Logenplatz am Staffelsee

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast beim „Alpenblick“ in Uffing am idyllischen Staffelsee.

Einfach ein Traum. Mit diesen drei Worten ist eigentlich alles über den „Alpenblick“ am Staffelsee gesagt: Traumblick auf das Wettersteingebirge und die Ammergauer Alpen, eine ideenreiche, junge Küche und eine Wirtin mit Herz und Verstand. Hier, im bayerischen Voralpenland, ist die Welt eben noch in Ordnung.

„Das ist mein Leben“, sagt Inge Meissner über ihren „Alpenblick“, den sie zusammen mit ihren beiden Söhnen Harry (40) und Michael Bott (42) bewirtschaftet. Sie agiert heute gerne im Hintergrund und lässt ihre Söhne machen.

Es war ein verschneiter Wintertag vor über 30 Jahren, als sich die gelernte Hotelfachfrau „in das Haus am See verliebte“. Bis zu diesem Zeitpunkt diente das von Emanuel von Seidl errichtete Gebäude als private Sommerresidenz. Die Terrasse fehlte noch, die Küche bestand gerade mal aus einem Herd mit zwei Steckdosen. Trotzdem war sich Inge Meissner sicher: „Wenn’s hier nicht klappt, dann bin ich selber schuld.„

Doch die traumhafte Kulisse allein macht aus dem „Alpenblick“ noch kein Juwel. Es ist diese besondere Atmosphäre, die das Gasthaus am See auszeichnet. Das Team – rund 25 Angestellte – versteht sich als „große Familie“: Bei uns wird Gemeinschaft großgeschrieben. Jeder soll Spaß an seiner Arbeit haben“, erläutert Inge Meissner das Alpenblick-Grundgesetz.

Klar, an einem schönen Sommertag, wenn alle Tische im Restaurant und im Biergarten belegt sind, geht’s nicht mehr ganz so beschaulich zu – „aber wir haben mittlerweile genug Routine, die Arbeit zu stemmen“, sagt die Wirtin selbstbewusst. Unten am See ist ein Selbstbedienungs-Biergarten mit typischen Schmankerln wie gegrillte Hendl (ein Halbes kostet 5,50 Euro) und Steckerlfisch (8,50 Euro). Oben im Restaurant und im Wintergarten tischt Küchenchef Michael Bott feine bayerische Küche auf. Im Sommer stehen Gerichte mit Süßwasserfischen im Mittelpunkt, am liebsten fangfrisch aus dem Staffelsee. Im Winter wird’s internationaler. Gekocht wird nach den strengen Regeln der Eurotoques. Die Stiftung setzt sich unter anderem für die Pflege heimischer Erzeugnisse ein. „Wir haben nur das auf der Karte stehen, was uns selbst schmeckt“, sagt die Wirtin – sagt’s und blickt grinsend am eigenen, nicht ganz schlanken Körper hinunter. Nur wenn es Klassiker wie Kaiserschmarrn oder Gulasch gibt, steht die Senior-Chefin noch selbst am Herd. Doch nicht nur fürs Deftige ist der „Alpenblick“ bekannt: Viele kommen auch einfach zum Kaffeetrinken und Kuchenessen her. Es gibt überwiegend Blechkuchen. Inge Meissner hat die Rezepte zusammengesammelt, viele stammen aus der Familie. „Den Johannisbeerkuchen beispielsweise hat meine Tante immer gebacken.“

Davor oder danach bietet sich ein Seespaziergang an. Wer den ganzen Staffelsee umrunden will, marschiert rund 22 Kilometer (Kinderwagen-geeignet). Im Alpenblick liegen Wanderkarten, vom Mann der Wirtin gestaltet, zum Mitnehmen aus. Wer fauler ist, geht einfach ins benachbarte Strandbad. Den See genießt auch Inge Meissner. Um 7 Uhr, bevor die ersten Gäste kommen. Dann gönnt sich die Wirtin ein ausführliches Bad im kühlen Nass: „Das ist jeden Morgen aufs Neue schön.“ Sohn Michael sind die Gewitterstunden am Staffelsee am liebsten. „Gewitter ist zwar nicht gut fürs Geschäft, aber die Stimmung ist dann ein absoluter Traum.“ Apropos Traum: Inge Meissners eigener Traum ist bereits in Erfüllung gegangen. „Für mich ist es die Krönung meines Lebenswerks, dass meine Söhne den Alpenblick weiterführen.“

Stephanie Ebner

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