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Heike Lenschen

Das Märchen aus Frucht und Creme

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei Heike Lenschen in Berg am Laim in München. Ihre Liebe gehört dem Torten-Backen.

Samstagnachmittag, die Sonne brennt. Hält der Tortenguss? In der Dachgeschosswohnung steigt die Temperatur. „Hoffentlich wird die Creme steif genug“, sorgt sich Heike Lenschen schon beim Öffnen der Tür. Auf die Marzipantorte will sie heute verzichten. Nicht hitzeresistent genug. Obwohl sie „der absolute Knaller“ ist. Auch die Himmelstorte mit den luftigen Sahneschichten wäre schwierig. Doch mit Schneewittchen könnte es klappen. Und die Quarktorte mit Ananas schmeckt bei Tropentemperaturen herrlich erfrischend. Dank der „Lieblings-Nachbarin“ ist auch genügend Platz zum Kaltstellen. Sie hat für den Münchner Merkur extra ihren Kühlschrank geräumt.

Ein Gugelhupf oder ein Nusskuchen wäre bei den hohen Temperaturen ohne Risiko. Doch das kommt bei Heike nur selten in den Ofen. Ihre Leidenschaft gehört den Torten, mit Früchten oder Sahnecreme, mit Schokolade, Nüssen oder Marzipan – oder am besten mit allem zusammen. Wenn die Zunge sich zuerst durch die Früchte und die Creme drückt, dann durch luftigen Biskuit, bis der Mürbeteig zwischen den Zähnen knirscht – das ist für Heike der Gipfel des Genusses. Dass sie für jede Tortenschicht auch eine eigene Schicht in der Küche einlegen muss, nimmt sie gerne in Kauf.

Die Torten-Liebe hat die Hobby-Konditorin, die außerhalb der Küche für einen Medizingeräte-Hersteller arbeitet, von ihrer Mutter geerbt. An jedem von Heikes Geburtstagen gab es eine süße Überraschung. Die Kerzen steckten immer auf einer neuen sahnigen Kreation. Heute backen Mutter und Tochter auch mal gemeinsam. Zum Beispiel für das Tortenbüffet zum 60. Geburtstag der Mama. „Da war es so heiß wie heute“, erinnert sich Heike.

Einige Rezepte sind bereits von der Großmutter erprobt, andere gesammelt und verfeinert, manche völlig selbst kreiert. Heike bewahrt sie in Folien in einem Ordner auf. „Und jetzt kann sie jeder in der Zeitung lesen“, sagt sie und lacht. Doch ist das ganz nach ihrer Art. Köche, die ihre Rezepte eifersüchtig hüten, findet sie ein bisserl albern. Daher verrät sie gleich noch eine Nachspeisen-Rezept: Orpheus’ Traum. Ob der mythische Sänger bei der Süßspeise selbst seine geliebte Eurydike vergessen hat? Der Name macht neugierig. Die oberste Schicht besteht aus Knuspermüsli. In der Unterwelt gräbt sich der Löffel durch Kirschen, Eierlikör und Quark. „Schmeckt legendär“, findet Heike.

Märchenhaft sind aber auch die Torten, die sie heute ausgesucht hat: Schneewittchen ist ein Tipp auch für Singles, die kein Backrohr haben. Der Boden besteht aus Zwieback und Haselnusscreme. Nicht ganz so schwarz wie Ebenholz, aber immerhin so dunkelbraun wie Schokolade. Heike vermischt sie mit den Zwiebackbröseln, verteilt die Masse auf dem Boden der Kuchenform – fertig ist ein leckerer Tortenboden. Darüber kommen zwei Schichten schneeweiße Creme.

Während Schneewittchen noch mit einer blutroten Schicht aus Sauerkirschen geschmückt wird, bäckt im Ofen schon der erste Mürbeteig. Dann kommt der Biskuit: Gut gelaunt trennt Heike Eier, schlägt Eischnee und Sahne – und schwärmt dabei von weiteren Rezepten. Zum Beispiel einem Kuchen, in dessen Teig sich Trockenfrüchte, vollgesogen mit Rum, und Schokoladen-Mokka-Bohnen verbergen. Oder der wolkigen Himmelstorte. Zwischen mehrere Schichten Mürbeteig kommen Mandelblättchen, Zimt und Hagelzucker. Dann noch Eischnee und Sahne. Nach einem solchen Genuss kocht Heike abends gerne „Low carb“, also mit wenig Kohlenhydraten. Eine Buße für süße Sünden sei das aber nicht. „Schmeckt auch lecker“, versichert Heike.

Doch vielleicht nicht ganz so gut wie die Rote-Grütze-Torte: Eine Schicht Biskuit ruht auf Mürbeteig, den Heike zunächst mit Marmelade bestreicht. Bei der Creme siegt der Gelierzucker über die Hitze. Der Schmand mit Sahne wird schön fest. Auch die Ananascreme gelingt. Der Tortenring hält die halbierten Fruchtscheiben, welche die fertige Torte hübsch rahmen. Dann der Höhepunkt: die Probierrunde. Welche ist nun die Beste? Heike bevorzugt Schneewittchen – eine alte Liebe. Nachbar Mario hätte lieber noch ein Stück von der Rote-Grütze-Torte. Und Nachbarin Jana schmeckt die frische Ananascreme am besten. Der Tortenwettkampf hat drei erste Sieger.

Sonja Gibis

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