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Wenn Johann Bonusch seine Cocktails präsentiert, werden nicht nur die Milchproduzentinnen neugierig.

Vom Kuhstall an die Milchbar

Rottenbuch - Immer freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei Johann Bonusch in Rottenbuch. Der Landwirt zaubert köstliche Cocktails mit Milch.

Wenn Johann Bonusch im Blaumann anrückt, spitzt am Kragen manchmal schon die rote Fliege heraus. Gemeinsam mit seinem Bauernverbandskollegen Wolfgang Scholz baut er dann seine Milchbar auf, für ein Landwirtschafts-Fest oder eine Ausstellung. Dann kommt die Verwandlung: Die Arbeitskluft fällt ab – und heraus kommt ein smarter Barmann. Etwas bärtig zwar, doch mit geschmeidigem Schwung beim Schütteln.

„Hätten’s mir das vor zehn Jahren erzählt, ich hätt’s nicht geglaubt“, sagt Ehefrau Monika lachend. Dass ihr Mann in einem solchen Kostüm das Haus nie verlassen würde, dafür hätte sie wohl die Hand ins Feuer gelegt. Doch der Milch zuliebe wechselte der Bauer vor drei Jahren die Rolle. Ihr wollte Johann Bonusch ein neues Image verleihen. „Reich an Kalzium und Vitamin D und daher gut für Knochen und Gesundheit“ – so klangen Milch-Werbesprüche bisher. „Für die jungen Leute hört sich das uncool an“, meint Bonusch. Er setzt daher auf den Genuss als Werbeträger.

Bonuschs Cocktails mit Milch machen auch Väter glücklich

Ein solcher ist Milch nicht nur für Kinder. Lange sah der Milchbauer zu, wie die Kleinen bei Landwirtschafts-Festen einen Erdbeershake schlürften, während der Vater schon nach dem Weißbier schielte. Das wollte er ändern. Seine Milchbar sollte auch Väter glücklich machen, etwa mit Milch-Piña-Colada und kräftigem Lumumba.

An den Rezepten hat Bonusch lange getüftelt, gemeinsam mit einigen Mitstreitern. Abendelang wurde verkostet, Mischungen als gut befunden oder verworfen. Heraus kam eine Reihe von bewährten Rezepten, die allerdings noch immer weiterentwickelt werden. „Da ist doch Wodka besser“, sagt Bonusch – und streicht beim „Waldzauber“, einem Cocktail mit Waldmeistersirup, den weißen Rum. Statt eineinhalb Esslöffeln Zitronensaft dürfen es aber gerne auch zwei sein.

Den richtigen Schwung brachte dem Milchbarmixer ein Profi bei. Ein Bekannter, der beruflich den Shaker schüttelte, trainierte die Bauern. Denn Bonusch weiß: Am Tresen muss auch die Show stimmen. Und dafür braucht es offenbar Männer. Das wurde klar, als die Ehefrauen einmal eine Schicht lang schüttelten. Wodka und Milch blieben in den Flaschen. „Keiner wollte von uns einen Cocktail“, erzählt Monika. Doch die Traurigkeit ist nur gespielt. Ihr Lächeln verrät, dass sie selbst der größte Fan ihres Milchbarmixers ist.

Der geht derweil an sein Werk. Normalerweise ist die Küche allein das Reich von Monika. Doch wenn es um flüssige Nahrung geht, ist Bonusch der Herr. Etwa wenn er für Freunde den BBV-Drink mixt, den „Blue-Berry-VIP-Drink“. Der alkoholfreie Milchshake schmeckt auch schon am Nachmittag. Bonusch wiegt 200 Gramm Heidelbeeren ab. Die gibt es gefroren im Supermarkt. Der Hobby-Barkeeper gibt sie in einen Mixer aus Edelstahl, von denen in der Küche inzwischen mehrere stehen. Dazu kommen ein Stück frische Banane, drei Esslöffel Puderzucker, ein Esslöffel Zitronensaft – und das Wichtigste: Milch. Fast einen Liter gibt Bonusch dazu und lässt das Ganze im Mixer herumwirbeln.

Der leicht schaumige Shake schmeckt fruchtig frisch. Wer danach noch einmal eine Fertig-Fruchtmilch aus dem Kühlfach anrührt, ist selbst schuld. Wer es etwas säuerlich liebt, der wird von Jo-Jo-Fit begeistert sein. Der Drink wird mit Joghurt und Johannisbeersaft zubereitet. Nach Urlaub im fernen Süden schmeckt die Milch, wenn man sie mit Maracuja-Saft, Ananas- und Kokosnusssirup mischt.

An der Milchbar wird es auch mal politisch

Während er Drinks mixt, erzählt Bonusch Abenteuergeschichten aus seinem neuen Leben als Milchbarkeeper. Zum Beispiel, wie er lernen musste, den Irrungen eines Großmarkts zu trotzen, freilich mit einigen Rückschlägen. So landete einmal Pfefferminz- statt Waldmeistersirup im Waldzauber. „Die grünen Flaschen haben genauso ausgeschaut“, versichert er. „Ehrlich!“ Zum Glück entdeckte ein Testtrinker die Panne rechtzeitig.

Doch gibt es auch viele Erfolgsgeschichten. Zum Beispiel die vom Milchherbst in Brüssel, den die Milchbarkeeper mit einem ganzen Bus voller Zutaten eroberten. Der Landwirt genießt die offenen Gespräche, die sich mit den Barbesuchern ergeben. Oft glauben sie Bonusch kaum, dass er im Alltag sonst die Heugabel schwingt. „Man kommt ganz anders mit den Menschen ins Reden“, sagt der Bauer. Klar, dass es dann auch mal politisch wird und man über die Milchpreise debattiert. Denn auch darum geht es bei der Milchbar: Sie soll zeigen, welch hochwertiges Nahrungsmittel die Milchbauern herstellen.

Dann macht sich Bonusch an die Cocktails, die auch den Vätern schmecken. Für sie kommt jetzt der silbrig-glänzende Shaker zum Einsatz. Süß und exotisch schmeckt die Piña Colada, deren Kokosnuss-Aroma mit der Kuhmilch perfekt verschmilzt. In Hellgrün lockt der Waldzauber. Er bringt das Waldmeisteraroma, das viele wohl als Kind zuletzt geschmeckt haben, zurück auf die Zunge – gewürzt mit der Schärfe von Wodka. Monika Bonusch versüßt den Drink noch mit einem Zuckerrand am Glas – fertig. „Ich habe als Spülerin angefangen“, scherzt sie. Doch heute dürfe sie auch mal mithelfen. „Ich bin jetzt auch Bardame“, sagt die Bäuerin und lacht.

Von Sonja Gibis

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