Kulturelles auf der Schlachtbank

Egling - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute tischt Hans Oberhauser in Egling eine typische Brotzeit auf.

"Sag schön Grüß Gott zu dem Mann. Das ist dein Lehrmeister." Mit diesen beiden Sätzen stellte Hans Oberhauser senior seinen Sohn Hans vor gut 30 Jahren vor vollendete Tatsachen: Statt weiter aufs Gymnasium zu gehen, sollte der junge Bursch Metzger lernen und später einmal die Wirtschaft übernehmen.

Am Anfang hat der Eglinger mit seinem Schicksal gehadert: "Ich war ein guter Schüler und hatte viele Träume." Heute sagt er: "Ich bin mit Leidenschaft Metzger." Einen schöneren Beruf kann sich Hans Oberhauser, mittlerweile 48 Jahre alt, gar nicht mehr vorstellen. "Und von vielen werd' ich sogar beneidet."

Hans Oberhauser führt in vierter Generation die Dorfwirtschaft in Egling, die früher einfach nur "Alter Wirt" hieß. Nach der Flurbereinigung gab es den "Alten Wirt" allerdings zweimal in Egling, sodass es immer wieder zu Verwechslungen kam. Hans Oberhauser setzte kurzerhand seinen Nachnamen davor.

Seit 1906 ist das Gebäude neben der Dorfkirche eine Wirtschaft. Davor war es lange Jahre Außenstelle des Klosters Tegernsee. Daran erinnert noch ein unterirdischer Gang, der vom Gasthaus direkt zur Dorfkirche führte. Mutter Maria Oberhauser (78) weiß noch, dass er früher benutzt wurde. Doch mittlerweile ist der Tunnel zugemauert.

Einen historischen Fund machte Hans Oberhauser, als die Gaststube unterkellert werden sollte: Vier Kreuzer aus dem Jahr 1765 lagen in der Erde. Drei Münzen hat der Wirt in einer Vitrine in der Gaststube ausgestellt, den vierten Kreuzer hat er seinem Patenkind geschenkt. Hans Oberhauser ist ein Bayer ­ durch und durch. Die Liebe zur Heimat, die hat er von seinem Vater geerbt: Dieser war einst Gründungsmitglied der Eglinger Trachtengruppe und nahm seinen Sohn oft mit zur Probe. Der kleine Hans liebte das Schuhplattln. "Dafür bin ich jetzt zu alt", sagt der 48-Jährige ­ "die Knie", fügt er erklärend hinzu. Der bayerischen Tradition bleibt er dennoch treu verbunden. Wie zum Beweis ertönt lautstark bayerische Blasmusik, wenn Oberhausers Handy läutet.

Auch in seiner Metzgerei bewahrt Hans Oberhauser Bayerisch-Bewährtes: Jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat lädt der Metzgermeister zum Ochsenschlachtfest. "Da kann man für 12,40 Euro so viel essen wie man will." Doch nicht nur das All-you-can-eat auf Bayerisch ist das Besondere: Beim Ochsenschlachtfest gibt es Dinge, die man sonst auf Speisekarten oft vergebens sucht wie beispielsweise Ochsenbackerl. Stolz ist Oberhauser auch auf seine Weißwürste. Jeden Freitag gibt's diese kesselfrisch zu kaufen. "Und zwar wirklich kesselfrisch", sagt der Wirt. Das heißt, die Würste haben nur die allererste Brühung hinter sich und werden sodann warm verkauft. Die Eglinger kommen mit Eimern und Töpfen und holen sich die Weißwürste warm beim Metzger. Sensationell ist dabei auch der Preis: ein Euro pro Stück.

Früher gehörte zum Betrieb eine kleine Landwirtschaft. Auch wenn Hans Oberhauser mittlerweile keine Tiere mehr selbst hält, den Stall gibt es immer noch. Dort können sich die Tiere nochmal ausruhen, bevor sie am Hof geschlachtet werden. "Durch diese sanfte Vorgehensweise wird das Stresshormon im Körper abgebaut", sagt Oberhauser. "Das Ergebnis schmeckt man." Das Fleisch sei dadurch viel weicher.

Dass das "Oberhauser" seit ein paar Jahren auch Kulturbühne ist, "kam eher per Zufall". Eine Bekannte hatte ein Kabarettprogramm zusammengestellt und war kurzfristig auf der Suche nach einem Veranstaltungsort. Hans Oberhauser sprang ein und sagte nach einer Saison: "Das mach' ich weiter."

Seither treten im ersten Stock regelmäßig Künstler auf. Soeben ist der Vorverkauf für das nächste Halb-Jahresabo losgegangen, Start ist im Herbst. Fünf Kabarett-Abende inklusive Essen für 99 Euro. Zu sehen sind dabei unter anderem D'raith Schwestern, Thomas Lerchenberg und das Fastfood Improvisationstheater. "Das kann sich doch sehen lassen", sagt Oberhauser nicht ohne Stolz.

Auch wenn sich der Wirt mit 48 Jahren zu jung fühlt, um ans Aufhören zu denken, macht er sich schon Gedanken über die Zukunft seines Gasthauses: Er hofft, dass eines seiner vier Kinder das Geschäft einmal weiterführt. Doch "zum Glück zwingen", wie einst ihn selbst, will er niemanden.

Das Oberhauser

Gasthaus Oberhauser

Hauptstraße 11 in 82544 Egling

Telefon (0 81 76) 93 03-0

www.oberhauser-egling.de

Hinkommen:

Von München aus entweder über die Salzburger Autobahn, Ausfahrt Hofoldinger Forst. Von dort über Sauerlach nach Egling. Oder über die Autobahn nach Garmisch, Ausfahrt Wolfratshausen. Von dort Richtung Egling/Sauerlach halten.

Öffnungszeiten:

durchgehend warme Küche.

Montags ist das Lokal erst ab 17 Uhr geöffnet.

Sonstiges:

eigene Metzgerei. Ochsenschlachtfest jeden ersten und dritten Donnerstag im Monat ab 18 Uhr. 

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