+
Ein Prosit auf das gelungene Essen: die Münchner Männerkochrunde beim Aperitif.

Neun Freunde am Küchenherd

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei einer Münchner Männergruppe, die sich alle zwei Wochen zum gemeinsamen Kochen trifft.

Montag, 9.30 Uhr. Günther Kreilling (82) betritt mit einem Koffer und zwei Körben das Alten- und Service-Zentrum (ASZ) an der Balanstraße. Heute ist er der „Chefkoch“ und für das Menü verantwortlich. „Ich hab mir was mit Spargel ausgedacht“, sagt der Senior. „Schließlich ist Frühling.“ Der gebürtige Münchner hat sich zur Devise gemacht: „Ich koche immer, worauf ich Lust habe.“

Alle 14 Tage trifft sich im ASZ eine Männerkochrunde. Der Jüngste ist 60 Jahre alt, der Senior der Gruppe 84. Ein bunt gemischter Haufen, der gerne isst. Denn wer nicht will, muss auch nicht kochen. Der Posten des Chefkochs wird abwechselnd vergeben. Wer ihn innehat, sorgt für das Menü, kauft ein und teilt die anderen bei der Küchenarbeit ein. Das hat sich bewährt. „Das ist wie bei ,Lanz kocht’“, sind sich die Männer einig. Mit dem einzigen Unterschied, dass „es bei uns ein bisschen chaotischer zugeht“.

Die Caritas hat den Kurs einst ins Leben gerufen, um Männern die Scheu vorm Herd zu nehmen. Gesund und nicht zu teuer soll das Essen sein, das gemeinsam zubereitet wird. Dass das Kochen nicht immer eine ganz ernste Sache ist, merkt man bei den Männern. Da wird zwischendurch auch mal ein Witz erzählt und spätestens gegen 11 Uhr macht sich einer der Männer ein Bier auf. Alle neun können eh nicht in der Küche arbeiten. Allein schon aus Platzgründen nicht. Da bleibt Zeit, von früher zu erzählen. So berichtet Tengar Gottschalk (80), wie er als Schlangenmensch mit dem „Circus Krone“ und dem „Moskauer Staatszirkus“ durch Europa reiste. Aus Kochinteressierten sind mit der Zeit Freunde geworden, die sich auch mal außer der Reihe im Biergarten treffen – dann dürfen auch die Frauen mit. Oder die Gruppe geht gemeinsam auf Reisen. Zuletzt war ein Teil in Portugal.

Heute der Chefkoch: Günther Kreilling (82) hat sich für dieses Mal ein Spargelmenü ausgedacht.

Während Günther Kreilling sein Spargelgericht zubereitet, schält Wolfgang Lachauer (63) die Karotten für die Vorspeise. „Ich hab in dem Kurs viel dazugelernt. Das war notwendig. Nach dem Tod meiner Frau musste ich mich selbst verköstigen.“ Für den Nachtisch sorgt Mike Ryan, mit 60 Jahren der Jüngste in der Gruppe. Seit 30 Jahren lebt der Amerikaner in Deutschland – „ich war von den Bergen und dem bayerischen Bier angetan“. Wenn Ryan die Führung in der Runde übernimmt, spricht er das immer vorher mit seiner Frau ab. „Um sicherzugehen. Sie ist eine begeisterte Köchin.“

Es ist 11.30 Uhr. Franzisko Azambuja, von allen nur kurz „Chicco“ genannt, deckt den Tisch. „Blumen und Servietten gehören einfach dazu“, sagt der 72-Jährige. „Wir zelebrieren unsere Treffen. Es ist schließlich ein Unterschied zwischen schön Essen und einfacher Nahrungsaufnahme.“ Am Tisch soll es Gelegenheit zu Gesprächen geben, das ist unsere „geistige Nahrung“.

Wenn Chicco mit dem Kochen dran ist, dann wird’s international. Am liebsten kocht er Indisch. Nicht ohne Grund: „Chiccos“ Eltern stammen aus Portugal, er selbst hat die ersten 17 Jahre seines Lebens in Indien verbracht. Sein Vater hatte dort als Bankdirektor einen guten Posten. Im Oktober 1959 kam Chicco als Technikstudent nach Deutschland. Weil er sich das Essen im Lokal nicht leisten konnte, schaute er sich beim nächsten Heimaturlaub die Tricks bei der Mutter ab. „Seitdem koche ich“, sagt Chicco.

„Wie schaut’s aus?“ Wolfgang Lachauer treibt die Kochfreunde um kurz nach 12 Uhr zur Eile an. „Wir haben Hunger.“ Bevor’s zum Essen geht, wird allerdings noch abgespült. „Das hat sich bewährt“, sagt Ferdinand Schmitt (69). Schließlich darf der Raum nur bis 13.30 Uhr von den Männern belegt werden. Danach trifft sich dort die türkische Teegruppe, dann darf höchstens noch die Spülmaschine laufen. Die räumt der ASZ-Zivildienstleistende aus – dafür darf er bei den Männern mitessen.

Als alle am Tisch sitzen, erklärt Chefkoch Günther Kreilling das Menü. Nach dem Essen wird der Chefkoch fürs nächste Mal festgelegt. „Chicco“ will dann Garnelen, indisch gewürzt, auftischen. Nicht nur die Aussicht auf das exotische Essen ist für die Gruppe ein Grund, das nächste Mal wieder dabei zu sein. Dafür fährt so mancher Hobbykoch eigens durch die halbe Stadt.

Von Stephanie Ebner

Dieses Menü tischt die Münchner Hobbykochgruppe auf

(für 8 Personen)

Sandwiches-Brotaufstrich „Morgenfrische“:

Zutaten: 400 g Frischkäse, 4 Frühlingszwiebeln, 4 kleine Karotten, 4 EL Orangensaft, 8 Scheiben Vollkornbrot

Vorspeise: Brot mit Aufstrich.

Zubereitung: 1. Frühlingszwiebeln in Ringe schneiden, Karotten grob raspeln, Frischkäse mit ca. der Hälfte der Gemüsestücke und dem Orangensaft verrühren. 2. Den Brotaufstrich mit Salz und Pfeffer würzen und die Vollkornbrot-Scheiben damit bestreichen. Die übrigen Gemüsestücke großzügig darauf verteilen und servieren.

Spargel mit Kartoffeln und Schinken

Es gibt viele Möglichkeiten, Spargel zuzubereiten, jeder schwört auf eine andere. Die Hobbykochgruppe hat ihren Spargel liegend im Wasser gegart. In das Kochwasser gehört eine Prise Zucker, ein Spritzer Zitronensaft und ein Löffel Butter – das Fett hebt den Geschmack, die Zitrone sorgt dafür, dass der Spargel schön weiß bleibt und der Zucker nimmt dem Spargel eventuelle Bitterstoffe. Die Garzeit richtet sich nach der Dicke der Stangen und beträgt circa 15 bis 20 Minuten. Dazu serviert die Hobbykochgruppe Salzkartoffeln und Schinken. Wer will, reicht zum Spargel eine Hollandaise (für 8 Personen).

Zutaten: 330 g Butter, 4 Eigelb, 4 EL Wasser, 1,5 EL Zitronensaft, Salz, Pfeffer, weißer Cayennepfeffer

Zubereitung: Butter in einem Topf zerlassen, aber nicht erhitzen. Eigelb mit Zitronensaft, Wasser und Salz in einen Topf geben und ins heiße Wasserbad stellen. Mit einem Rührbesen so lange rühren, bis die Masse cremig ist. Topf aus dem Wasserbad nehmen (wichtig, sonst gerinnt die Soße) und jetzt nach und nach zuerst Teelöffelweise, dann Esslöffelweise unter ständigem Rühren die flüssige Butter zugeben. Mit Salz, Pfeffer und Cayennepfeffer abschmecken und sofort servieren.

Obstsalat mit Ingwer

Zutaten: Ingwersirup: 25 g frischer Ingwer, 1 unbehandelte Limette, 50 g brauner Zucker, 185 ml Ananassaft. Obstsalat: 1 Mango, 1 Papaya, 1 Ananas, Kokosraspeln zum Bestreuen.

Raffiniert: Obst mit Ingwer.

Zubereitung: 1. Für den Sirup den Ingwer schälen und sehr fein hacken. Limettenschale sehr dünn abschälen und in feine Streifen schneiden, Limettensaft auspressen. Zucker mit Ingwer, Ananassaft und 5 EL Limettensaft aufkochen und auf die Hälfte einkochen. Abkühlen lassen, Limettenschale zugeben und kalt stellen. 2. Für den Salat Mango, Papaya und Ananas putzen und schälen. Mangofleisch vom Stein schneiden. Papaya halbieren und die Kerne mit einem Löffel auskratzen. Ananas vierteln und den harten Strunk herausschneiden. Obst in mundgerechte Stücke schneiden. Kurz vor dem Servieren 10 Minuten im Ingwersirup ziehen lassen. Mit Kokos bestreuen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Aus Tomatenkernen wird eine würzige Soße
Tomatenkerne werden bei der Zubereitung von Tomaten meist ignoriert. Dabei lässt sich aus dem Innenleben des Gemüses unkompliziert eine leckere Soße zaubern.
Aus Tomatenkernen wird eine würzige Soße
Grillen von A bis Z: Tipps, Rezepte und häufige Fehler
Welcher Grill ist der richtige für mich? Wie funktioniert indirektes Grillen? Was ist ein Smoker? Alles Wissenswerte rund ums Grillen finden Sie im großen …
Grillen von A bis Z: Tipps, Rezepte und häufige Fehler
Mit diesem einfachen Trick schmilzt Eis nicht
Schmelzende Eiscreme und klebrige Finger gehören zum Sommer? Mit diesem einfachen Trick können Sie Ihr Eis ab jetzt viel länger und ohne Tropfen genießen.
Mit diesem einfachen Trick schmilzt Eis nicht
Hahn oder Flasche: Diese Unterschiede gibt es bei Wasser
Alles Wasser, oder was? Beim Einkauf ist der Kunde in der Getränkeabteilung schnell verwirrt. Mineralwasser, Heilwasser, Quellwasser - worin unterscheiden sie sich?
Hahn oder Flasche: Diese Unterschiede gibt es bei Wasser

Kommentare