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Das Essen zur Zeit der Wikinger unterscheidet sich allein schon durch die Zubereitungsart: Die Wikinger kochten am offenen Feuer, Andrea Itzinger und ihr Mann Hans Kudlich müssen sich mit einem Gasherd begnügen.

Mein Küchengeheimnis

Muscheln in Met-Sud: So kochten die Wikinger

Zum Start in die Herbstferien entführen Andrea Itzinger (53) und Hans Kudlich (56) in den hohen Norden: Die Wiener haben ein Buch über das Essen der Nordmänner geschrieben und illustriert.

„Wikinger waren keine Feinschmecker.“ Daraus macht Andrea Itzinger keinen Hehl. Konnten sie aber auch gar nicht sein. Viele heutzutage alltägliche Lebensmittel hatten im Mittelalter noch gar nicht den Weg nach Europa gefunden: Kartoffeln gab es ebenso wenig wie Tomaten, Mais oder Kürbis. Trotzdem war ihre Küche durchaus schmackhaft, wie sich zeigen wird.

Die Wikinger ernährten sich hauptsächlich von Fisch und Muscheln, sagt die Wienerin, die zur Wikinger-Ausstellung in Rosenheim ein Kochbuch geschrieben hat. Die meisten Rezepte schmecken heute noch.

Die Wikinger lebten hauptsächlich im frühen Mittelalter vom Fisch und tranken Met. „Das Bild vom Fleisch fressenden und Bier saufenden Wikinger ist eher ein Mythos“, sagt die Wienerin. Sie hat ein Buch über die Essgewohnheiten der „nordischen Seeräuber“, wie sie die Wikinger nennt, geschrieben. „Wenn ich mich mit einer fremden Kultur befasse, interessiert mich immer zuerst das Essen.“ Essen sei nun mal überlebenswichtig. Daran habe sich bis heute nichts geändert, so die Grafikerin, die zudem mit ihrem Mann Hans Kudlich die Ausstellung über Wikinger in Rosenheim gestaltet hat. „Wenn man weiß, was die Menschen damals gegessen haben, kann man sich besser vorstellen, wie sie gelebt haben“, ist sie überzeugt.

Das gab’s auch schon im Mittelalter: Muscheln in Met mit Getreidebrei.

Es war gar nicht so einfach herauszufinden, was die Wikinger gegessen haben: „Die Rezepte sind weder auf Runensteinen aufgeschrieben, noch gibt es sonst irgendwelche schriftlichen Überlieferungen“, erklärt die Wienerin. Seit vier Jahren beschäftigt sie sich mit den Seefahrern, die in Wirklichkeit so gar nichts mit der harmlosen Zeichentrickfigur „Wicki“ zu tun haben. Nicht alles, was damals im Kochtopf landete, schmeckt den Menschen im 21. Jahrhundert, hat die Kochbuch-Autorin festgestellt. Sie hat alles nachgekocht, aber „Gerichte wie Blutkuchen oder Kalbskopf mit Saubohnen fanden weniger Gefallen bei den Probeessern“.

Essen wie die Wikinger: Zu den Muscheln servieren Andrea Itzinger (l.) und Hans Kudlich (r.) Getreide.

Anhand von Funden kann man nur erahnen, was die Wikinger wirklich verspeisten; Fisch und Muscheln bestimmten die Speisekarte das ganze Jahr über. Auch wenn die Wikinger Viehzüchter waren, spielte Fleisch bei der Ernährung eher eine untergeordnete Rolle. „Höchstens im Herbst, wenn die Tiere vor dem hereinbrechenden Winter geopfert wurden, kam auch Fleisch auf den Tisch.“ Berühmt waren die Wikinger für ihre Milchprodukte, sie kochten zuhauf mit Butter und Sahne – „da sind sie uns Österreichern gar nicht so unähnlich“, lacht Andrea Itzinger. „Wir bereiten Speisen auch liebend gerne mit Schmalz zu.“

Milchprodukte wurden zuhauf verwendet.

Dass in den Muschelsud ein kräftiger Schuss Sahne kommt, mutet nur auf den ersten Blick seltsam an – der Met-Sud mit Sahne schmeckt hervorragend, wie sich beim Testessen zeigt. Auch wenn das gekochte Getreide als Muschelsuppen-Einlage gar nicht so schlecht ist – mit einem Stück Baguette mundet das Wikinger-Essen eindeutig besser. Andrea Itzingers Fazit: Die Küche der Wikinger ist deftig und meist gut. Was damals wie heute gefällt: Wikinger-Essen fanden üblicherweise in geselliger Runde statt. Dazu hebt Andrea Itzinger ein Glas mit Met und sagt: „Skal“ (Prost).

Eine kulinarische Reise auf den Spuren der Wikinger: Muscheln in Met

Zutaten für 6 Personen: 

  • 3 kg Muscheln
  • 2 EL Butter
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 Flasche Met
  • 1 Becher Sahne
  • 5 Knoblauchzehen
  • je nach Jahreszeit Kräuter (im Frühjahr beispielsweise Bärlauch, im Winter vier Stangen Frühlingszwiebeln)

Zubereitung: 

  1. Muscheln vorbereiten, d.h. Bärte entfernen, abbürsten, offene Muscheln aussortieren.
  2. Die Butter in einem großen Topf erwärmen, fein gewürfelten Knoblauch dazugeben und zwei Minuten anschwitzen. Den Met dazugeben, kurz aufkochen lassen.
  3. Die geputzten Muscheln dazugeben, den Topf verschließen und unter Rütteln vier Minuten kochen lassen bis sich alle Muscheln geöffnet haben. Die Sahne dazugeben. Alle noch geschlossenen Muscheln aussortieren. Die Sauce mit Salz und Pfeffer abschmecken. Servieren.

Dazu passt: Heute würde man Baguette dazu essen. Damals musste man sich wahrscheinlich mit Pfannenbroten aus Getreidebrei begnügen, die allerdings heute als „Wraps“ durchaus wieder modern geworden sind. Andrea Itzinger kocht dazu Emmer, eine der ältesten Getreidesorten. Emmer kannten auch schon die Wikinger. Optisch ähnelt Emmer einem normalen Weizenkorn, ist aber wesentlich gesünder. Das Korn enthält viel Eiweiß und Mineralstoffe und wird wie Risotto-Reis gekocht. Auf eine Tasse Emmer kommen zwei Tassen Wasser. Emmer mit etwas Salz würzen.

Tipps:

  • Die Wikinger kannten kaum Gewürze. Salz ersetzten sie durch das Kochen mit Salzwasser.
  • Wer keinen Met findet, nimmt stattdessen Sherry für die Sauce und würzt den Sherry mit etwas Honig. Der Grundsatz der Wikinger-Küche lautet: Es wird mit dem gekocht, was zur Verfügung steht.
  • In der Küche der Nordmänner wird zuhauf mit Milchprodukten wie Butter und Sahne gekocht. Öle kannten die Wikinger noch gar nicht.

Das Essen der Wikinger: Eine kulinarische Reise auf den Spuren der Nordmänner. Erschienen im Kral Verlag. 192 Seiten. 24,90 Euro. Die Geschichte der Wikinger ist eine Geschichte der frühen Globalisierung: Die Eroberer aus dem hohen Norden kamen bis nach Sizilien, Amerika und in den Orient. Was sie vorfanden, landete im Kochtopf. Die kulinarische Reise hat Autorin Andrea Itzinger mit amüsanten und historischen Fakten gespickt. Grammangaben sowie Fotos sucht man vergebens. Freunde von altertümlichen Rezepten kommen dafür garantiert auf ihre Kosten. Deftige Wikinger- Kost. Interessant und amüsant.

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von Stephanie Ebner

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