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Die Wirtsleute am sogenannten Kutscher-Tisch: Barbara und Ludwig Klier servieren Frühlingsgerichte.

Unsere Wirte

Hier verpasst man gern mal einen Zug

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir im "Gasthaus Baumann" in Otterfing. Hier dreht sich zurzeit alles um die Küchenkräuter.

Das Gasthaus Baumann ist eine richtige Bahnhofswirtschaft. Nicht etwa, weil es hier dunkel und düster ist und der Gast nicht viel mehr als eine Halbe aufgetischt bekommt. Mitnichten, eher das Gegenteil ist der Fall: Es ist eine Art Wohnzimmer mit alten Familienfotos an den Wänden und auf den Tisch kommen frisch zubereitete Speisen aus der Region. Nur: Ohne die Bahn würde es das Gasthaus Baumann wahrscheinlich nicht geben und deshalb ist es eine Bahnhofswirtschaft im besten Sinne. Hier lässt man gerne auch mal den einen oder anderen Zug fahren.

Als um die Jahrhundertwende die Strecke München -Rosenheim ausgebaut wurde, entstand das Gasthaus. Die damaligen Besitzer, die Familie Moser, bauten das Wohnhaus in ein Gasthaus um. Damals wie heute liegt es gerade mal zwei Fuß-Minuten vom Bahnhof entfernt. Dann, mit "dem Ausbau der S-Bahn zu den Olympischen Spielen 1972 kamen die Tagesausflügler", erinnert sich Ludwig Klier (44). Er führt heute den Gasthof in dritter Generation.

Der Wirt sagt: "Die Nähe zum Zug prägt unser Haus noch heute." Angesichts der Unvereinbarkeit von Auto und Alkohol halten viele in der Gaststätte ihre Firmen- oder Familienfeier ab. Denn das Nachhausekommen ist hier immer garantiert.

Nichtsdestotrotz ist das Gasthaus alles andere als eine Durchgangsstation. Hier kommt der Gast gerne an und verpasst sogar mal eine S-Bahn, weil’s gerade so gemütlich ist. Dafür sorgt allein schon die Senior-Chefin Josefa Klier (69). In ihrer Jugend setzte sie sich ans Klavier und unterhielt die Gäste mit ihrem Gesang. Heute begrüßt sie fast alle mit Namen und nimmt sich auch mal Zeit für einen Ratsch. "Ich kenn’ die meisten unserer Gäste." Josefa Klier lebt das Motto ihres Vaters weiter. Von ihm stammt der Spruch: "Ein Wirt braucht kein Wohnzimmer, sondern eine Wirtsstube." Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass die Wirtsfamilie den Raum hinter der Großküche als ihr Wohnzimmer bezeichnet. "In unsere Wohnung im ersten Stock gehen wir eigentlich nur zum Schlafen", sagt Ludwig Klier.

Mit ihrem Gesang hat Josefa ihren späteren Mann Ludwig (77) verzaubert. Für die Liebe seines Lebens sattelte der gelernte Kunst- und Bauschlosser um und stellte sich hinter den Herd.
Wie später sein Sohn. Für den heute 44-Jährigen war immer klar, dass er eines Tages den elterlichen Betrieb weiterführen wollte. Zunächst lernte Ludwig Klier das Kochen von der Großmutter. Sie war seine erste Lehrmeisterin: "Mit ihr stand ich sechs Tage die Woche in der Küche." Dann verließ der Otterfinger sein Heimatdorf, um in München eine Ausbildung zu machen.

Der Küchenstil von Ludwig Klier ist bodenständig. Er kauft in der Region ein und kocht, was gerade Saison hat. Die Speisekarte wechselt jede Woche - "so kann ich schnell darauf reagieren, was mir die Bauern anbieten".

In diesen Tagen fiebert Ludwig Klier dem Ende des Winters entgegen: "Den Bärlauch erwarte ich schon sehnsüchtig." Der Otterfinger kocht leidenschaftlich gerne mit frischen Kräutern. Manche sammelt er noch selbst im Wald, viele hat er in einer großen Kräuterschnecke im Wirtsgarten selbst angebaut. "Mit Kräutern spart man sich das Salz. Das ist schließlich gesund", lautet seine Devise.

1997 übernahm der Küchenmeister das Lokal mit seiner Frau Barbara (41). Auch sie sattelte - wie einst schon ihr Schwiegervater - der Liebe wegen um: Aus der Bauzeichnerin wurde eine Restaurantfachfrau. Während ihr Mann in der Küche das Sagen hat, gestaltet sie die Wirtsstube, die nach und nach ausgebaut wurde. Es sind die kleinen Details, die das Gasthaus so gemütlich machen: hier ein Jugend-Bild von der Senior-Chefin, da ein paar Woll-Knäul auf dem Küchenbuffet, dazwischen Stammtisch-Abzeichen. "Hier steckt jede Menge Herzblut drin", sagen die jungen Wirtsleute unisono und wenn man sich im Raum umschaut, dann weiß man auch, dass dies keine hohle Phrase ist.

Stephanie Ebner

Gasthaus Baumann

Bahnhofstraße 45 in 83624 Otterfing
Telefon (0 80 24) 4 87 11

Öffnungszeiten:
Montag bis Mittwoch warme Küche von 10.30 bis 14 Uhr und von 18 bis 21.30 Uhr, Samstag und Sonntag durchgehend warme Küche. Donnerstag ist Ruhetag. Am Freitag ist das Lokal ab 17 Uhr geöffnet.

Hinkommen:
für S-Bahn-Fahrer ideal geeignet. Das Gasthaus Baumann liegt gegenüber vom S-Bahnhof Otterfing. Wer mit dem Pkw anreist, kommt von München aus über die Salzburger Autobahn, Ausfahrt Sauerlach. Von dort ist Otterfing ausgeschildert.

Kräuter-Rezepte (für 4 Personen)

Kräuterwaffeln mit warmem Ziegenkäse

175 g weiche Butter, 200 g Mehl, 50 g Maisstärke, 4 Eigelb, 4 Eiweiß, 125 ml Milch, 125 ml saure Sahne, 50 g Reibekäse, Abrieb einer Zitrone, frische Kräuter wie Thymian, Estragon, Kerbel, Schnittlauch, 400 g Ziegenkäserolle, mild, 4 TL Honig, 3 EL Öl, 2 EL Himbeeressig, 1 Schalotte in feinen Würfeln, 1 TL Honig, Salz, Pfeffer.

Zubereitung:
Aus Butter, Mehl, Maisstärke und Eigelb einen Teig rühren. Wenn dieser glatt ist, Milch und saure Sahne zufügen. Eiweiß zu Schnee schlagen und kühl stellen. Zitronenabrieb zum Teig geben, Kräuter sehr fein schneiden und unter die Masse heben, zum Schluss den Eischnee unterheben und den Reibekäse zufügen. Den Ziegenkäse in kleine Rollen schneiden zu je 50 g. Aus Öl, Himbeeressig, Schalotte und Honig ein Dressing rühren, mit Salz und Pfeffer würzen. Im Waffeleisen die Kräuterwaffeln ausbacken, den Ziegenkäse im Grill kurz erwärmen. Die Waffeln auf einem Teller anrichten, einen kleinen Salat aus frischen Kräutern in die Mitte legen und die warmen Ziegenkäserollen daraufstellen. Mit der Himbeervinaigrette servieren.

Basilikumeis mit Balsamico-Erdbeeren

1 unbehandelte Zitrone, 1 Vanilleschote, 250 ml Schlagsahne, 250 ml Milch, 2 Eier, 2 Eigelb, 100 g Zucker, 30 g Basilikumblätter, 40 g Zucker, 80 ml Balsamico, 100 ml roter Portwein, 400 g Erdbeeren

Zubereitung:
Zitronenschale abreiben und die Zitrone auspressen. 200 ml Milch mit Zitronenabrieb, Vanillemark und Sahne zusammen aufkochen und dann ca. 30 Minuten ziehen lassen. Eier und Eigelb mit dem Zucker cremig aufschlagen, die abpassierte Milch dazugeben und über einem Wasserbad zur Rose abziehen. Dann erst Zitronensaft dazugeben und abkühlen lassen. Basilikumblätter mit restlicher Milch pürieren und in die Eismasse rühren und in der Eismaschine gefrieren lassen (ca. 20-30 Minuten). Balsamico-Erdbeeren: Zucker karamellisieren lassen, mit Portwein und Balsamico ablöschen und einkochen.

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