Die Kräuterfee vom Tegernsee

Freitags besuchen wir im Wechsel Hobbyköche und Wirte. Heute sind wir zu Gast bei Verena Miller (57). Sie lebt seit über 40 Jahren am Tegernsee und kocht leidenschaftlich gern für Freunde.

Normalerweise ist Verena Miller (57) in jeder freien Minute auf dem Berg. Besonders an so einem strahlenden Wintertag wie heute. Doch weil wir uns angekündigt haben, zügelt die unternehmungslustige Hauswirtschafterin ihren Frischlufthunger und stellt sich in die Küche. „Das ist kein großes Opfer“, wie sie lachend sagt, denn neben der Liebe zur Natur ist das Kochen eine ihrer großen Leidenschaften.
„Wenn Gäste kommen, gibt’s bei mir meist ein Vier-Gang-Menü.“

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Gesagt. Getan. Los geht’s mit einem Ossobuco – „weil das am längsten braucht“. Normalerweise bereitet man das ””Gericht mit Kalbsbeinscheiben zu, Verena Miller nimmt dazu Lammhaxe. „Wir hatten zuhause Schafe“, erklärt die Hobbyköchin die Wahl. Zu besonderen Anlässen tischte die Mutter Lamm auf. Diesen Brauch hat Verena von ihrer Heimatgemeinde Lenggries vor 40 Jahren mit an den Tegernsee genommen.

Sobald das Fleisch angebraten ist, schneidet Verena Miller das Wurzelgemüse klein. Zack, zack. Man sieht, dass die Frau Übung hat beim Gemüseschneiden. Sie selbst ist nicht ganz zufrieden mit sich – „irgendwann lern’ ich den richtigen Kochschnitt schon noch“.

Schon als kleines Mädchen hat Verena Miller davon geträumt, Köchin zu werden. Die Mutter, heute 89 Jahre alt, vererbte ihren fünf Kindern die Liebe zum Kochen. Heute sind alle leidenschaftliche Hobbyköche. Dass aus ihrem Berufstraum, Köchin zu werden, nichts wurde, bereut die 57-Jährige nicht. „Ich bin mir sicher, dass ich sonst keinen so großen Spaß am Kochen hätte.“ Es gibt Tage, an denen bereitet sie sogar zwei warme Mahlzeiten zu.

Bevor die dreifache Mutter das Ossobuco ins Rohr schiebt, streut sie noch selbst gezogene Kräuter über das Fleisch. Im Winter stehen sie auf dem Fensterbrett in der Küche, im Sommer haben sie ihren Platz auf dem Balkon, von dem man einen herrlichen Blick über den Tegernsee hat.

„Kräuter sind das A und O in der Küche“, sagt die Hobbyköchin. Sie kann es schon gar nicht mehr erwarten, dass endlich der Schnee schmilzt. Dann macht sich Verena Miller auf Bärlauch-Suche. In ihrem Rucksack hat sie immer eine Tüte oder einen Behälter dabei. „Irgendwas find’ ich immer. Erst ist es der Bärlauch, dann kommen Himbeeren und die Schwammerln.“ Mit den Beeren hat Verena Miller vergangenes Jahr sogar einen „bayerischen Balsamico“ angesetzt. Doch der war so gut, dass er schon aus ist.

Für die Vorspeise hat sich die Hobbyköchin ein Lachstatar aus ihrer umfangreichen Rezeptsammlung ausgesucht. Seit 25 Jahren hat sie eine Esszeitschrift abonniert, die sie nicht nach Jahrgängen, sondern nach Jahreszeiten geordnet hat. Ihre handschriftlichen Rezepte hat die 57-Jährige in einem Karteikasten – „der ist schon 42 Jahre alt“.

Verena Miller würzt den Lachs mit einer Prise Zucker. Sie war lange mit einem Fischer verheiratet, der ihr diesen Trick verraten hat. Mit einem Blechring richtet sie anschließend das Tatar an.

Obwohl die Tegernseerin zum Schluss ein Vier-Gang-Menü gezaubert hat (Suppe und Schokoladenkuchen hat sie schon am Vortag zubereitet), ist Verena Miller die ganze Zeit über die Ruhe selbst. „Eine gute Planung ist die halbe Arbeit“, sagt sie. Wenn Gäste kommen, wolle sie schließlich auch Zeit für diese haben.

Dann deckt sie den großen Esstisch vor dem Panoramafenster mit Blick über den Tegernsee ein. „Wenn ich schon keine Traumküche habe, dann zumindest einen Traumtisch.“ Den hat sie in der Tat. Und als die 57-Jährige sagt: „Hier lässt es sich mit guten Freunden stundenlang aushalten“, glaubt man es ihr sofort aufs Wort.

von Stephanie Ebner

Hobbyköche gesucht

Sind auch Sie ein begeisterter Hobbykoch, dann rufen Sie uns an unter der Telefonnummer (089)  53 06-4 19, Fax: (089) 53 06 - 86 56 oder schreiben Sie eine Mail an gastro@merkur.de. Die Küchenplaudereien veröffentlichen wir an dieser Stelle.

Verena Millers Verwöhn-Menü (für vier Personen)

Vorspeise: Lachstatar mit Avocado

200 g frischer Lachs
Salz, Pfeffer, Zucker
Knoblauch
Frühlingszwiebeln
1 kleines Stück Ingwer
1 EL Schnittlauch
1 Tl geriebene Limettenschale
1 EL Olivenöl
1 Avocado
1-2 TL Limettensaft

Zubereitung:Den Lachs mit Salz, Pfeffer, Knoblauchscheiben und einer Prise Zucker eine halbe Stunde durchziehen lassen. Dann den Lachs in kleine Stücke schneiden, mit kleingeschnittenen Frühlingszwiebeln und Ingwer sowie Limettenschale und -saft und Olivenöl mischen. Eventuell nachwürzen. Auf einen Teller setzen, mit Avocadostückchen und -scheiben garnieren und mit Limettensaft beträufeln.

Zur Vorspeise reicht man am besten Brot.

Hauptgericht:Kartoffelauflauf mit Ossobuco vom Lamm

1 kg Kartoffeln (gekocht)
3 Eier
250 ml Sahne
Salz, Muskat, Petersilie
Butterschmalz

Zubereitung:Die Kartoffeln am besten am Vortag kochen. Die abgekühlten Kartoffeln grob raspeln, mit dem Eigelb und der Sahne mischen, das geschlagene Eiweiß unterheben und anschließend würzen. Die Masse in eine gefettete Kastenform füllen und bei 165 Grad 45 Minuten im Ofen backen. Abkühlen lassen und in Scheiben schneiden. In Butterschmalz goldbraun braten. Als Beilage servieren.

Tipp: Bleibt etwas übrig, sind Reste mit gemischtem Salat eine eigenständige Mahlzeit.

100 g Zwiebeln
250 g Sellerie
1 Petersilienwurzel
2 Knoblauchzehen
1 Fleischtomate
2 kg Lammhaxenscheiben
Salz, Pfeffer
3 EL Öl
je ein Zweig Rosmarin und Thymian
1 Lorbeerblatt
1 TL Pfefferkörner
70 g Tomatenmark
ca. 3/8 l trockner Rotwein

Zubereitung:Fleischscheiben mehlieren, in einer Pfanne mit Öl anbraten. Das Fleisch herausnehmen, in der Pfanne das kleingeschnittene Gemüse ebenfalls anbraten. Das Fleisch nebeneinander in den Bräter legen, Gemüse und Gewürze darauf geben. Mit Rotwein begießen. Bei 200 Grad mindestens eineinhalb Stunden schmoren lassen.

Mit dem Kartoffelauflauf servieren.

Nachspeise:Schokotorte

320 g Zartbitterschokolade
160 Butter
160 g Zucker
4 Eier
70 g gemahlene Mandeln
3 Tr. Bittermandelöl

Zubereitung:Schokolade schmelzen, etwas abkühlen lassen. Mit Zucker und Eiern schaumig rühren, dann die Eier unterrühren. Zum Schluss die Mandeln unterheben und das Bittermandelöl hinzufügen.
Bei 180 Grad 40-45 Minuten im Ofen backen.
Lauwarm mit Orangensahne servieren. (Sahne steif schlagen und mit Vanillezucker und Orangenschale abschmecken.)

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