Der Schatzsucher im Mangfalltal

Weyarn/Thalham - Immer freitags schauen wir oberbayerischen Wirten über die Schulter. Heute kocht Werner Walter mit heimischen Wiesenkräutern.

Mit 44 Jahren hat Werner Walter noch mal von vorne angefangen: Der erfolgreiche Automobil-Kaufmann aus München hängte nach 25 Jahren seinen Job an den Nagel und machte sich als Wirt selbstständig. In Thalham, einem Weiler im Tölzer Land, gerade mal aus ein paar Häusern bestehend. "Ich hatte mich in das Anwesen verliebt und wollte 'was Neues ausprobieren." So einfach ist das.

Seit knapp fünf Jahren führt der gebürtige Münchner jetzt seine Gaststätte am Beginn des Mangfalltals und ist glücklich: "Ich hab' das Paradies auf Erden gefunden." Aus dem Autofan ist ein Naturliebhaber geworden. Eine Leidenschaft, die er auch seinen Gästen nahebringt.

Reglmäßig organisiert der heute 49-Jährige Wanderungen mit dem Kräuterpädagogen Sebastian Viellechner. Dabei geht's zwei Stunden durchs Mangfalltal. Hinterher tischt der Wirt ein Drei-Gänge-Menü mit den Köstlichkeiten aus der Natur auf. Dann gibt's beispielsweise Mangfalltaler Wildkräutersuppe, Schweinefilet mit Wildkräuterpesto und Wildkräuter-Crepes. Wanderung und Essen kosten 33 Euro.

Werner Walter arbeitet ausschließlich mit Produkten aus der Region. Er spricht von "Küche der kurzen Wege". Nur sie garantiere Frische. Wenn der Wirt beispielsweise Wild auf die Karte setzen will, dann lässt er es frisch von den Gotzinger Jägern erlegen. Das kann schon mal schiefgehen. So wie an Weihnachten. Werner Walter wollte Reh als Festmenü anbieten. Weil die Jäger aber kein Wild vor die Büchse bekamen, musste sich der Wirt eine Alternative für das Festtags-Menü suchen.

Regionale Küche, durch und durch: So hat Werner Walter beispielsweise auch den Parmesan für sein Bärlauch-Pesto durch Tölzer Bergkäse ersetzt.

Die Wildkräuter sammelt Werner Walter mehrmals in der Woche am Vormittag. Unten an der Mangfall hat er keinen Handy-Empfang. Nur die Vögel zwitschern. "Es gibt eigentlich nichts Schöneres", sagt er versonnen. Das Mangfalltal ist seit Ende des 19. Jahrhunderts Wasserschutzgebiet. Gut 80 Prozent des Münchner Trinkwassers stammen aus dieser Gegend.

Der Reiz an der Wildkräuterküche ist für den Quereinsteiger auch, dass der Geschmack der Pflanzen immer anders ist: Jetzt im Frühjahr sind sie milder, süßer. Je später im Jahr sie geerntet werden, desto herber wird der Geschmack. Zwei "junge Wilde", wie Werner Walter seine Köche Silvio Herrmann und Thomas Sedlbauer nennt, denken sich in der Küche immer neue Kräuter-Variationen aus.

Der Wirt selbst experimentiert mit Essigen. Dickbauchige Flaschen stehen wie zur Dekoration auf den Fensterbänken im Gastraum. Neben den Klassikern wie Bärlauch-Essig will Walter heuer erstmals einen "Jahresessig" ansetzen. Ähnlich dem Rumtopf wird dieser immer wieder mit neuen Kräutern bestückt

Der größte Renner aber ist im "Pritzl" die Kräutersaftschorle (3,50 Euro, halber Liter). Ein herrlich erfrischendes Getränk aus Giersch, Pfefferminze, Salbei und Zitronenmelisse. Die setzt der Wirt regelmäßig an. An heißen Sommertagen, wenn Radler und Wanderer bei ihm Station machen, kann das Getränk schon mal ausgehen.

Gasthaus Pritzl

Gasthof und Tafernwirtschaft:

Schlierseer Str. 6

83629 Weyarn/Thalham

Telefon (0 80 20) 13 49

E-Mail: info@gasthof-pritzl.de.

Hinkommen:

von München aus über die Salzburger Autobahn. Ausfahrt Weyarn. Richtung Miesbach fahren. Das "Pritzl" liegt direkt an der Verbindungsstraße in Thalham.

Öffnungszeiten:

im Sommer (ab 15. Juni) täglich von 10 bis 23 Uhr, davor werktags zwischen 14.30 und 17 Uhr Ruhepause.

Sonstiges:

regelmäßig Kräuterwanderungen.

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