Wo Nord und Süd vor Anker gehen

München - Immer wieder freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute zeigen die Wirte der "Agnes 9" in Schwabing, wie man den perfekten Grünkohl kocht.

Am Anfang war das Bier. Als die kleine Kneipe "Agnes 9" vor 33 Jahren eröffnete, war sie die zweite in München, in der Warsteiner ausgeschenkt wurde. Und mit dem sauerländischen Pils entwickelte sich schnell eine Stammkundschaft, die ihre Wurzeln jenseits der bayerischen Landesgrenze und in München vorübergehendes Asyl oder gar eine zweite Heimat gefunden hatten. Unter denen waren auch der heutige Pächter Günther Höpfner (aus dem Schwäbischen) und Harry Drews (aus dem nordrheinwestfälischen Witten). Die beiden haben ihr Lokal vom Tag der Eröffnung an als Stammkunden kennen- und lieben gelernt - und wechselten irgendwann die Seiten. Der erste war Günther. Als er 1978 das Angebot bekam, in die Kneipe einzusteigen, ergriff er die Chance. Seitdem hat er seinen Stammplatz nicht mehr am, sondern hinter dem Tresen, von dem aus er mit konstanter Gelassenheit die Belange der "Agnes 9" und die Versorgung mit ausreichend Warsteiner lenkt.

Doch das Bier war nur der Anfang. Denn irgendwann kam unter den Gästen fernab der Heimat kulinarisches Heimweh auf. "Horst, kannst du nicht auch mal Grünkohl machen?" Oder Labskaus? Oder anständige Bratkartoffeln? Oder vielleicht auch mal einen Matjes? Und der damalige Besitzer Horst Lang, selbst aus Hamburg-Harburg stammend, konnte die Gelüste seiner Gäste nicht nur verstehen - sondern auch befriedigen. Seitdem ist die Karte in der "Agnes 9" im Prinzip das, was sie heute ist. Sehr nordisch und eine feste Größe in der Schwabinger Gastro-Szene.

Das änderte sich auch kein bisschen, als vor sieben Jahren Harry Drews zum Team stieß. Mit Kapitänsmütze auf dem Kopf ist er seitdem der Herr der kleinen Küche in der kleinen Kneipe in der Agnesstraße 9 unweit des Elisabethmarktes. Unterstützt von seiner Freundin Karin Mader. Und wenn Harry und Günther - man duzt sich viel und gerne in der "Agnes", "denn wir kennen bestimmt 95 Prozent unserer Gäste beim Vornamen" - im Winter, sobald der der erste Frost vorüber ist - die Grünkohlsaison einläuten und diese frohe Botschaft über den mittlerweile rund 250 Adressen umfassenden E-Mail-Verteiler verbreiten, ist der Laden in den nächsten Wochen erst mal ausreserviert. Lokale, die in Bayern Grünkohl servieren, gibt es nun mal nicht viele. Da ist der Andrang groß.

Das Gleiche gilt, wenn Labskaus auf der Karte steht. Etwa vier, fünf Mal im Jahr - immer dann, wenn sich die Anfragen häufen - veranstalten die beiden das mittlerweile legendäre Labskausessen. Auch dann sind die rund 30 Sitzplätze binnen eines Tages belegt. Legendär sind aber auch die anderen Klassiker in der "Agnes": die wahrscheinlich knusprigsten Bratkartoffeln Münchens, die dem Riesen-Schnitzel ebenso als Beilage dienen, wie der aus Hamburg importierten Kapitänssülze. Eine andere feste Größe auf der Speisekarte ist der Matjes. Auch der wird mit Bratkartoffeln serviert und kommt direkt vom berühmten Fischdelikatessen-Händler Gosch von Sylt. Aber es gibt auch Gäste, die bestellen sich die Bratkartoffeln einfach so. Mit Spiegelei und Salat - auch wenn das gar nicht auf der Speisekarte steht.

Neben den Klassikern gibt es noch eine Tageskarte, auf der noch einmal ungefähr zehn Gerichte stehen. Und das Beste daran: In Zeiten, in denen viele Gastronomen das Preis-Leistungs-Verhältnis völlig aus den Augen verloren haben: Kaum ein Gericht kostet mehr als zehn Euro. Nur der Grünkohl, der kommt auf 11,90 Euro. Aber das ist er auch wert. Bratkartoffeln, Wammerl, Kassler und Kohlwurst inklusive. Außerdem ist es ein echtes Familienrezept, von der Mama. "Meine Mutter hat die Karotten und den Sellerie übers ganze Jahr extra dafür aus unserem Garten eingeweckt", erinnert sich Harry. Mit dem für Rheinländer typischen extra scharfen Löwensenf ("etwas anderes wäre meiner Mutter nicht ins Haus gekommen") ergibt das dann "das ganz besondere Geschmacksspiel zwischen süß und scharf". Und dazu passt natürlich ein Warsteiner. Denn das steht nicht nur am Anfang der "Agnes" - sondern auch am Ende eines Grünkohlessens.

So kommen Sie hin:

Adresse:

Agnes 9

Agnesstraße 9,

80798 München

Telefon 089 / 2711995

E-Mail-Kontakt: lokal.agnes9@mnet-mail.de

Öffnungszeiten:

Montag bis Freitag von 15 Uhr bis mindestens 23 Uhr, Samstag und Sonntag öffnet das Lokal erst um 16 Uhr.

Tischreservierung empfohlen

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist die "Agnes 9" am besten mit der Trambahnlinie 27 ab Karlsplatz/Stachus Richtung Petuelring zu erreichen. Dann muss man am Elisabethmarkt aussteigen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Was in Nüssen steckt
Nüsse sind kalorienreich, aber auch sehr gesund. Jede Sorte zeichnet sich durch ganz bestimmte Inhaltsstoffe aus. Und so manch eine gehört sogar zu der Gattung der …
Was in Nüssen steckt
Diese Discounter-Weine sind echte Schnäppchen - und richtig gut
Rechtzeitig zu Weihnachten locken Discounter wie Aldi und Lidl mit speziellen Festtagsangeboten. Die Weine sind nicht nur günstig - sondern auch megalecker.
Diese Discounter-Weine sind echte Schnäppchen - und richtig gut
Burger King hat für McDonald's ein besonders fieses Weihnachtsgeschenk
Mit einem Geschenk der ganz besonderen Art möchte Burger King seinem Konkurrenten McDonald's das Weihnachtsfest versüßen. Wie die Botschaft wohl ankommt?
Burger King hat für McDonald's ein besonders fieses Weihnachtsgeschenk
Das sind die zehn besten Restaurants in München
In München kann man gut und abwechslungsreich essen gehen. Zahlreiche Restaurants laden zu kulinarischer Vielfalt ein. Das sind die zehn besten Lokale der Stadt.
Das sind die zehn besten Restaurants in München

Kommentare