Mein Küchengeheimnis

Radieschen: Die Blätter sind ein Genuss

Dachau - Traudi Brugger aus Schwabhausen (Landkreis Dachau) kocht eine Radieschensuppe, die  Lust auf Frühling macht. Der Clou: Die Radieschenblätter werden mitgekocht.

Wer bei Traudi Brugger in der Küche steht, lernt garantiert noch etwas zum Thema Gemüse dazu. Die 57-Jährige ist ein Anhänger von regionalen Produkten – durch und durch. Sie wuchs auf einem Bauernhof im Dachauer Land auf, lernte Hauswirtschafterin und betreibt mittlerweile einen Hof in Schwabhausen. Dreimal die Woche verkauft sie zudem Gemüse im örtlichen Bauernhofladen.

Radieserlsuppe und Zucchinikuchen (für 4 Personen)

Zutaten für Radieserlsuppe

2 Bund Radieschen 1 Zwiebel 2 mehligkochende Kartoffeln 1 EL Butter 750 ml Gemüsebrühe 100 ml Sahne Salz, Pfeffer geriebene Muskatnuss

Zubereitung: Die Blätter von den Radieschen abschneiden, waschen und abtropfen lassen. Einige für die Garnitur beiseite legen, den Rest klein schneiden. Zwiebel und Kartoffeln schälen. Zwiebel fein würfeln, Kartoffeln in kleine Stücke schneiden. Beides mit den zerkleinerten Radieschenblättern in der Butter andünsten. Die Gemüsebrühe zugießen und ca. 20 Min. leicht kochen lassen, bis die Kartoffeln weich sind. In der Zwischenzeit die Radieschen waschen. 4 Radieschen für die Garnitur beiseite legen, den Rest fein raspeln. Die Suppe mit dem Stabmixer pürieren und Sahne unterrühren. Geraspelte Radieschen dazugeben, kurz erhitzen und abschmecken. 

Zutaten für Zucchinikuchen 

200 g kleine Zucchini 1 TL Salz 125 g Sonnenblumenkerne 4 Eier 200 g Zucker 1 TL Vanillezucker Saft und Schale einer ½ Zitrone 100 g Mehl 1 gehäufter TL Backpulver 3 EL Petersilie (gehackt) 3 EL Basilikum (fein geschnitten) Für den Guss: 200 g Puderzucker, 1 Eiweiß, Zitronensaft, 2–3 EL Kirschsaft

Zubereitung: Die Zucchini waschen und putzen. Grob raspeln, mit Salz bestreuen und ziehen lassen. Die Sonnenblumenkerne in einer Pfanne ohne Fett rösten, abkühlen lassen und fein mahlen. Die Eier mit Zucker und Vanillezucker cremig schlagen. Zitronensaft und -schale dazugeben. Mehl, Backpulver, Sonnenblumenkerne und Kräuter unterheben. Die Zucchini in einem Sieb gut ausdrücken und ebenfalls unterheben. Den Teig in eine am Boden mit Backpapier ausgelegte Springform füllen und backen. Backzeit: 45 bis 50 Min. bei 180 °C (160 °C). Aus der Form lösen und abkühlen lassen. Für den Guss den Puderzucker mit dem Eiweiß und etwas Zitronensaft verrühren und den Kuchen damit bestreichen. Etwas antrocknen lassen und mit dem Kirschsaft marmorieren.

Was gerade frisch auf dem Markt zu haben ist, landet bei Traudi Brugger im Kochtopf. Das Credo der 57-Jährigen lautet schlicht: „Nur wenn man gute Sachen nimmt, kommt auch was Gutes raus.“ So einfach ist es, das glaubt man ihr sofort. Heuer sei alles gut vier Wochen früher als sonst auf dem Markt. Nach den ersten heimischen Radieschen sind jetzt sogar schon die ersten Paprika erntereif.

Während Traudi Brugger den Saisonkalender erklärt, räumt die Gemüse-Fachfrau auch gleich mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: Frisches Gemüse vom Bauernmarkt sei nicht teuer. Vorausgesetzt man kauft das, was gerade Saison hat. Außerdem bekomme man im Fachhandel das Obst und Gemüse einzeln und müsse nicht kilogrammweise zugreifen, wie oft im Supermarkt.

Wenn Traudi Brugger jedoch einen Bund Radieschen in der Hand hält und sagt: „Schmeißen Sie ja nicht die Blätter weg“, ist man – allem Wissen der Fachfrau zum Trotz – schon versucht, mit Skepsis zu reagieren und zu fragen: „Wieso? Das mache ich doch sonst auch immer.“

„Völlig falsch“, klärt uns die Schwabhauserin auf. Die Radieschenblätter haben einen wunderbar würzigen Geschmack und eignen sich hervorragend für Suppen oder auch pur als Salatzugabe. Radieschenblätter enthalten wertvolle Inhaltsstoffe. „Die Nährstoffdichte ist sogar noch höher als bei der Knolle“, klärt die Bauersfrau auf. Wichtig ist nur, dass das Kraut schön frisch ist.

Mal abwarten lautet unsere – zurückhaltende – Devise. Und schmeckt auch, was gesund ist? Um es vorweg zu nehmen: Es mundet hervorragend. Allen Zweifeln zum Trotz. Durch den würzigen Geschmack der Blätter muss Traudi Brugger auch nicht viel zum Salz greifen. Apropos Salz: Traudi Brugger liebt es, mit selbst gemischtem Kräutersalz zu würzen: „Da weiß man, was drin ist“, sagt sie.

Damit die Radieschensuppe nicht nur gut schmeckt, sondern auch nach etwas aussieht, geht sie von ihrer großen Küche direkt in den Garten. Vor ihr liegt das sanft gewellte Dachauer Land. Während die Hobbyköchin Gänseblümchen („Die sind gesund.“) für die Dekoration zupft, sagt sie: „Ich muss gar nicht wegfahren, so schön hab’ ich es hier.“

Zurück in der Küche schüttet die Mutter von drei erwachsenen Kindern über einen Kuchen einen Puderzucker-Sirup-Guss (Auch dieses Gericht stammt, wie die anderen, aus dem neuen Kochbuch „Alle lieben... Gemüse). Auch hier ist es besser, erst zu probieren und dann nach dem Inhalt nachzufragen. Der hört sich wahrlich abenteuerlich an: Neben Zucchini befinden sich darin auch noch Petersilie (!) und Basilikum (!). Undenkbar? Mitnichten. Schön saftig. Klar, dass der Kuchen mit Gänseblümchen oder anderen essbaren Blüten toll aussieht.

Unser Tipp: Sollten Sie skeptische Esser zu Hause haben, verraten Sie erst nach dem Essen, was in den Gerichten steckt. Wir sind zumindest froh, dass wir uns von Traudi Brugger überzeugen haben lassen. Auch wenn uns das bei den Radieschenblättern zunächst etwas Überwindung gekostet hat. Ehrlich.

Stephanie Ebner

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Haben auch Sie eine besondere Zutat, die bei Ihnen niemals im Kochtopf fehlen darf? Oder wissen Sie sonst ein besonderes Rezept? Dann melden Sie sich bei uns. Wir sind erreichbar per Mail unter gastro@merkur.de. Oder rufen Sie uns an unter Telefon (089)5306-419.

Wir freuen uns auf Sie.

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