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Immer mehr Winzer lassen ihre weißen Trauben mit der Schale vergären. Das ungewöhnliche Ergebnis ist orangefarbener Wein. Foto: Doreen Fiedler/dpa-tmn

Fachmesse ProWein

Nach Rot, Weiß und Rosé: Orange ist die vierte Weinfarbe

Manche Experten lieben orangenen Wein, andere beschimpfen ihn. Einerseits heißt es: alte Gemüsesuppe, gärendes Obst. Andererseits: Komplexität und toller Speisebegleiter. Ein Besuch auf der Messe ProWein zeigt: Orangener Wein ist vor allem erklärungsbedürftig.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Orange gehört bislang nicht zu den Farben in der Weinflasche. Das ändert sich in Deutschland gerade, denn immer mehr Winzer lassen ihre weißen Trauben mit der Schale vergären - wie man es bisher nur von Rotweinen kennt.

Wer sich auf der internationalen Fachmesse ProWein in Düsseldorf (19. bis 21. März) umschaut, findet an vielen Ecken diese Weißweine mit einer intensiveren orangefarbenen oder wie Bernstein anmutenden Farbe.

Vor allem bei jungen Leuten komme der "freakige" Geschmack dieses orangenen Weines an, sagt Christian Pesch, beim Weinhändler Vinaturel für den Einkauf zuständig. Die Meinungen gingen aber stark auseinander: Die einen fänden Geruch und Geschmack seltsam gärend, die anderen mochten die komplexe Struktur des Weines, die vielen Aromen, die Gerbstoffe und die lange Lagerfähigkeit. "Momentan ist die Frage: Bleibt es eine Mode oder wird es zum Trend?", sagt Pesch.

Zahlreiche deutsche Winzer haben in den vergangenen zwei bis drei Jahren ihre ersten orangenfarbenen Weine abgefüllt. Zu ihnen gehört das Weingut Benzinger in Kirchheim an der Weinstraße, das inzwischen vier verschiedene Rebsorten so ausbaut. "Das sind keine Weine, die man so auf der Couch trinkt, sondern das sind Essensbegleiter", sagt Ingeborg Benzinger. Sie rät: "Selbstgemachtes Brot, Butter, Meersalz oben drauf, dazu orangenen Wein. Das ist ein Festmahl."

In Franken geht unter anderem Ilonka Scheuring "zurück zum Ursprung", wie sie sagt. Denn historisch betrachtet ist die Maischegärung die älteste Form der Weinherstellung in riesigen, in der Erde vergrabenen Tonamphoren aus Georgien. Die Herstellung ist bis in die Antike nachweisbar und damit Tausende Jahre alt. Die Winzerin vom Weingut Scheuring will so wenig wie möglich Technologie und Chemie bei der Weinproduktion einsetzen: "Wir wollen eine ganz andere Stilistik, weg von den klassischen Wegen."

Einig sind sich die Winzer und Experten darin, dass orangene Weine nicht jedermanns Sache sind - und dass man am besten jemanden hat, der einen an die Hand nimmt. "So ein Wein hat Ecken und Kanten, ist nicht so gefällig", sagt Mike Born von der Winzergemeinschaft Franken. Die französische Winzerin Brunnhilde Claux berichtet, ihr orangener Wein schockiere die Menschen am Anfang manchmal etwas. "Die Kunden brauchen eine Erklärung, eine Schulung, eine Übersetzung dessen, was der Wein ist", sagt sie.

Viele der orangenen Weine sind auch sogenannte Naturweine, also spontan vergoren statt mit Reinzuchthefen - ganz ohne Schwefel, ohne Enzyme, kein extra Zucker, unfiltriert. Dadurch entstehen immer mal wieder Fehltöne, zum Beispiel Böckser - dann riecht der Wein nach Zwiebeln, gekochtem Kohl oder Fäulnis. "Bei den Weinen ist vieles dabei, was aus unserer Sicht Bullshit ist", sagt Winzerin Scheuring. Aber es gebe eben auch echt spannende Experimente.

Winzerin Hanneke Schönhals aus Biebelnheim in Rheinhessen empfiehlt, beim Herantasten an orangenen Wein erstmal in eine Wein-Bar zu gehen. "Ich dachte ebenfalls am Anfang: Das schmeckt ja fehlerhaft." Auch Monika Reule, Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts, hält orangene Weine für "erklärungsbedürftig". Ein Fachhändler oder Sommelier könne helfen. Und wer orangenen Wein zu einer Speise in einem Menü trinkt, muss auch nicht gleich eine ganze Flasche leeren.

Fachmesse ProWein

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