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Auch mal ohne Fleisch: Ein Auflauf mit Kartoffeln, Brokkoli und Tofu ist eine vollwertige Hauptmahlzeit.

Ob edel oder rustikal

So gelingen Gratins und Aufläufe mit Kartoffeln

Kartoffeln sind aus der bodenständigen Küche nicht wegzudenken und lassen sich auch zur Hauptzutat eines Gerichts machen. Die Knollen eignen sich hervorragend für Aufläufe und Gratins. So geht die Zubereitung ohne großen Aufwand.

Gratins oder Aufläufe aus Kartoffeln sind so vielseitig wie wenig andere Speisen. Viel falsch machen können Hobbyköche dabei nicht, nur auf die richtige Sorte sollten sie achten - und auf die Garzeit verschiedener Zutaten. „Mehlig kochende Kartoffeln sind ungeeignet. Sie zerfallen zu Mus“, erläutert Marketa Schellenberg, Schulungsköchin beim Vegetarierbund Deutschland (Vebu). Festkochende Sorten bleiben beim Garen gut in Form und verleihen dem Ofengericht eine stabile Struktur.

Festkochende Kartoffeln ein Muss

Sie spielen die Hauptrolle: Rohe Kartoffelscheiben lassen sich gut für Aufläufe und Gratins verwenden.

„Sehr schmackhafte gelbe Sorten sind Linda, Ditta, Belana oder Cilena“, sagt Wilfried Stegmann vom Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen. Auch die vorwiegend festkochende Leyla mache sich gut. Beim Hofverkauf oder auf dem Markt finden sich oft auch dekorative farbige Sorten. „Die Rote Emmalie und die blaufleischige Violetta sind sicherlich die bedeutendsten“, erläutert Stegmann. In einer Auflaufform aus Glas kommen die Farbeffekte besonders gut zur Geltung. „Wichtig ist, sie in möglichst gleichmäßig große und gleichmäßig dicke Scheiben zu schneiden“, rät Martin Rutkowsky, Dozent bei der Reformhaus-Fachakademie in Oberursel. Das sichert vor allem die gleichmäßige Konsistenz des Gerichtes.

Für die einfachste Art des Auflaufs werden die Kartoffelscheiben fächerförmig in einer gefetteten, flachen Form geschichtet. Der Lieblingsauflauf in Frankreich, Gratin dauphinois, braucht nicht einmal einen Guss. Die Kartoffeln werden mit Salz und Pfeffer bestreut, darüber kommen Sahne oder Crème fraîche und Butterflocken. „Ein Gratin dauphinois ist eine sehr edle Beilage zu feinen Fleischgerichten oder auch nur zu Gemüse oder Salat“, sagt Rutkowsky.

Knusprige Käsehaube unverzichtbar

Wahre Kartoffelfans essen es pur: Ein Gratin dauphinois schmeckt auch ohne Fleisch-Begleitung.

In der deutschen Küche sind Aufläufe mit einem sogenannten Guss Royal aus Milch oder Sahne plus Ei verbreitet. Auch eine knusprige Käsehaube darf kaum fehlen. Mit weiteren Zutaten kann gespielt werden. Damit am Ende nicht die eine Zutat weichgegart und die andere noch bissfest ist, müssen die einzelnen Komponenten allerdings zusammen passen oder passend gemacht werden. „Anders als im Wok kann man die Zutaten in einem Auflauf schwerlich gestaffelt nach ihren Garzeiten hinzu geben“, sagt Rutkowsky. Ein Weg ist, sich auf Zutaten zu konzentrieren, die eine ähnliche Garzeit haben wie die Kartoffeln selbst - also etwa 15 bis 20 Minuten. Pastinaken, Sellerie und Kohlrabi sind eine gute Wahl, ebenso Blumenkohlröschen.

Deftige oder orientalische Gewürze?

Das krönt den Fleischgenuss: Ein leckeres Kartoffelgratin passt zum Beispiel zu einem gegrillten Schweinesteak.

Wie der Auflauf gewürzt wird, richtet sich nach seinen Inhalten. „Salz, Pfeffer und Muskatnuss sind die klassischen Würzmittel. Eine Prise Kurkuma unterstreicht die Farbe“, sagt Schellenberg. Mit mediterranen Gemüsen machen sich Rosmarin, Thymian und Oregano gut. In der deftigen Hausmannsküche darf Majoran nicht fehlen. Und orientalisch wird das Ganze mit Kreuzkümmel. Die Krönung des Auflaufs ist der Käse. Wird er bereits beim Schichten eingearbeitet, verstärkt er die Bindung. Bei cremigem Gorgonzola beispielsweise ist das die Methode der Wahl. Für eine knusprige, goldgelbe Kruste sind leicht schmelzende Sorten wie mittelalter Gouda oder Cheddar gefragt. Etwas brüchiger wird die Kruste mit Hartkäse wie Greyerzer oder Parmesan.

Je länger, desto leckerer

Schulungsköchin Schellenberg rät, den Auflauf langsam, also bei niedrigen Temperaturen um die 160 Grad, zu garen. „Je länger ein Auflauf im Ofen ist, umso besser. Dabei verbinden sich die Geschmäcker besser.“ Was die Gesamt-Garzeit angeht, sollte man sich nicht absolut auf Rezepte verlassen, erklärt Rutkowsky: „Die Schwierigkeit besteht unter anderem darin, dass die unterschiedlichen Kartoffelsorten unterschiedlich garen. Und das ist in Rezepten natürlich nicht berücksichtigt.“ Ein Stäbchentest gegen Ende gibt Sicherheit: Die Kartoffeln müssen sich leicht durchstechen lassen.

Eva Neumann (dpa)

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