Logenplatz Richtung Sonnenuntergang

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast im „Kleinen Seehaus“ in St. Heinrich am Starnberger See.

Die Eröffnung war von höchster politischer Hand vorbestimmt. Der damalige Ministerpräsident Edmund Stoiber hatte sich für den 26. November 2000 mit seiner Familie angekündigt. Bis dahin musste alles fertig sein. Zwar hatte Markus Sulzmann das „Kleine Seehaus“ in St. Heinrich am Starnberger See schon 1996 gepachtet, doch damals war es nur ein kleiner Kiosk für die Sonnenhungrigen. „Ein Bretterverschlag – ohne Heizung, ohne Toiletten.“ Drei Jahre später, Sulzmann war noch Wirt der „Fischerrosl“ in St. Heinrich, begann er aus dem Kiosk ein Restaurant zu bauen. Schritt für Schritt, Stück für Stück. Bis zu jenem 26. November. Diesen Termin konnte er einhalten.

„Dieser Platz hier hat einfach danach geschrieben, mehr daraus zu machen“, sagt Sulzmann. Aus dem ehemaligen Bretterverschlag entstand so über die Jahre bis heute ein kleines Schmuckkästchen am Starnberger See. Und ein kulinarisches Juwel für die Freunde feiner Fischküche. Angefangen hatte Markus Sulzmann mit Seefischen, wie er sie schon in der „Fischer-Rosl“ serviert hatte. „Doch dann habe ich schnell gemerkt, dass die Nachfrage eine andere ist.“ Seefische, wie die Renke, gibt es immer noch, aber „wir haben vorwiegend auf Salzwasserfische umgestellt“.

„Wir“ ist neben Markus Sulzmann seine Lebensgefährtin Veronika Tauber aus Garmisch. Und beide haben schon einen langen Weg in der Gastronomie hinter sich. Sulzmann, ein gebürtiger Fürstenfeldbrucker, der im Münchner Königshof gelernt hat und dessen Weg dann über die Schweiz und Frankreich an den Starnberger See führte, hatte immer davon geträumt, „irgendwo zwischen Garmisch und München“ sein eigenes Restaurant zu eröffnen.

Dass es jetzt eines mit „Gardasee-Gefühl“ ist, wie die beiden es nennen – umso besser.

Und zum Gardasee-Gefühl am Starnberger See gehört eben auch der Fisch. „Den essen bei uns 70 Prozent der Gäste.“ Für die anderen 30 gibt es immer ein vegetarisches Gericht sowie zwei bis drei Fleischgerichte. „Das Wiener Schnitzel ist bei uns ein richtiger Klassiker geworden.“ Versuche, es mal von der Karte zu nehmen, scheiterten an der starken Nachfrage.

Dennoch: „Als bodenständig würde ich unsere Küche nicht bezeichnen“, sagt Sulzmann. „Sterneküche ist hier jedoch auch nicht angesagt.“ „Und auch keine Schnäppchenjägerküche“, ergänzt Tauber, denn wer immer nur möglichst billig, möglichst viel essen will, mache die gute Gastronomie kaputt. Und genau um die soll es gehen im „Kleinen Seehaus“: „Wir bieten produktbezogene Küche, die mit Liebe gekocht wird.“ Auf der Karte finden sich derzeit beispielsweise Gebratene Jakobsmuscheln mit mediterranem Gemüse und Pinienkernen (12,90 Euro) oder der Fischteller No 1, Jakobsmuschel, Steinbuttfilet und Tiger Prawn mit feiner Hummer-Sahnesauce und sautiertem Marktgemüse (26,90 Euro), oder besagtes Wiener Schnitzel mit knusprigen Bratkartoffeln (19,80 Euro). Und nach Möglichkeit ist die Küche ebenso saisonal sowie regional. Bald zum Beispiel ist auch im „Kleinen Seehaus“ wieder Spargelzeit. Auch bei den Zulieferern achtet das Gastronomenpaar auf Qualität. „Unsere Seefische, wie die Renken, bekommen wir von der Fischerei Hirn aus Ambach und unsere Salzwasserfische vom Kagerer aus München.“ Wert legen sie auch auf die Auswahl ihrer Weine und der Winzer. Einer stammt beispielsweise von einem österreichischen Bauern, der seine Lieferung immer persönlich an den Starnberger See bringt.

„Wir wollen hier als Kleinod gelten“, sagt Veronika Tauber und ist sich bewusst über die exklusive Lage, die sie hier am See haben. Und obwohl das riesige Badegrundstück – „insgesamt sind das hier 40 000 Quadratmeter“ – zum Haus gehört, ist Expansion für die beiden, die auch weiterhin den Kiosk für die Badegäste betreiben, kein Thema. Tauber bleibt lieber bei dem Motto: Weniger ist oftmals mehr. „Die Leute sollen hier ihre Ruhe finden und genießen können.“ Was es daher nicht gibt im kleinen Seehaus ist: „Hektik, eine Dreifachbelegung der Tische, und wir setzen auch keine anderen Gäste an einen reservierten Tisch.“

Eines aber ist unbedingt zu empfehlen: „Vorher anzurufen und zu reservieren“, sagt Tauber. Eben weil Nomen im „Kleinen Seehaus“ auch Omen ist: Im Lokal finden rund 35 Gäste Platz, auf der Terrasse rund 50. Und wer nicht sofort einen Platz bekommt, der kann sich im Seehaus auch ein Glas Prosecco holen und im Sommer auf dem hauseigenen Steg auf Tisch und Sonnenuntergang warten.

Es gibt Schlimmeres auf der Welt als das Gardasee-Gefühl.

Claudia Muschiol

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