+
Feiern den Start der WM: Südafrikanerin Nadine Cedrone und ihr argentinischer Mann Gabriel mit Redakteurin Sonja Gibis.

"Lekkereien" aus Südafrika

Freising - Heute sind wir zu Gast bei Nadine Cedrone im Freisinger Ortsteil Aufhausen. Die Südafrikanerin kocht Gerichte aus ihrer Heimat.

Wenn in Johannesburg heute die Arena tobt, geht es auch in dem Blockhaus in Aufhausen bunt zu. Gabriel Cedrone trägt das weiß-blaue Trikot der Argentinier, seine Frau Nadine die vielen Farben von Südafrika. Auf dem Tisch stehen feuerrote Peppadews und Maisbrot. „Mein Mann ist ein riesiger Fußballfan“, sagt die 29-Jährige. Sie selbst ist vor allem ein Fan ihrer Heimat.

Diese liegt in Kapstadt, zu Füßen des Tafelbergs. Als Nadine ihren Bruder in Deutschland besuchte, lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen, den Argentinier Gabriel Cedrone. Für ihn zog die deutschstämmige junge Frau 2005 in die frühere Heimat ihrer Familie. Doch fast in jeder Ecke des Holzhauses erinnert etwas an Südafrika. Dort ein Holzschnitt, hier eine geschnitzte Figur. In der Küche stehen Tumeric und Aprikosen- Chutney – sehr „lekker“, wie man auf Afrikaans sagt.

Besondere Vielfalt der Küche Südafrikas

Fragt man Nadine nach dem Besonderen der südafrikanischen Speisen, muss sie überlegen: „Ich glaube, ihre Vielfalt“, sagt sie dann. Denn nicht nur das Land, auch seine Küche ist ein Schmelztiegel. Holländer und Briten lieferten die Basis vieler Gerichte. Malaiische Küchensklaven verliehen ihr exotische Würze. Inder brachten ihre Currys, Hugenotten französische Raffinesse. Hinzu kommen die Früchte Afrikas: Papayas und Kochbananen, Fleisch von Strauß und Krokodil.

Doch auch mit Zutaten aus dem deutschen Supermarkt lässt sich südafrikanisch kochen. Nadine hat aber auch einige Spezialitäten aufgestöbert – und sich in ihre Geschichte eingelesen. „Ich habe viel gelernt“, sagt sie und erzählt von der Erfindung des Biltong. Das Wort kommt aus dem Holländischen. „Bil“ bedeutet „Hintern“, „Tong“ heißt „Streifen“. Wer jetzt vermutet, das Fleisch stamme eben vom Hinterschinken, irrt. Nadine erzählt die Geschichte so: In der Hitze Südafrikas suchten die burischen Pioniere ein Mittel, Fleisch zu konservieren. Sie fanden es unter dem Sattel ihrer Pferde. Dorthin legten sie Fleischstreifen. Der Hintern des Reiters drückte sie platt, der salzige Schweiß des Pferdes machte sie haltbar.

Fleischstreifen vom Pferde-Hintern

Die „Hintern-Streifen“, die Nadine serviert, haben nie einen Pferderücken berührt. Sie stammen aus einer deutschen Metzgerei. Das Fleisch wird mit Salz, Pfeffer, Koriander und Essig gewürzt und dann roh getrocknet, so wie heute auch in Südafrika. Dort stammt das Fleisch allerdings nicht immer vom Rind, sondern von Antilopen oder sogar mal vom Elefanten.

Für die Vorspeisenplatte hat Nadine Maisbrot gebacken. Eine Hand streckt sich zu dem Teller herauf. Sie gehört Mateo, Nadines zweijährigem Sohn. Er liebt das saftige Brot – und darf probieren.

Eine südafrikanische Spezialität sind auch die runden roten Peppadews, eingelegte Kirschpaprika. Ein paar davon kommen in die Creme aus Kichererbsen. Die anderen erhalten ein würziges Herz aus Quark, Feta und Kräutern. Die klebrige Käsecreme lässt sich mit dem Löffel schlecht einfüllen. Egal. Nadine lacht, greift zu einem Stück Plastik – und fertig ist die Spritztüte. Damit klappt es perfekt. Wie sie kochen gelernt hat? „In meiner Prüfungszeit“, erzählt Nadine und lacht wieder. Als sie für das Ende ihres Physiotherapie-Studiums lernte, hätte es jeden Tag viele Gänge gegeben – zum Ausgleich.

Pfefferminztee auf afrikanische Art

Auf dem Tisch steht schon eine Karaffe mit Wasser und Eis. Darin ziehen Pfefferminzblätter. „Das gibt es in Südafrika überall“, erzählt Nadine. Einfach, doch herrlich erfrischend. Beim Essen erzählt sie auch von den Spannungen zwischen Schwarz und Weiß, die man überall in Südafrika noch spüre – leider. Doch schwärmt Nadine auch von der Vielfalt, der Küche wie der Kultur. Mit dieser steht sie in engem Kontakt. An Festival- Ständen verkauft Nadine nicht nur Kunsthandwerk, das sie direkt aus Südafrika bezieht. Sie arbeitet auch mit Künstlern aus Südafrika zusammen, etwa den Fotografen von Iliso Labantu, dem „Auge des Volkes“. Eine Ausstellung auf dem Münchner Tollwood- Festival im Garten der „Blue Note Lounge“ wird das Leben der Schwarzen in Kapstadt zeigen.

Zum Beispiel Menschen beim „Braai“. In Südafrika lädt man sich fast jeden Abend zu einem solchen Grillen unter freiem Himmel ein. Nadine vermisst das in Deutschland ein wenig. Doch vielleicht gibt es bei der WM einen Anlass zum Feiern. Dass Südafrika eine Chance hat, glaubt selbst Nadine nicht. Doch die Argentinier gehören zu den Favoriten.

Auf Snoek-Braai muss sie verzichten

Nadines Lieblingsgericht wird es dann leider nicht geben: Snoek-Braai. Der schlanke Fisch, den man nur in Monaten ohne „r“ essen sollte, ist hierzulande nicht zu bekommen. Sein Geschmack – unvergleichlich. Als Hauptgericht gibt es stattdessen Bobotie, ein Auflauf aus Hackfleisch, gesüßt mit Aprikosenmarmelade und gewürzt mit Curry. Serviert wird er mit Kokosflocken, Bananenscheiben und Zwiebel-Tomaten- Salat. In der Küche hat Südafrika sein Ziel schon erreicht: Seine Gegensätze sind harmonisch vereint.

Von Sonja Gibis

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Sind keimende Kartoffeln giftig oder essbar?
"Keimende Kartoffeln unbedingt wegwerfen", wussten schon unsere Großmütter. Doch sind Kartoffeln mit Triebe wirklich giftig oder reicht es sie gut zu schälen?
Sind keimende Kartoffeln giftig oder essbar?
Smoothie Bowls: Gefrorenes Obst sorgt für Abkühlung
Smoothies sind vor allem im Sommer eine gute Wahl. Wer die Mixgetränke gern hat, kann sie schnell selber zubereiten. Wichtig ist dabei die Beschaffenheit des Obstes.
Smoothie Bowls: Gefrorenes Obst sorgt für Abkühlung
In Cocktail-Schirmchen sind geheime Botschaften versteckt
Die kleinen, bunten Schirmchen zieren Cocktails, Eisbecher oder Desserts. Doch was fast niemand weiß: Darin sind winzige Nachrichten versteckt.
In Cocktail-Schirmchen sind geheime Botschaften versteckt
Gegrillte Pfirsiche mit Ziegenkäse und Honig
Süß, fruchtig und herzhaft zugleich - wer diese Mischung mag, für den ist dieser Salat aus frischen Pfirsichen, Ziegenkäse und Honig genau das Richtige. Er eignet sich …
Gegrillte Pfirsiche mit Ziegenkäse und Honig

Kommentare