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Ein beliebter Klassiker: Bedienung Susanne serviert Kässpatzn mit Röstzwiebeln.

Schmankerltour: Kräuter, Käse und ein Kreuzgewölbe

Im goldenen Oktober entführen wir unsere Leser auf Genusstour durch Oberbayern. Wir sind den Tipps gefolgt, die der Münchner Fotograf und Autor Heinz Weissfuss in seinem neuen „Schmankerlführer Oberbayern“ entdeckt hat.

Als sich der Käsemeister Sepp Krönauer 1988 voll und ganz der sogenannten Heumilch verschrieb, wurde der Rottenbucher (Landkreis Weilheim-Schongau) von Kollegen mild belächelt. Heumilch – das heißt, allein Bergkräuterwiesen sollen die Nahrung für die Kühe liefern, Gärfutter ist verpönt. Die Milch wird tagesfrisch weiterverarbeitet, ist silagefrei. Naturbelassen eben, ohne Konservierungsstoffe. So wie man vor 100 Jahren auch schon Milch gewonnen hat. „Ohne Chemie und Gentechnik“, sagt der Käsereimeister. Sein Motto ist: „Natur schmecken. Wohlfühlen. Leben.“

200 Milchbauern aus der Region liefern die Heumilch. Einen kleinen Teil steuert auch Sepp Krönauer noch selbst bei. Er hält auf seinem Hof noch 20 Milchkühe. „Ich lebe meine Lebensphilosophie auch wirklich“, sagt er nicht ohne Stolz.

Sepp Krönauer (heute 45) machte sich nach der Molkerei-Meisterschule mit missionarischem Eifer ans Käseproduzieren – und war damit seiner Zeit voraus. Was damals belächelt wurde, ist heute ultramodern. Und erfolgreich: Mittlerweile betreibt der Käsereimeister allein vier Ladengeschäfte sowie das „Schönegger Käse Stüberl“ in Steingaden.

Da kommt es schon mal vor, dass er anerkennend der „Bill Gates des Landkreises“ genannt wird. Oder dass ihm Lob aus königlichem Mund ausgesprochen wird. Zum 20-jährigen Firmenjubiläum sagte Seine Königliche Hoheit Luitpold Prinz von Bayern: „Hier kann man das Essen noch genießen.“ Die Hoffnung des Prinzen: „Mögen Sie, Krönauer, Strahlkraft auf die ganze Region haben.“

Auch internationale Juroren hat der Käsereimeister, der mittlerweile rund 20 Sorten im Angebot hat, überzeugt: Erst im vergangenen Jahr gab’s für den Alprahmkäse Gold-Medaillen. Sowohl von der Deutschen Lebensmittel Gesellschaft, kurz DLG, als auch vom „World Cheese Award“. Seit Jahrhunderten betreibt die Familie von Sepp Krönauer den Milchviehbetrieb in Rottenbuch, die Schönegger Alm liegt oberhalb der Echelsbacher Brücke in traumhafter Landschaft auf 900 Metern Höhe.

Als Sepp Krönauer mit der Schule fertig war, wollte er nicht einfach den elterlichen Hof übernehmen: „Ich strebte nach Selbstständigkeit und meine Eltern arbeiteten noch voll auf dem Hof mit.“ Also widmete sich der junge Mann der Käseherstellung. Anfangs bediente er die wenigen Kunden von der Garage aus oder fuhr mit seinen Produkten von Haus zu Haus. Mittlerweile hat der Käse-Unternehmer vier Ladengeschäfte aufgemacht, zahlreiche Fachgeschäfte vertreiben den Schönegger Käse.

2005 hat Sepp Krönauer mitten im Ortskern von Steingaden ein Käse-Paradies eröffnet: das Käse-Stüberl. Das Lokal befindet sich in historischen Gewölben. Früher wurde hier Bier gebraut, jetzt hängt ein würziger Duft in der Luft. Denn dass es im Käse-Stüberl vorwiegend Käse-Speisen gibt, das versteht sich von selbst. Nach Schweizer Vorbild wird freitags Raclette serviert – halbe Käselaibe werden bei Tisch geschmolzen. Für Gruppen und Familien eine gesellige Angelegenheit.

 Doch während früher die Käselaibe hauptsächlich am Feuer geschmolzen wurden, verwendet man heute dazu spezielle Tischöfen. Natürlich dürfen im Käse Stüberl die allseits beliebten Kässpatzn nicht fehlen – sie kommen in zwei verschiedenen Varianten auf den Tisch, entweder mild oder würzig. Sepp Krönauer selbst verspeist den Käse am liebsten pur. „Es gibt nichts Besseres für mich als ein Stück Allgäuzeller und ein Glas Rotwein dazu“.

Ach ja: Wer nicht allein wegen des Käses nach Steingaden fahren will: Gegenüber vom Käse Stüberl befindet sich das im romanischen Stil erbaute Welfenmünster mit Wessobrunner Stuck und einem romanischen Kreuzgang. Vor dem Gotteshaus ist ein Kräutergarten mit Lehrpfad.

von Stephanie Ebner

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