Ein Ort für Familien: Lea (von links), Michael, Hannah, Uschi und Inga Daisenberer lieben "ihren Eibenwald".

Ein Ort, an dem man die Zeit vergisst

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast im Landgasthof „Zum Eibenwald“ in Paterzell bei Weilheim.

„Wirt sein, das wird einem in die Wiege gelegt.“ Für Michael Daisenberger (36) stand von Anfang an fest, dass er eines Tages den Landgasthof „Zum Eibenwald“ übernehmen wird, wie zuvor schon sein Vater und sein Großvater. Seit knapp 100 Jahren ist die Wirtschaft in dem 200-Seelen-Dorf Paterzell bei Weilheim in Familienbesitz. Der Urgroßvater hatte zunächst in einem Raum Getränke ausgeschenkt. Nach und nach sind Gastwirtschaft, Pensionszimmer und die Kegelbahn im Keller hinzugekommen.

Zurzeit werden sieben weitere Gästezimmer ausgebaut. Mittlerweile kommen die Tagungsgäste aus ganz Europa in diesen kleinen Weiler. Denn die Vorfahren haben sich wahrlich ein schönes Plätzchen im Pfaffenwinkel für ihre Wirtschaft ausgesucht: Von der großen Sonnenterrasse aus hat man einen herrlichen Blick auf die Berge – von der Benediktenwand bis ins Werdenfelser Land. An schönen Tagen kann man von hier aus die Segelflieger bei ihren Übungen beobachten. Am Haus führt der Jakobsweg von München über das Kloster Wessobrunn nach Meran vorbei.

Die größte Attraktion jedoch liegt gut zehn Minuten zu Fuß vom Gasthaus entfernt: Europas größter zusammenhängender Eibenwald. Ein 87,8 Hektar großes Naturschutzgebiet – ausgewiesen 1939. Damals war es eines der ersten seiner Art in ganz Deutschland. Ein Ort, wo man die Zeit vergessen kann – Erwachsene ebenso wie Kinder. Um den Zauber des Waldes zu spüren, empfiehlt Wirtin Uschi Daisenberger (34), möglichst unter der Woche das Areal zu erforschen. Am Wochenende kann es schon überlaufen sein. „So mancher Stammgast ist schon länger da als ich“, sagt Uschi Daisenberger lachend. Das sei am Anfang schon eine „besondere Situation“ gewesen, wie sie sagt.

Die gelernte Schriftsetzerin hatte ihren späteren Mann einst in einem Lokal bei Memmingen kennengelernt. Nach einem Motorradunfall hatte der Koch viel Zeit, die Gegend zu erkunden und lernte so seine Uschi fern der Heimat kennen. Der Liebe wegen sattelte die Allgäuerin um, aus der geregelten 35-Stunden-Woche wurde eine Sieben-Tage-Woche mit open end. „Am Anfang war’s schon schwierig.“ Heute kann sich die dreifache Mutter keinen schöneren Beruf als Wirtin vorstellen: „Es ist unheimlich vielfältig.“ Was Uschi Daisenberger besonders genießt: „Die meisten Menschen, die zu uns kommen, sind gut drauf. Sie machen einen Ausflug oder haben etwas zu feiern.“

Beliebt ist der Landgasthof „Zum Eibenwald“ auch bei großen Gesellschaften, denn der Gasthof verfügt über einen großen Festsaal, in dem über 200 Menschen Platz finden. Die Daisenbergers sind heimatverbundene Wirtsleute. Der Wirt ist am liebsten zuhause in Paterzell – „spätestens nach einer Woche im Urlaub hab ich Sehnsucht nach daheim“. Seinen Küchenstil beschreibt Michael Daisenberger als bodenständig, aber innovativ. Deshalb machen die Daisenbergers auch beim Milchfrühling im Pfaffenwinkel mit. „Die Landwirtschaft ist bei uns in der Region ein großer Wirtschaftsfaktor“, sagt Daisenberger. Dann fügt er noch hinzu: „Mit Milchprodukten kochen wir hierzulande eh viel. Das gehört für uns zum täglichen Geschäft.“ Von der Rahmsoße bis zum Dessert. Wieder so eine Sache, über die man nicht lange diskutieren muss. Wie damals schon bei der Berufswahl – die Daisenbergers sind einfach der Tradition verpflichtet.

Von Stephanie Ebner

Landgasthof „Zum Eibenwald“

Peißenberger Straße 11

82405 Paterzell Telefon

0 88 09/ 92 04-0.

E-Mail: Info@landgasthof-eibenwald.de.

Hinkommen:

Am besten mit dem eigenen Pkw. Von München aus über die Garmischer Autobahn Richtung Starnberg fahren. In Starnberg ist Weilheim ausgeschildert. Dort Landstraße Richtung Wessobrunn bis Weiler Zellsee fahren. In Zellsee links Richtung Paterzell/Forst St. Leonhard fahren. Den Wegweiser links Richtung Paterzell beachten.

Öffnungszeiten:

täglich von 7 Uhr morgens (für die Übernachtungsgäste) bis Mitternacht.

Daisenbergers Milch-Rezepte

Zutaten für Bergkäsesuppe (für 5 Personen):

60 g Butter 60 g Mehl 200 g Bergkäse 1 l Rindfleisch- oder Gemüsebrühe 1 Eigelb 0,1 l Sahne weißer Pfeffer frischer Schnittlauch

Zubereitung:

Zerlassene Butter mit Mehl hell anschwitzen und mit Fleisch- oder Gemüsebrühe ablöschen, mit einem Schneebesen glatt rühren und ca. 20 Min. leicht köcheln lassen. Den Bergkäse grob reiben und in die heiße Suppe unterrühren, bis er aufgelöst ist. Eigelb und Sahne verquirlen und unter die Suppe rühren (nicht mehr kochen lassen). Mit Salz und weißem Pfeffer abschmecken. Schnittlauch vor dem Servieren auf die Suppe streuen. Dazu passen Weißbrot-Croutons oder geröstete Brezen-Stückerl.

Zutaten für Bärlauchspätzle in Käse-Sahne-Soße (für 4 Personen):

300 g Mehl 100 g Hartweizengrieß 6 Eier Salz 4 EL Öl geriebene Muskatnuss 6-8 Blätter frischer, gewaschener Bärlauch 2 EL Zwiebelwürfel 100 g geriebener Emmentaler 100 g geriebener würziger Bergkäse 0,2 l Sahne Salz Pfeffer Weißwein 1 EL Butter

Zubereitung:

Den Bärlauch und 3 EL Öl mit einem Küchenmixer pürieren. Das Mehl mit Grieß, 1 TL Salz, 1 EL Öl, 1 Prise frisch geriebener Muskatnuss und den Eiern verkneten. Das Bärlauch-Öl unterrühren. In einer Küchenmaschine den Teig so lange weiterkneten, bis er Blasen wirft (wenn der Teig zu fest wird, etwas lauwarmes Wasser beigeben). Mit einem Spätzlehobel den Teig in reichlich kochendes Salzwasser hobeln, einmal aufkochen lassen, wenn die Spätzle an die Oberfläche steigen, mit einem Schaumlöffel herausheben und im kalten Wasser abschrecken. In einer Pfanne die Butter zerlassen, Zwiebeln darin glasig anschwitzen und mit einem Schuss Weißwein ablöschen. Die Sahne dazugeben, einmal aufkochen lassen und den geriebenen Käse einrühren. Die Bärlauch-Spätzle mit der Käsesoße verrühren, erhitzen und mit Salz, Pfeffer abschmecken.

Millirahmsülzerl auf Holunderkompott Zutaten für 4 Personen:

Millirahmsülzerl:

4 Blatt Gelatine 0,2 l Milch 0,4 l Sahne 60 g Zucker 1/2 Vanilleschote 1 TL Grand Marnier oder Cointreau 1 Streifen gewaschene Zitronen- und Orangenschale

Holunderkompott:

200 g Holunderbeeren, gewaschen und ausgesucht 1 EL Speisestärke 0,2 l Rotwein 60 g Zucker 1/2 Vanilleschote Zimtstück (1cm) 1 Streifen gewaschene Zitronen- und Orangenschale

Zubereitung:

Die Gelatine im kalten Wasser einweichen. Die Milch mit der Hälfte der Sahne, der Vanilleschote und dem Zucker aufkochen lassen, den Grand Marnier oder Cointreau zugeben, 10 min. ziehen lassen. Die Milch durch ein Sieb gießen. Die Gelatine gut ausdrücken und in die Masse einrühren. Restliche Sahne halb steif schlagen und unter die abgekühlte, halb gelierende Milch heben und sofort in Portionsförmchen füllen. Ca. 2 Std. im Kühlschrank fest werden lassen.

Holunderkompott:

Den Zucker in einem Topf karamellisieren, mit dem Rotwein ablöschen und aufkochen. Die Vanilleschote, Zitronen- und Orangenschale und die Zimtstange beigeben. Zur Hälfte einreduzieren lassen. Speisestärke mit etwas Rotwein verrühren und in den Fond geben und abbinden. Die Holunderbeeren dazugeben und dann ca. 5 Min. leicht köcheln lassen. Vom Herd nehmen und abkühlen. Das Millirahmsülzerl auf einen Teller stürzen und mit dem Kompott überziehen. Statt den Holunderbeeren können auch andere Früchte der Saison verwendet werden.

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