Josef Ostermeier: der Goldgräber-Wirt

Gütlsdorf/Attenkirchen - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute kocht Josef Ostermeier aus der Hallertau mit einem fast vergessenen Gemüse: dem Hopfenspargel.

Alles wollte Josef Ostermeier (29) werden. Nur nicht Koch. Wie schon sein Vater, sein Großvater und sein Urgroßvater. Diese betrieben in dem 100-Seelen-Dorf Gütlsdorf in der Hallertau die Dorfwirtschaft. Seit 1864 gibt es den Gasthof. Der Ur-Urgroßvater hatte einst von der Gemeinde Sillertshausen den Zuschlag für eine Konzession erhalten. Dessen Sohn Mathias Ostermeier baute die Bierwirtschaft 1905 zu einem Herbergsbetrieb aus.

Doch Josef Ostermeier wollte mit dieser Tradition brechen und zog in die weite Welt hinaus, wurde bei BMW Industrie-Elektroniker. Nach drei Jahren Ausbildung stand für Josef Ostermeier jedoch fest: "Technik - ist doch nicht das meine." Kurzerhand sattelte er - sehr zur Freude seiner Eltern Annemarie und Josef Ostermeier - um und lernte doch noch den Beruf des Kochs. "Die einzig richtige Entscheidung", sagt der 29-Jährige heute.

Nach der Lehre arbeitete Josef Ostermeier noch drei Jahre in München - unter anderem bei Karl Ederer -, bevor er 2005 den elterlichen Betrieb in Gütlsdorf übernahm. Internationale Erfahrung sammelte er anfangs noch nebenher bei der Catering-Firma "Do & Co." am Münchner Flughafen. Dort war Josef Ostermeier für die Bewirtung der Lufthansa-First-Class-Kunden zuständig und arbeitete u.a. mit Küchenstars wie Johann Lafer zusammen.

Heute ist er "nur noch" Wirt. Viel hat sich seitdem in seinem Betrieb verändert: Jetzt wird auch sonntags gekocht, der Kuhstall ist einem Hotel-Neubau gewichen, die Pensions-Zimmer wurden modernisiert. Das Hopfenfeld gibt es schon seit ein paar Jahren nicht mehr. Sehr zum Bedauern der Mutter. Sie "liebt im Herbst den Geruch der Hopfendolden so sehr".

Überhaupt die Familie - "ohne die ging's nicht": Die Mutter und die beiden Schwestern helfen ihm beim Kochen und im Service. Selbst Freundin Sandra Völkl packt schon fleißig mit an. "Wir sind ein richtiger Familienbetrieb", sagt der junge Wirt voll Stolz.

Im Wirtshaus treffen sich die Männer sonntags zum Frühschoppen, am Stammtisch oder einfach nur so zum Kartenspielen. Doch nicht nur die kommen gerne in den dunkel getäfelten Gastraum. Regelmäßig finden sich in der Dorfstraße 8 auch Feinschmecker ein, wenn Josef Ostermeier sechsgängige Gourmet-Menüs anbietet. Zur Zeit steht der Hopfenspargel im Mittelpunkt seiner Kreationen. Dann tischt der Koch das Gold aus der Hallertau mariniert, sautiert oder als Strudel auf (nächster Termin: Samstag, 5. April).

Als ihr Sohn den Hopfenspargel erstmals auf die Speisekarte setzte, war Mutter Annemarie zunächst skeptisch: "Ich kannte den Hopfenspargel nur aus meiner Kindheit. Da war es ein Arme-Leute-Essen." Denn früher wurden die Kinder mit Eimern aufs Feld geschickt. "Bis wir die voll hatten, waren wir den ganzen Nachmittag beschäftigt", erinnert sich die Senior-Wirtin. Abends gab's den Hopfenspargel dann als Salat. Mit einem Butterbrot dazu. Ein billiges Essen, das im Frühjahr fast jeden Tag auf den Tisch kam.

Mittlerweile ist Hopfenspargel eine hochpreisige Delikatesse. Weil die Ernte extrem aufwändig ist, sind die Preise in die Höhe geschossen. Der Tourismusverband der Hallertau vermarktet das Gemüse erfolgreich.

Josef Ostermaier schätzt an dem Hopfenspargel das Besondere: "Die Sprossen gibt es nur bei uns in der Hallertau." Außerdem sei das Gemüse vielfältig zu verarbeiten - "der Phantasie sind fast keine Grenzen gesetzt". Auf alte Rezepte kann der Koch nicht zurückgreifen, denn die Vorfahren kannten den Hopfenspargel nur als Salat.

Es sind aber nicht nur die Gourmet-Abende, die den jungen Koch reizen. "Ich bin auch ein Traditionalist." Vor drei Jahren hat Josef Ostermeier das Kesselfleischessen wieder eingeführt. Anfangs kochte der junge Wirt nur für ein paar Gäste, mittlerweile muss die Gesellschaft regelmäßig in den großen Saal ausweichen, so viel Kesselfleisch-Liebhaber kommen zu den Abenden.

Das Gasthaus ist auch das Zuhause der Schützen. Während es Vater und Schwester Sabine schon zu Königswürden geschafft haben, hat der junge Wirt bislang noch nicht ins Schwarze getroffen - "ganz bewusst. Denn das kommt mir teuer zu stehen". Doch wahrscheinlich wird das Preisschießen eines Tages so ausgehen wie die Sache mit der Berufswahl: Am Ende kommt doch alles anderes. Davon haben viele - nicht nur in Gütlsdorf - etwas.

Gasthaus Ostermeier:

Dorfstraße 8 in 85395 Gütlsdorf/Attenkirchen

Telefon 08168/ 243

www.Gasthaus-Ostermeier.de

Hinkommen: von München aus über die Nürnberger Autobahn; Ausfahrt Pfaffenhofen. Von dort Richtung Au/Hallertau. Am Windrad rechts Richtung Attenkirchen. In Gütlsdorf ist das Gasthaus ausgeschildert.

Öffnungszeiten: täglich ab 9 Uhr. Warme Küche sonntags von 11.30 bis 14.30 Uhr; abends von 18 bis 21 Uhr. Sonst Brotzeit. Mittwoch Ruhetag.

Sonstiges: Kesselfleischessen, Gourmetabende, eigenes Hotel.

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