Die Katzlmacher aus Italien

München - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Köchen über die Schulter. Heute sind wir in der Osteria "Der Katzlmacher" in München.

"Um Himmels willen. Katzlmacher. So kannst du dein Lokal nicht nennen. Das ist ein Schimpfwort." Claudio Zanuttighs Schwiegermutter war entsetzt, als sie erfuhr, welchen Namen der gebürtige Italiener seiner Osteria geben wollte.

"Man soll darüber in der Stadt sprechen", hielt der Wirt in spe dagegen und sollte Recht behalten: Seit 25 Jahren ist "Der Katzlmacher" in aller Munde. Man kann in München vom "Katzlmacher" reden, ohne rot zu werden. Denn der "Katzlmacher" war vor Jahrhunderten ein armer Krämer, der im Winter Suppenlöffel aus Holz, sogenannte "Gatzl", schnitzte und diese dann jenseits der Alpen verkaufte. In der Nachkriegszeit war es eine abschätzige Bezeichnung für Gastarbeiter, insbesondere italienischer Herkunft, die heimische Frauen verführten, mit ihnen Kinder zeugten und dann einfach verschwanden.

Aber, was nutzt ein guter Name, wenn die Küche nicht stimmt? Nichts. Deshalb legt der Gastronom Wert auf eine exzellente Küche. Er liebt die Speisen aus dem Friaul, seiner Heimat. Doch darauf will er die Speisekarte nicht beschränken. Gekocht wird quer durch den Stiefel. "Hauptsache nach originalen Rezepten." Fünf verschiedene Pasta werden täglich neu zubereitet.

Die Speisekarte schreibt Zanuttigh jeden Morgen neu - auf Italienisch und heftet sie auf ein großes, rundes Holzbrett. "Wir wollen dem Gast nicht einfach die Karte in die Hand drücken, sondern mit ihm ins Gespräch kommen", lautet die Philosophie.

Seit einem knappen Jahr ist Giorgio Cherubini Mitinhaber. Der 45-Jährige war zuvor 17 Jahre Restaurantleiter im "Königshof" und musste sich im "Katzlmacher" erst wieder daran gewöhnen, dass bei der Arbeit italienisch gesprochen wird. Die Gäste erwarten zur Begrüßung einfach ein "buona serra" und zur Verabschiedung ein "arrivederci".

Cherubini ist als Gründungsmitglied der italienischen Sommeliere-Vereinigung in Deutschland im "Katzlmacher" für den Wein zuständig. 170 Positionen, hauptsächlich aus Italien, führt der Weinexperte auf der Karte, darunter zahlreiche Entdeckungen.

Zanuttigh und Cherubini sind zwei Italiener, die alle Klischees, die wir Deutschen an den Italienern so bewundern, voll Charme erfüllen: Zum einen lieben die beiden die Aufmerksamkeit. Zum 25. Geburtstag des Lokals hat Zanuttigh einen bordeauxfarbenen Fiat 500 mit einer überdimensional großen Kochmütze angeschafft: "Es ist herrlich, damit über die Maximilianstraße zu fahren und alle schauen mir nach." Im "Katzlmacher" werden die Gäste außerdem nach allen Regeln der Kunst bezirzt. "Unsere Gäste sollen sich wohlfühlen." Nicht zu vergessen: die Liebe. Daran erinnert auch ein Schriftzug über dem Eingang. "Es gibt kein schöneres Lebensmotto", ist Zanuttigh überzeugt. Der 63-Jährige, am Tag 8. Mai 1945 geboren, sagt über sich selbst: Ich bin ein Friedenskind." Wohl auch deshalb liebt er den Spruch so sehr, den er einst als Graffiti auf einer Mauer entdeckte und ihn für sich auf Email verewigte.

Kurz: "Der Katzlmacher" ist ein Stück Italien mitten in München. Benissimo.

Osteria "Der Katzlmacher"

Bräuhausstraße 6 in München

Telefon (089) 33 33 60

www.der-katzlmacher.de

Hinkommen: am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. S-Bahn-Haltestelle Isartor oder Marienplatz. Von dort etwa fünf Minuten zu Fuß.

Öffnungszeiten: Montag bis Freitag von 12 bis 15 Uhr und zwischen 18.30 und 1 Uhr. Die Küche ist bis 23 Uhr geöffnet. Zur Opernfestspielzeit eine Stunde länger. Samstags nur abends, Sonntag ist Ruhetag.

Sonstiges: Mittagskarte mit einem, zwei oder drei Gängen (ab 15,50 Euro) plus Espresso. Das tagesaktuelle Menü steht im Internet.

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