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Wann ist endlich Frühling? Noch kann Maria Theresia Bannier die Kräuter nicht im Garten ernten, sondern muss sie kaufen.

Die Schmankerl stammen aus dem Garten

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast bei Maria Theresia Bannier (55) aus Bad Tölz. Die Homöopathin kocht am liebsten für ihre Familie.

So stellt man sich eindeutig keine Oma vor: Die brünetten Haare hat Maria Theresia Bannier nicht brav zum Dutt zusammengesteckt. Ihre knapp schulterlangen Haare bändigt sie vielmehr mit zwei Zöpfchen. Und obwohl sie sich eigens für unser Treffen eine Kochschürze besorgt hat, vergisst sie diese anzuziehen: So steht Maria Theresia Bannier in Jeans und Bluse in ihrer Küche in Bad Tölz und kocht. Enkelin Lena (4) assistiert fleißig.

Früher hat Maria Theresia Bannier jeden Tag für ihre drei Kinder und den Ehemann gekocht, seit diese aus dem Haus sind und eigene Familien haben, steht sie nicht mehr jeden Tag hinterm Herd. Aber wenn sie kocht, dann ist es ihr wichtig, dass die Lebensmittel relativ naturbelassen auf den Tisch kommen. Schließlich ist die 55-Jährige auch eine ausgebildete Homöopathin. Klar, dass sie viel mit Vollkorn arbeitet. „Doch eine Körnertante bin ich nicht“ – darauf legt Maria Theresia Bannier Wert. „Das Essen muss gut schmecken“, lautet ihre Devise. „Das Leben ist viel zu kurz, als dass man schlechtes Essen zu sich nimmt.“

Maria Theresia Bannier hat bei der Zubereitung ihres Frühlingsmenüs mit dem Nachtisch begonnen. „Damit alles ganz frisch auf den Tisch kommt“, erklärt sie. Den Kuchen hat sie deshalb am Vorabend gebacken. Er soll schließlich vor dem Essen mehrere Stunden durchziehen, damit er „schön saftig“ ist. Die Himbeeren sind keine Flugware – das versteht sich für die naturbewusste Köchin von selbst. „Ich hab sie im Sommer selbst im Garten gepflückt und tiefgefroren.“
Das Rezept stammt im Übrigen von einer anthroposophischen Ärztin, die „mich letztlich beeinflusst hat, nach der Kinderpause den Beruf der Heilpraktikerin zu erlernen“.

Für den Hauptgang hat sich Maria Theresia Bannier aus zwei Gründen entschieden: Er geht zum einen sehr schnell, zum anderen ist es auch gleichzeitig eine Resteverwertung. Denn für die Kräuterkruste benötigt man altbackenes Brot.

„Ich hab’ auf der Haushaltungsschule gelernt, dass man alles verwerten muss.“ Auf die Schule hatte die Mutter bestanden. „Bis dahin konnte ich gar nichts.“ Weil die Schulfreundin mit zu den Englischen Fräulein ging, ließ sich Maria Theresia erweichen.

Heute ist sie froh über das Haushaltungsjahr: „Viel, was ich damals gelernt habe, prägt noch heute meinen Küchenstil.“ So verwendet Maria Theresia Bannier bis heute konsequent zwei Löffel zum Abschmecken – „sonst kommt die Mundschleimhaut ans Gericht und die kann das ganze Essen verändern“.

Während das Rinderfilet im Ofen überbacken wird, kocht Oma Maria die Suppe. Auch die Rinderbrühe hat sie bereits am Vortag gemacht, jetzt geht es nur noch darum, die Mehlschwitze anzurühren und die Kräuter zu hacken. Noch stammen die Kräuter nicht aus dem Garten. „Ich warte schon sehnsüchtig darauf, dass der letzte Schnee wegtaut“, sagt die naturbewusste Frau. „Dann kann ich endlich auf die Wiese und meine Kräuter zupfen.“ Denn: Die besten Schmankerl stammen bei den Banniers aus dem Garten.

Für Kräuter kann sich die Enkelin noch nicht so begeistern: „Das schmeckt mir nicht“, steht für Lena fest. Sie will sich den Appetit für die Nachspeise aufsparen.

Obwohl am Ende ein Drei-Gänge-Menü auf dem Tisch steht, ging Maria Theresia Bannier alles schnell von der Hand. Ganz entspannt sitzt die 55-Jährige am Tisch, als sie die Kerbelsuppe ausschöpft. Es sei jedes Mal ein beglückendes Gefühl, mit den Produkten der Natur zu arbeiten. „Diese Vielfalt, diese Farben“, sagt sie schwärmerisch.

Und wenn doch mal etwas misslingt? Auch kein Problem. Dann greift die Heilpraktikerin einfach in ihre knallgelbe Nervenkeksdose, die immer rumsteht. Diese sind mit viel Muskat, den sie selbst aus Sri Lanka importiert hat, nach einem Rezept von Hildegard von Bingen gebacken. „Muskat, das öffnet die Sinne“, erklärt Maria Theresia Bannier. Und fügt dann noch hinzu: Das macht warm und vor allem leistungsfähig.“
Da kann eigentlich gar nichts schiefgehen.

Von Stephanie Ebner

Vorspeise: Kerbelsuppe

Zutaten: 2 EL Dinkelmehl, 20 g Butter, ein Schuss Milch, etwa ein halber Liter Brühe, 1 Bund Kerbel, zum Würzen Meersalz und etwas Salz

Frisch auf den Tisch: die Suppe.

Zubereitung: Die Butter in einem Topf schmelzen, dann das Mehl in das heiße Fett geben und solange mit einem Schneebesen rühren, bis sich das Mehl komplett mit dem Fett verbunden hat. Dann erst mit einem Schuss Milch und dann mit einem Schuss Wasser gut verrühren. Zum Schluss die Brühe in den Topf gießen und die Suppe aufkochen lassen. Mit Meersalz und einem Hauch Pfeffer abschmecken und zum Schluss den kleingehackten Kerbel dazugeben. Fertig.

Tipp: Die Kerbelsuppe sofort servieren, sonst verliert sie ihre intensive grünliche Farbe und wird leicht bräunlich.

Hauptgang: Rinderfilet mit Kräuterkruste

Zutaten: 4 Scheiben Rinderfilet, 50 g weiche Butter, altbackenes Weißbrot, ein Bund Petersilie, Salz und Pfeffer, Öl zum Anbraten.

Zubereitung: Die Rinderfilets scharf von beiden Seiten in der Pfanne anbraten. Wichtig: Nicht vorher würzen, sonst wird das Fleisch zäh! Anschließend die Filets mit dem Bratensaft in eine Auflaufform legen, das Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen. Die Kräuterkruste aus weicher Butter, Weißbrotkrümeln und fein gehackter Petersilie herstellen und auf das Fleisch geben. Bei 250 Grad circa zehn Minuten im Ofen grillen lassen.

Die Beilagen: Kohlrabi und Kresse.

Die Beilage: Dazu reicht Maria Theresia Bannier gehobelten Kohlrabi und Kressesalat. Pro Person rechnet man ein Stück Kohlrabi. Dieser wird nicht angemacht, weil er sonst Wasser zieht. Den Kohlrabi mit einer Mischung aus Sauerrahm und Jogurt beträufeln. Zum Schluss kommen noch geröstete Sonnenblumenkerne über den Kohlrabi.
Für den Kressesalat eine Marinade aus Kräuteressig, Senf, Bierhefe-Würzflocken, 1 TL Zucker, Olivenöl und Schnittlauch herstellen und über die Kresse geben. Sofort servieren.

Nachspeise: Himbeertorte

Zutaten: 3 Eier, 3 EL Zucker (bzw. Honig), Schale von einer halben Zitrone, 2 EL Wasser, 5 EL Dinkelmehl (Type 630), 1/2 TL Backpulver, je 50 g gemahlene Haselnüsse und Mandeln. Für den Belag: 200 g Sahne, 1 Päckchen Sahnesteif, 300 g Himbeeren, 1 EL Zucker.

Muss ziehen: die Himbeertorte.

Zubereitung: Die Eier, den Zucker, die Zitronenschale und das Wasser zu einem weißen Eierschaum schlagen. Dann das mit dem Backpulver und den Nüssen gemischte Mehl unter die Eiermasse heben. Den Teig bei 180 Grad Umluft 15 bis 20 Minuten backen. In der Zwischenzeit die Sahne steif schlagen, das Sahnesteif dazugeben. Zum Schluss die pürierten Himbeeren (ein paar schöne zum Dekorieren aufhaben) und den Zucker unterrühren. Die Himbeersahne auf den ausgekühlten Biskuitteig geben.

Tipp: Weil Dinkelmehl verwendet wird, ist es wichtig, dass der fertige Kuchen über Nacht durchzieht. Sonst ist er zu trocken.

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