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Kinder in Cafés und Restaurants sind einigen Betreibern und Gästen ein Dorn im Auge. (Symbolbild)

Glasklares "Mobbing"

"Sozialromantisches Geschwafel": Café verteidigt sein Kinderverbot gegen wütenden Mütter-Mob

Eine Café-Betreiberin in Hamburg muss sich mit aller Kraft gegen einen entfesselten "Mütter-Mob" wehren. Mit dieser ehrlichen und deutlichen Erklärung.

Dass Kinder in manchen Lokalen nicht erwünscht sind, ist nichts Neues mehr. Restaurant- und Café-Betreiberinnen und -Betreiber beklagen Lärm, Verschmutzung, schlechtes Benehmen (von Kindern und Eltern).

Tausende streiten sich über das Kinderverbot eines Hamburger Cafés

Auch ein Café in Hamburg möchte, dass Kinder unter sechs Jahren draußen bleiben und sieht sich nach dem "Outing" durch Promi-Mama Nicole Hansen - Unternehmerin und Frau von "Revolverheld"-Gitarrist Niels Kristian Hansen - nun einem gewaltigen Sturm der Entrüstung gegenüber. In mittlerweile über 1.900 Kommentaren (Stand 19.03.19) streiten sich unter einem Instagram-Post der Betreiberin Monika Ertl Mütter, Väter, Kinderlose, Kinderfans und Kinderskeptiker mit zum Teil drastischen Worten über die Sinnhaftigkeit eines Kinderverbots. Für alle anderen Fotos wurde die Kommentarfunktion abgeschaltet. Warum, erklären die emotionalen Worte der Betreiberin:

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Jetz mal ehrlich - es reicht. Liebe Supermuttis, ich finde es ist an der Zeit, die Verhältnismäßigkeit dessen, was Ihr hier seit einigen Tagen im Netz veranstaltet, ernsthaft in Frage zu stellen. Ich habe ein Restaurantkonzept, das Euch nicht gefällt und das ist einigen als Anlass genug für einen Shitstorm vom feinsten. Ohne dass auch nur eine einzige von Euch vorher das persönliche Gespräch gesucht hätte, verurteilt Ihr mit heiligem Eifer mein Unternehmen mit erstaunlicher verbaler Aufrüstung und Feindseligkeit. Überträgt man die Situation mal gedanklich von Muttis im Internet zu Schülern auf dem Pausenhof, dann wäre die Bezeichnung glasklar „Mobbing“. Ich wünsche Euren sicher ganz wundervollen Kindern sehr, dass sie so etwas nie erleben müssen. Ich bin erwachsen und habe ein breites Kreuz und eine hohe Frustrationstoleranz, ohne die könnte ich meinen Job gar nicht machen. Und ich möchte gerne mal ein paar Sachen klarstellen. Erstens: Überraschung Überraschung - auch ich bin Mutter. Kenne mich also durchaus im Thema aus. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, habe eine großartige Tochter, ein sehr süßes Patenkind und Nichten und Neffen. Kinderfeindlichkeit zu unterstellen ist also schonmal Blödsinn. Zweitens: Das moki’s goodies ist kein spendenfinanziertes demokratisches Mutter-Kind-Projekt, sondern ein Restaurant für das ich mir ein Konzept überlegt und in das ich mein privates Geld investiert habe. Weil ich meine eigenen Entscheidungen treffen möchte ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen. (...)

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Die ausführlichen Widerworte der Café-Besitzerin

"Jetzt mal ehrlich - es reicht.

Liebe Supermuttis, ich finde, es ist an der Zeit, die Verhältnismäßigkeit dessen, was Ihr hier seit einigen Tagen im Netz veranstaltet, ernsthaft in Frage zu stellen.

Ich habe ein Restaurantkonzept, das Euch nicht gefällt und das ist einigen als Anlass genug für einen Shitstorm vom Feinsten. Ohne dass auch nur eine einzige von Euch vorher das persönliche Gespräch gesucht hätte, verurteilt Ihr mit heiligem Eifer mein Unternehmen mit erstaunlicher verbaler Aufrüstung und Feindseligkeit.

Überträgt man die Situation mal gedanklich von Muttis im Internet zu Schülern auf dem Pausenhof, dann wäre die Bezeichnung glasklar "Mobbing". Ich wünsche Euren sicher ganz wundervollen Kindern sehr, dass sie so etwas nie erleben müssen.

Ich bin erwachsen und habe ein breites Kreuz und eine hohe Frustrationstoleranz, ohne die könnte ich meinen Job gar nicht machen. Und ich möchte gerne mal ein paar Sachen klarstellen.

Erstens: Überraschung, Überraschung - auch ich bin Mutter. Kenne mich also durchaus im Thema aus. Ich bin in einer großen Familie aufgewachsen, habe eine großartige Tochter, ein sehr süßes Patenkind und Nichten und Neffen. Kinderfeindlichkeit zu unterstellen, ist also schon mal Blödsinn.

Zweitens: Das moki's goodies ist kein spendenfinanziertes, demokratisches Mutter-Kind-Projekt, sondern ein Restaurant für das ich mir ein Konzept überlegt und in das ich mein privates Geld investiert habe. Weil ich meine eigenen Entscheidungen treffen möchte, ohne mich dafür rechtfertigen zu müssen.

Drittens: Ich möchte und muss mit meinem Job Geld verdienen. Und in den ersten Jahren als "Mutti-Café" hat das schlicht und ergreifend nicht funktioniert. Und da hilft auch kein sozialromantisches Geschwafel. Am Ende geht es um Zahlen - und zwar schwarze.

Viertens: Ich erwarte von jedem Gast, egal ob groß oder klein, dass man in einem öffentlichen Raum aufeinander Rücksicht nimmt. Es gibt tatsächlich Menschen, die es auch mal ohne Kinder ganz gut finden und gerne in Ruhe ihre Zeit bei uns genießen möchten. Das ist nicht automatisch kinderfeindlich, sondern für manche einfach erholsam.

Fünftens: In Hamburg gibt es glücklicherweise eine große Auswahl an Restaurants und daher im Zweifel auch immer problemlos andere Alternativen, falls unser Angebot nicht zu den Erwartungen Einzelner passt. In diesem Sinne:

Einatmen. Ausatmen. Runterkommen.

#schnullergate #makelovenotwar""

Starker Widerstand und Boykottaufrufe wegen Kinderverbot

Die klaren Worte verbreiteten sich schnell im Netz und die Diskussion darunter nahm Fahrt auf. Viele Mütter und Väter sind entsetzt über die Erklärungen von Monika Ertl und wollen sich die Maßnahme nicht gefallen lassen: "Ihr schließt einfach eine Personengruppe aus. Ihr pauschalisiert. Kinder = laut. Das ist schlichtweg diskriminierend. Sehr schade. War immer gern bei euch," beschwert sich ein User. Ein andere schießt scharf: "Werden bei euch Menschen mit Behinderung bedient oder müssen die auch draußen bleiben?" Viele weitere Kommentare kritisieren Monika Ertls Entscheidung deutlich, viele wollen nicht mehr kommen, einige rufen sogar zum Boykott auf. Der Ton ist aufgebracht, die Fronten verhärtet.

Weiterlesen: Restaurant auf Rügen will abends kinderfrei bleiben – trotz Beschimpfungen und Morddrohungen

Viele Unterstützer für kleinkindfreies Café-Konzept

Mit ihrer leidenschaftlichen Verteidigungsrede trifft die Café-Besitzerin aber auch bei vielen auf Zuspruch. Über 2.900 Mal wurde der Post mittlerweile geliked und darunter finden sich auch viele unterstützende  Worte: "Weiter so, Superladen! Bin froh, dass man in Ruhe frühstücken kann und nicht immer überall Kindergeschrei und herumrennende Kinder hat; auch wenn ich Kinder liebe, aber nach einer langen Arbeitswoche am Wochenende in Ruhe frühstücken zu können, ist schon was Feines. ;)."

Eine andere Nutzerin schreibt: "Die richtige Antwort und ich als Mutter muss gestehen, ich finde es vollkommen okay, dass es so Läden wie euren gibt." Eine Mutter freut sich über mehr Ruhe: "Ich als zweifache Mutter zwei kleiner Kinder kann es tatsächlich verstehen. Ich würde mir wünschen, dass es noch ein paar mehr Läden gibt, wo man für sein Geld nicht nur Essen und Service, sondern auch eine erträgliche Lautstärke bekommt!"

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Lesen Sie auch:  Restaurant bietet Gratisessen für Kinder, wenn sich die Eltern an eine einfache Regel halten

Über den Vorfall im Café in Hamburg und dem Verbot für Kinder berichtet auch nordbuzz.de*.

ante

Bullshit-Bingo: Essen mit Kleinkindern

*nordbuzz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

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