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Essen verbindet. Tareq Jamal hat mit Freunden Gerichte aus seiner Heimat Syrien gekocht. 

Mein Küchengeheimnis

„So schmeckt es in meiner Heimat Syrien“

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In unserer Freitags-Serie verraten Menschen ihr Küchengeheimnis. Heute kocht Tareq Jamal (22) Gerichte aus seiner Heimat Syrien. Der junge Mann ist in Peiting (Landkreis Weilheim-Schongau) untergekommen. Mit Falafel und Humus kocht er gegen das Heimweh an.

Irgendwann an diesem Abend wird Tareq Jamal mit einem Lächeln auf den Lippen sagen: „Es riecht wie zu Hause in meiner Heimat Syrien.“ Falafeln, so wie sie gerade in heißem Öl herausgebacken werden, hat die Mutter mindestens dreimal in der Woche für ihn und die drei Geschwister gemacht. Jetzt steht er selbst in der Küche und bereitet das Traditionsgericht zu – nach dem Rezept der Mutter, das sie ihm via Internet zukommen hat lassen. Denn Tareq hat in seiner Heimat nicht selbst gekocht: „In Syrien ist es unüblich, dass die Männer kochen“, erzählt der junge Mann. Andere Länder, andere Sitten – den Spruch kann er mittlerweile in sehr gutem Deutsch sagen. Nicht nur das unterscheide Deutschland von Syrien.

Viel kochen - zu viel für die Anzahl der Gäste - gehört zur arabischen Gastfreundschaft.

Eine lange Reise zwischen Syrien und Peiting in Oberbayern, wo er untergekommen ist, liegt hinter ihm. Er wollte nicht weg aus seiner Geburtsstadt Latakia, einer Hafenstadt nahe der türkischen Grenze. Doch sein Vater hat den Mechatronik-Studenten auf die Reise nach Europa geschickt. „Er hatte Angst um mich“, sagt Tareq. Blinde Zerstörungswut und zahlreiche Tote gehören mittlerweile zum Alltag in Syrien. „Man kann schon im Gefängnis landen, wenn man nur etwas Falsches sagt.“ Mit fast Nichts ist Tareq Jamal im Oktober 2014 in München angekommen. „Die Schlepper haben mir alles abgenommen.“ Nicht einmal einen Rucksack mit ein paar Habseligkeiten durfte der junge Mann bei seinem Weg nach Europa mitnehmen. Tareq flüchtete zunächst in die Türkei. Harrte dort aus, bis er nach einem Monat ein Boot fand, das ihn nach Sizilien brachte. 13 Tage auf hoher See – „wir hatten ständig Angst um unser Leben“.

So kocht man in der Heimat von Tareq: Hier beispielsweise leckere Falafel

In Sizilien nahm er den Zug nach Deutschland. In München wurde der Kriegsflüchtling zunächst in der Bayernkaserne untergebracht, über Ingolstadt kam er später nach Peiting. Dass er sich hier ein neues Leben aufbauen kann, ist auch dem Helferkreis um das Peitinger Künstlerpaar Cordula Faller und Peter Mayr zu verdanken. Sie haben im vergangenen Sommer einen Workshop ins Leben gerufen. Im Atelier des Paares können Flüchtlinge ihre Ängste künstlerisch verarbeiten. An diesem Sonntag geht der Workshop, der in einer Ausstellung münden soll, bereits in die vierte Runde. Doch davor kochen Tareq und sein Freund Osama Sharaf (21) aus Damaskus in der Küche des Künstlerpaares. Während Tareq am Herd hantiert, erzählt er von seinen Plänen: Bis zum Sommer besucht er noch einen Intensiv-Kurs für Deutsch, dann will er sein Studium weiterführen. „Ich hoffe, mir werden die Studien-Jahre aus Syrien anerkannt“, sagt Tareq. Eines Tages, wenn der Krieg vorbei ist, will er wieder nach Syrien. „Das ist Heimat für mich.“ Bis dahin hilft er seinen Landsleuten, hier Fuß zu fassen, übersetzt bei Behördengängen oder gibt Tipps bei der Eingewöhnung.

Als das Essen fertig ist, ordnen Tareq und seine Helfer das Essen auf einem Buffet an. „In Syrien würden wir jetzt alles auf den Tisch stellen und jeder würde aus den Töpfen essen“, erzählt er. Dass viel zu viel gekocht wurde, versteht sich für Tareq und Osama von selbst – „das gehört zur arabischen Gastfreundschaft“. Ein farbenprächtiges Essen. Das nach fremden Gewürzen duftet und nach Arabien schmeckt. Ein Essen, das die Menschen nicht nur an diesem Abend in Peiting verbindet. Darauf wird mit Bier angestoßen – das nach syrischer Tradition mit Zitronensaft gemischt und in einem Glas mit Salzrand serviert wird. Auf die Zukunft.

Von Stephanie Ebner

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