eröffnet. Er hatte keine Lust mehr auf seinen Job in einer Wirtschaftsprüfungskanzlei, wollte sich selbständig machen. Von Gastronomie hat er Ahnung, schon seit längerem ist er Gesellschafter eines Lokals in seiner Heimatstadt Frankfurt am Main. Über einen Makler wurde Meyn schließlich auf die Räume aufmerksam, in denen bis Mai 2014 das Szene-Restaurant „Die Blaue Donau“ war und davor viele Jahre das Live-Musik-Lokal „Linda“, dessen gleichnamige Wirtin sich 2008 auf ihre Arbeit als Entertainerin konzentrieren wollte. Zwar liegt das Isses zu versteckt, um Laufkundschaft anzuziehen, aber das macht nichts: Die Örtlichkeit wird seit mehr als 50 Jahren gastronomisch genutzt und hat sich nicht zuletzt bei den Anwohnern rund um den Elisabethmarkt etabliert.

Allerdings werden ehemalige Blaue-Donau- und Linda-Gäste das Lokal nicht wiedererkennen. Meyn hat gewaltig umgebaut. Er riss Löcher in die Wände und baute kleine Fenster zur Straße ein. Jetzt können die Gäste zumindest die Füße der Passanten draußen sehen. Der Fliesenboden verschwand unter Fließestrich. Das verschnörkelt-barocke Mobiliar wurde durch solide Eichentische und Schul-Stühle ersetzt.

Hinterm Tresen sind Profis am Werk: Die Barmänner mixen teebasierte Cocktails und seltene Drinks wie den „El Diablo“ mit Mezcal, Ginger Ale, Crème de Cassis und Chilischote (10,50 Euro). In einem alten Bourbon-Fass verfeinern sie Gin. Aber Aufhebens machen sie nicht um ihre Arbeit – im Gegenteil: Die Gäste sind eingeladen, sich in die Kreation von Cocktails miteinzubringen. Wollen sie einen Drink, den der Barmann nicht kennt, mixt er ihn gern nach Anweisung des Gastes. Auch Drinks, die inzwischen als „uncool“ gelten, stehen auf der Karte. Etwa der Hugo. Schließlich macht sich hier keiner Gedanken um seine Außenwirkung – so lange die Drinks schmecken, ist das Image egal.

Die mexikanischen Gerichte sind nahrhaft – und passen gut zu alkoholischen Drinks. Zum Beispiel der Beef-Burrito (10,50 Euro), der reichlich gefüllt ist mit Fleisch von der sechs Stunden lang geschmorten Rinderschulter, Käse, Bohnenmousse, Reis, Sauerrahm und würziger Salsa. Auch raffinierte Burrito-Kreationen stehen auf der Karte. Etwa der Winterburrito mit einer Füllung aus Hirschgulasch, Blaukraut, Maronenmousse und Preiselbeeren (11,50 Euro). Außerdem gibt es Burritos mit indischer, libanesischer und asiatischer Füllung. Schön deftig sind auch die Chili-Cheese-Pommes (4,90 Euro).

von Bettina Stuhlweißenburg

Das Isses an der Elisabethstraße 12 in Schwabing ist von Dienstag bis Donnerstag sowie am Sonntag von 18 bis 24 Uhr geöffnet, am Freitag und Samstag von 18 bis 2 Uhr. Reservierung unter Telefon 089 / 27 37 33 81.

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