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Ein Deutsch-Brasilianisches Kochevent: Die Münchnerin Annette Hecht und der brasilianische Gaststudent Lucas haben sich schon mal kulinarisch auf die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien eingestimmt – mit einer Hühner-Pastete und Caipirinha, der in Südamerika ganz anders zubereitet wird als bei uns.

Hühnerpastete und Caipirinha

So schmeckt Brasilien – nicht nur zur WM

München - Annette Hecht (44) und ihr brasilianischer Gaststudent Lucas Taveira Caleiro (20) bereiten uns kulinarisch auf die WM vor – mit Hühnerpastete und Caipirinha.

„Saude“ – zu deutsch Prost. Lucas steht in einem Garten im Münchner Stadtteil Harlaching und stößt mit einem Caipirinha an. „Auf eine spannende WM.“ Während sich die besten Fußballer aus der ganzen Welt auf den Weg in sein Heimatland machen, wird er sich die Spiele aus der Ferne anschauen: „Ich bin schon sehr gespannt auf das Public viewing hier.“ Ein Caipirinha gehört auf alle Fälle dazu – „wir Brasilianer können ihn immer trinken. Am liebsten natürlich am Strand“.

Lucas kommt aus der Nähe von Sao Paulo. Die Gegend beansprucht für sich, den Caipirinha einst erfunden zu haben. Der brasilianische Gaststudent mahnt die Deutschen zur Vorsicht: „Es ist ein starkes Getränk.“

In der Tat schmeckt der Caipirinha – so wie er von Lukas zubereitet wird – viel intensiver. Lukas verwendet weißen Zucker und normale Eiswürfel. Aus der Mitte der Limette schneidet der Chemie-Student den Strunk heraus – „der macht den Caipirinha sonst bitter“.

Als er die Limette zerquetschen will, stößt er erstmals an seine Grenzen. Noch kennt er das deutsche Wort Stößel nicht. Lukas behilft sich schließlich mit einem Wellholz, einen richtigen Stößel besitzt Annette Hecht nicht.

Obwohl der Brasilianer erst seit Ende März in München wohnt und vorher noch kein Wort deutsch konnte, spricht er mittlerweile schon ziemlich gut. „Ich lerne manchmal bis tief in die Nacht.“

Der Chemie-Student hat über die Carl-Duisberg-Gesellschaft (sie sucht permanent Wohnmöglichkeiten für Gaststudenten) ein Zimmer bei der 44-jährigen Münchnerin gefunden. Am Anfang funktionierte die Verständigung nur mit Händen und Füßen, denn Annette Hecht spricht kein Portugiesisch. Mittlerweile klappt die Kommunikation gut.

Die beiden teilen die Liebe zur Musik: Schon nach wenigen Wochen hat Lukas eine Band in München gefunden – dank der sozialen Netzwerke im Internet. „Das war damals bei mir anders“, erinnert sich Annette Hecht. Auch sie ging nach der Schule ins Ausland, zunächst nach Israel, dann nach Schottland. Doch es dauerte, bis sie einen Chor gefunden hatte.

Vor vier Jahren kam Annette Hecht zurück nach Deutschland, um den Laden ihrer Mutter zu übernehmen. Jetzt betreibt sie die „Kunsthandlung Hecht“ an der Herzogspitalstraße in der Münchner Innenstadt. „Ich hätte es schade gefunden, wenn es dieses Geschäft nicht mehr gegeben hätte.“ Nur Ketten in der City – „das darf nicht die Zukunft sein“, sagt sie überzeugt.

Für den brasilianischen Abend bereitet sie eine Hühnerpastete zu, wie sie insbesondere im Norden des Landes gerne gekocht wird. „Ein dankbares Rezept“, sagt Annette Hecht. „Geht relativ schnell und lässt sich auch gut vorbereiten.“ Ideal für die WM: Dann steht man an einem Fußballabend nicht in der Küche, sondern kann sich getrost dem Spiel widmen.

Früher hat sich Annette Hecht nicht für Fußball interessiert. Das begann erst 2006 mit der Weltmeisterschaft in Deutschland: „Ich lebte damals in Schottland und merkte: Hoppla, ich verpasse da gerade was in der Heimat.“

Lukas spielt seit seinem elften Lebensjahr Fußball – „bei uns ist es nicht immer ganz einfach einen freien Platz zu finden“, sagt er. Die vielen Parks begeistern ihn daher in Deutschland besonders. „So etwas kenne ich zu hause gar nicht.“ Auch von den organisierten, strukturierten Deutschen ist der Brasilianer begeistert: „Das macht das Reisen hier viel einfacher.“ Bis Ende August lebt der Student noch hier. Bis dahin will er sich noch die Königsschlösser von König Ludwig und Portugal ansehen. Von dort wanderten einst seine Vorfahren nach Brasilien aus.

Doch jetzt beginnt erst einmal die WM, Lukas und Annette Hecht freuen sich darauf: Nur eins soll ihrer Meinung nach ja nicht passieren: dass Deutschland auf Brasilien trifft. „Für uns zu emotional.“

Stephanie Ebner

Zutaten für die brasilianische Hühnerpastete – Pastlelão de galinha

Teig: 500 Gramm Mehl, 150 Gramm Butter, 1 TL Salz, Mehl zum Ausrollen Füllung: 500 Gramm Hähnchenbrustfilet (oder Rindertatar), 3 EL Olivenöl, 2 Zwiebeln, 2 Karotten, 2 Tomaten, 60 Gramm grüne Oliven (ohne Stein), ½ Bund Petersilie, ½ Bund Schnittlauch, 2 hart gekochte Eier, 1 EL Tomatenmark, Salz, frisch gemahlener Pfeffer, Samabal oelek (indonesische Würzpaste), 2 Eier

Zubereitung Für den Teig: Das Mehl auf die Arbeitsfläche geben. Die Butter in Flöckchen darauf setzen und Salz und 5 bis 6 EL Wasser dazugeben. Alles schnell mit den Händen zu einem glatten Mürbeteig verkneten. Den Teig in Folie gewickelt etwa 30 Minuten kalt stellen. Inzwischen die Füllung herstellen: Das Hähnchenfleisch ganz fein hacken oder durch den Fleischwolf drehen. Portionsweise in 2 EL Olivenöl anbraten. Beiseite stellen. Zwiebeln und Knoblauch abziehen und fein hacken. Karotten schälen und fein raspeln. Tomaten abspülen und in kleine Stücke schneiden. Oliven halbieren. Petersilie und Schnittlauch abspülen und trocken schütteln. Petersilie hacken, Schnittlauch in Röllchen schneiden. Eier schälen und grob hacken. Zwiebel und Knoblauch im restlichen Öl anbraten. Tomatenmark, Möhren und Tomaten zugeben und kurz mitbraten. Oliven, Kräuter, Eier und das angebratene Fleisch zu den Zwiebeln geben. Mit Salz, Pfeffer und Sambal oelek scharf abschmecken. Die Füllung abkühlen lassen.1 rohes, verschlagenes Ei unterrühren. Die Hälfte des Mürbeteigs auf wenig Mehl ausrollen und auf den Boden einer mit Backpapier ausgelegten ofenfesten Form (20 x 30 cm) legen. Mehrmals mit einer Gabel einstechen. Teigboden im vorgeheizten Backofen bei 200 Grad, Umluft 180 Grad, Gas Stufe 4 etwa 12 Minuten hellgelb vorbacken. Etwas abkühlen lassen und den Rand der Form mit der Hälfte des restlichen Teiges auslegen. Die Füllung hineingeben und gut festdrücken. Den restlichen Teig ausrollen und mit einem gezackten Kuchenrad in etwa 1 cm breite Streifen schneiden. Streifen als Gitter auf die Füllung legen und am Rand festdrücken.Teigitter und Rand mit dem letzten, verschlagenen Ei bestreichen. Die Pastete im Backofen etwa 30 bis 40 Minuten goldbraun backen.

Dazu gibt es Caipirinha. Der Name leitet sich vom brasilianischen Wort „Caipira“ ab, das Landbevölkerung bedeutet. Den Caipirinha konnte sich auch die ärmere Landbevölkerung leisten.

Zutaten pro Glas 1 unbehandelte Limette 2 TL weißer Zucker 6 cl Cachaca (Zuckerrohrschnaps) Eiswürfel Zubereitung: Die Limette waschen, vor dem Aufschneiden über eine Arbeitsplatte rollen (so erhält man mehr Saft) und aufschneiden, Strunk entfernen. Limettenstücke ins Glas geben und zusammen mit dem Zucker zerdrücken. Dazu nimmt man am besten einen Holzstößel. Glas mit Eiswürfel auffüllen, Cachaca abmessen und hinzugeben. Alles noch einmal umrühren. Fertig.

Der Cocktail wird in Südamerika ganz anders hergestellt und serviert. Die großen Unterschiede:

Limetten werden in Deutschland meist in Achtel geschnitten, in Brasilien in der Regel als Limettenscheibe verwendet.

In Brasilien kommen normal große Eiswürfel ins den Cocktail. Dadurch bleibt die Caipirinha länger frisch. Die deutsche Barszene verwendet stattdessen meist Crushed Ice.

Unterschiede gibt es auch beim Zucker: Während man hierzulande zum braunen Rohrzucker greift, nimmt man in Lateinamerika weißen Zucker.

Die Caipirinha wird hierzulande häufig mit zwei kurzen, dicken Trinkhalmen serviert, in Brasilien dagegen ganz ohne Strohhalm.

Neu auf dem Büchermarkt

D.O.M. Die neue brasilianische Küche

Er gehört zu den besten Köchen der Welt: der Brasilianer Alex Atala und sein Restaurant D.O.M. Nicht umsonst huldigt man ihn als einen „Giganten unter den Meisterköchen“. Sein Restaurant rangiert auf Rang sechs der 50 besten Gourmettempel weltweit. Atala hat sich vom Tellerwäscher zum Superstar hochgearbeitet. Sein Kochbuch mit den D.O.M.-Rezepten ist nichts für die Jeden-Tag-Küche. Nicht etwa, weil der Starkoch mit exklusiven Zutaten arbeitet. Seine Kreationen sind vielmehr ausgefallen. Der Meisterkoch zaubert aus den einfachsten Speisen Brasiliens kulinarische Höhenflüge. Es macht Spaß, in dem Buch zu blättern, hierzulande unbekannte Lebensmittel zu entdecken. Atalas Gerichte sind traumhaft schön in Szene gesetzt und fotografiert. Brasilien für Daheimgebliebene. se

D.O.M. Die neue brasilianische Küche von Alex Atala. Erschienen bei Phaidon und Edel. 290 Seiten. 49,95 Euro.

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