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Ein Mitarbeiter kontrolliert im Berliner Bahlsen-Werk die Lebkuchenproduktion. Zum meteorologischen Herbstanfang kehrt Anfang September das Weihnachtsgebäck wieder in die Regale zurück.

Ist schon wieder Weihnachten? Auftakt für das Adventsgebäck

Ja, ist denn schon Adventszeit? Lange vor den Festtagen und bei sommerlichen Temperaturen bedient die Industrie die Nachfrage nach Zimtsternen und Lebkuchen. Und doch lahmt das Geschäft, zumindest im Inland.

Bei Sonnenschein und 30 Grad im Schatten, bekommt man da Lust auf Weihnachtsplätzchen? "Aber ja", sagt Karl-Heinz Gnatzig, seit 15 Jahren Werksleiter bei Bahlsen in Berlin-Tempelhof, bei einem Rundgang am Freitag. Es sind wohl die Duftstoffe wie Zimt und Kardamom, die den Appetit anregen.

Die Umsatzkurve für den deutschen Markt beweist es: Schon in den letzten August-Tagen wird das erste "Herbstgebäck" verkauft, wie die Branche Lebkuchen, Christstollen, Spekulatius, Zimtsterne und Dominosteine zusammenfassend nennt. Die Nachfrage steigt Woche für Woche erst ziemlich konstant, Mitte November geht's dann steil bergauf bis in die Adventszeit. Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch der Deutschen lag zuletzt bei 840 Gramm.

Der Backriese Bahlsen mit Zentrale in Hannover produziert in diesem Jahr in drei deutschen Werken 7100 Tonnen Weihnachtsgebäck, das sind rund 500 Lkw-Ladungen, davon 1600 Tonnen in Berlin. Alle deutschen Hersteller zusammen kommen auf 82 000 Tonnen. Der Inlandsmarkt ist schwierig, im vergangenen Jahr sank der Umsatz im Inland um 2,1 Prozent auf 413 Millionen Euro, wie ein Studie der Marktforscher von Nielsen ergab.

"Wir rechnen für das Jahr 2015 mit einem stagnierenden Markt", sagt Bahlsen-Manager Michael Hähnel. Davon wolle sein Unternehmen einen größeren Anteil erobern. Im vergangenen Jahr waren es 4,8 Prozent.

Der größte Konkurrent Lambertz kam laut Nielsen-Studie auf 15,3 Prozent. Knapp 60 Prozent entfielen auf die Eigenmarken der Supermarktketten, die bei verschiedenen Großbäckern produzieren lassen. Ein wichtiger Trend sind kleinere Häppchen in kleineren Verpackungen - zum Naschen unterwegs, so wie viele sich einen Kaffee zum Mitnehmen besorgen.

In der nüchternen Fabrikhalle in Tempelhof werden von Juni bis Oktober Hunderte von Teiglingen pro Minute über ein Förderband in die lange Backstraße geschoben. Sechs Minuten später sind sie fertig für die nächsten Schritte - erst eine Zuckerglasur und dann ein Schokoladenüberzug. Nach rund 90 Minuten ist der Lebkuchen fertig.

Die Branche versucht "das deutsche Weihnachtsgefühl" in Form des traditionellen Gebäcks zu exportieren. Das gelinge immer besser, erzählt Hähnel. Knapp 50 Prozent des Umsatzes entfielen bereits auf das Auslandsgeschäft, bald sollen es 60 Prozent sein. Die Hauptmärkte seien Österreich, Großbritannien und die USA.

Unabhängig vom frühen Verkaufsstart - der Geschäftserfolg mit der Saisonware hängt erheblich vom Wetter ab. Wenn es im September noch hochsommerlich warm bleibe, sei auch das Verlangen nach Weihnachtsaromen kleiner, sagt Bahlsen-Sprecher Christian Bahlmann. "Das holen sie dann auch nicht mehr in den Wochen danach auf."

dpa

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