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Zum Schluss bereiten Redakteurin Stephanie Ebner (l.) und die Regionalbischöfin die Nachspeise zu.

„Ja kein Stress an Weihnachten“

Freitags schauen wir im Wechsel Hobbyköchen und Wirten über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler. Sie hat für unsere Leser ein Weihnachts-Menü zubereitet.

Hier darf niemand rein. Nicht ihre besten Freunde, nicht ihr Ehemann. Dieser darf nur auf Fotopapier gebannt beim Kochen vom Regal aus zuschauen. Wenn Susanne Breit-Keßler in der Küche arbeitet, hat sie am liebsten ihre Ruhe. Normalerweise. Für uns macht die Regionalbischöfin eine Ausnahme: Wir dürfen ihr über die Schulter schauen, als sie in ihrer zehn Quadratmeter großen Küche in Neuried ein Weihnachtsmenü kocht.

Etwas Besonderes soll es sein und trotzdem soll es möglichst wenig Arbeit machen. Denn an Weihnachten lautet die Devise der Münchnerin: „Ja kein Stress.“ Es sei zwar schön, dass viele Menschen zu den Festtagen ihr Bestes geben wollen, „doch oft überfordern sie sich und kommen gar nicht zum Feiern. Das soll es ja gerade nicht sein“, sagt die Bischöfin.

Susanne Breit-Keßler kann das nicht passieren. Sie ist gut organisiert. In der Küche sowie beim Planen und Verteilen ihrer Weihnachtsgeschenke. Doch dazu später.

Jetzt beginnt die Bischöfin erst einmal zu kochen. Ihr Drei-Gang-Menü „wirkt aufwändig, geht aber zügig“, wie sie verspricht. Die meisten Zutaten hat die Hobbyköchin im Biomarkt eingekauft.
Die Vorspeise ist schnell zubereitet. Die Steinpilze hat eine Freundin aus dem Urlaub mitgebracht. Die Consommé macht sie nicht selbst („schmeckt man nicht“) und wer Zeit und Geld einsparen will, kann sogar auf die Fleischbällchen verzichten.

Weil’s ein Festessen wird, hat Susanne Breit-Keßler den Hauptgang mit Fleisch geplant. „Mein Mann liebt Fleisch, ich kann darauf verzichten“, fügt sie erklärend hinzu. Die Theologin kostet es beinahe schon Überwindung, die rohe Putenbrust in kleine Stücke zu schneiden. „Aus Respekt vor den Tieren.“

Während sie das Fleisch scharf anbrät und später mit dem Orangensaft schmoren lässt, beichtet die Geistliche, dass sie ein „absoluter Weihnachts-Freak ist“. Sechs große Kisten Weihnachtsschmuck hat sie. Sehr zum Leidwesen ihres Mannes. Ein ganzes Regal füllt allein ihre Engel-Sammlung aus dem Erzgebirge. Diese durften heuer allerdings das ganze Jahr über stehen bleiben – als Schutzengel. „Weil es einigen Freunden von uns nicht so gut ging.“

Ihre Weihnachtskrippen stellt Susanne Breit-Keßler zum ersten Advent auf und lässt sie bis weit nach Weihnachten stehen. „Wenn es um die Krippe geht, halte ich es wie die Katholiken. Diese lassen ihre Krippen bis zu Lichtmess am 2. Februar aufgebaut“, erklärt die Protestantin.

Zu Weihnachten gehören für Susanne Breit-Keßler Geschenke. Viele Geschenke. Rund 35 liebe Menschen beschenkt die 54-Jährige. Das ganze Jahr über schreibt sie sich auf, was sie wem schenken könnte. Dafür hat sie sich extra Listen im Computer angelegt. „Das System ist super. Ich kann Weihnachten immer ganz entspannt entgegensehen.“ Nur ganz zum Schluss schreibt sie sich einen „Laufplan“, wann sie wen vor dem Fest zum letzten Mal sieht und ihn beschenken muss.

Doch zurück in die Küche. Dass Susanne Breit-Keßler heute von sich sagt: „Kochen ist neben Lesen mein liebstes Hobby“ mag so manchen, der sie von früher kennt, erstaunen. Denn noch als 19-jährige Studentin warf sie die Nudeln in kaltes Wasser – „niemand hat mir bis dahin gezeigt, wie man kocht“. Die Mutter hielt sie als junges Mädchen von der Küche fern. Schaute darauf, dass ihre Tochter lieber lernte, statt im Haushalt zu helfen. Lediglich ein Kochbuch, das aus dem Geburtsjahr von Susanne Breit-Keßler stammt, gab sie ihr mit auf den Weg. Ein Kapitel darin rührt die Bischöfin bis heute: So verwertet man Reste. „Das ist heute genauso zeitgemäß wie damals.“

Ein Grund, weshalb sie sich als Nachspeise für den Mascarponequark mit Lebkuchen entschieden hat. „Darin kann man gut trocken gewordene Lebkuchen verarbeiten, die sonst vielleicht gar nicht mehr schmecken.“ Außerdem ist die Nachspeise schnell gemacht, lässt sich vorbereiten und vor allem: Sie schmeckt gut. Dass sie wegen der Mascarpone eine Kalorienbombe ist, stört die zierliche Frau nicht: „Askese oder Feiern. Alles hat seine Zeit.“ Weihnachten sei eindeutig die Zeit zum Feiern.

Nach drei Stunden ist alles zubereitet. Während das Fleisch noch in der Reine schmort und die Quarkcreme kalt gestellt ist, kann das Festessen mit der Suppe und einem „Gesegnete Mahlzeit“ beginnen. Und das Beste dabei ist: Die Köchin sitzt mit ihren Gästen völlig entspannt am festlich gedeckten Tisch. Zum Nachmachen unbedingt empfohlen.

von Stephanie Ebner

Das Weihnachtsmenü der Regionalbischöfin: Geht schnell, schmeckt raffiniert

Vorspeise: Steinpilzconsommé mit Klößchen

300 g Kalbshackfleisch mit einer fein gehackten Zwiebel, zwei sehr klein geschnittenen hellen oder dunklen Semmeln (wenn sie trocken sind, erst kurz einweichen), einem Ei und einem TL Senf, Salz und Pfeffer vermischen. Die Masse mit nassen Händen zu kleinen Klößchen formen.
20 g trockene Steinpilze in heißem Wasser einweichen.

1l Gemüsefond (Brühwürfel aus dem Reformhaus oder Naturkostladen) aufkochen und 1 TL Steinpilzbrühe (Reformhaus) hinzugeben.
150 g gelbe Rüben geschält und in Scheiben oder Stifte geschnitten kurz in der Suppe erhitzen und mit dem Schaumlöffel nach etwa drei Minuten wieder herausnehmen.

Nun die Klößchen in die Suppe geben und bei milder Hitze gar ziehen lassen. Danach herausnehmen.

Das Einweichwasser der Pilze zur Suppe hinzugeben.

Die Suppe durch ein Sieb streichen, zum Servieren erneut warm machen, gelbe Rüben, Fleischklößchen und in Streifen geschnittene Steinpilze hinein geben.

Hauptgang: Pute a l´Orange

800 g Putenbrustfilet in Würfel schneiden, etwa zehn Minuten ungewürzt (!) in 2 EL gutem Öl und 20 g Butter in der Pfanne unter Wenden anbraten.
Das Fleisch herausnehmen, warm stellen. Evtl. etwas Bratfett abgießen.
4 Zwiebeln (oder eine entsprechende Menge Schalotten) in dem restlichen Bratfett glasig dünsten.

Den Saft von vier Orangen (ersatzweise gekauften Orangensaft oder eine Kombination aus beidem) hinzu gießen und unter großer Hitze einkochen. Die Saucenmenge nach Bedarf vergrößern.

Einen Becher Schlagrahm oder Crème fraiche und 1 ½ EL grünen Pfeffer aus dem Glas hinzufügen.

Jetzt das Fleisch mit Salz und Pfeffer abschmecken und in die Sauce geben.

300 g Kumquats (ungespritzt) in Scheiben schneiden und zum Fleisch in die Sauce legen.

Dazu gibt’s Baguette.

Nachspeise: Mascarponequark mit Lebkuchen und Beeren

75 g Lebkuchen (auch sehr trockene – prima Resteverwertung!) zerkrümeln. Wer mag, kann mehr nehmen.

375 g Himbeeren aus dem Tiefkühlfach mit 2 EL Zitronensaft und anderthalb Päckchen Vanillezucker vermischen.

200 g Mascarpone, 500 g Magerquark mit 100 ml Schlagrahm, 100 g Zucker und etwas Zimt cremig rühren.

¾ der Lebkuchenkrümel in Gläser füllen. Himbeeren darauf legen, mit Mascarpone-Quark-Creme auffüllen. Die restlichen Lebkuchenkrümel zum Verzieren nehmen. Fertig.

Tipp: Die Creme lässt sich vorbereiten.

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