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Streitfall Grillen: Was ist erlaubt?

München - Wenn im Sommer auf Balkon und Terrasse die Holzkohlegrills angeworfen werden, stößt das nicht immer auf Nachbars Begeisterung. Was ist erlaubt? Was geht zu weit, wo Menschen dicht an dicht wohnen?

Endlich Sommer. Die Zeit, um laue Abende zu genießen und auf Balkon und Terrasse den Grill anzuheizen. Doch wenn Wurst und Fleisch brutzeln, der Rauch aber zum Nachbarn zieht, gibt es vielerorts erbitterten Streit.

Gibt es ein Grillrecht?

Nein. Bezüglich des Grillens gibt es im Miet- und Wohnungsrecht keine konkreten Regeln, allerdings gibt es zahlreiche Gerichtsurteile zum Thema – und Regelungen, die zum Beispiel den Lärmschutz betreffen. Grundsätzlich gilt: Mieter dürfen draußen feiern, trinken und essen. „Balkon und Terrasse sind mitvermietet“, sagt Ulrich Ropertz, Jurist beim Deutschen Mieterbund. „Sie dürfen genauso wie die Wohnung selbst genutzt werden.“ Sonnen, Feiern, Kaffee trinken und Grillen – alles ist erlaubt. Doch keine Erlaubnis ohne Einschränkung.

Wie lange darf draußen gefeiert werden?

„Die Balkonparty oder das Gartenfest müssen in der Regel um 22 Uhr beendet werden“, sagt Ropertz. Dann gelte Nachtruhe. Allenfalls dürfe noch in der Wohnung weitergefeiert werden. „Aber auch vor 22 Uhr sollte schon auf die Belange der Nachbarn Rücksicht genommen werden, zum Beispiel bei der Lautstärke von Musik.“

Wo darf gegrillt werden?

Grillen auf Balkon und Terrasse ist nur in der Regel erlaubt. Stehe im Mietvertrag „Grillen verboten“, müssten sich Mieter daran halten, so Ropertz. Andernfalls kann der Vermieter abmahnen oder am Ende gar den Mietvertrag kündigen. „Auch ohne Vertragsregelung ist Grillen dann verboten, wenn Rauch und Qualm in die Nachbarwohnungen dringen.“

Welche Strafen drohen bei Verstößen?

Bei besonderer Rücksichtslosigkeit kann die Kommune auch ein Bußgeld wegen Ordnungswidrigkeit verhängen. Daher sollte man Abstand halten von Balkonen und Fenstern der Nachbarn, zum Beispiel indem man in den Garten oder auf eine Terrasse ausweicht. Eine rücksichtsvolle Alternative zur qualmenden Holzkohle sind Elektrogrills.

Wann und wie oft darf gegrillt werden?

Ein Gewohnheitsrecht, wenigstens zweimal im Monat oder dreimal im Jahr unbedenklich grillen zu dürfen, gibt es laut Mieterbund nicht. „Wer sich den Grillspaß nicht verderben lassen will“, rät Mieterbundsprecher Ropertz, „sollte mit seinen Nachbarn vorher sprechen, sie zum Beispiel bitten, die Fenster für ein, zwei Stunden zu schließen, oder er sollte sie gleich mit einladen.“

Dirk Clausen, Fachanwalt für Mietrecht, fasst die Rechtslage beim Grillen so zusammen: „Die Gerichte halten einmal im Monat für zumutbar.“ Dies gelte aber nur für den Garten. Beim Balkon sei es problematischer. Steigen Dünste durch ein geöffnetes Nachbarfenster, könne der Vermieter das Grillen dort ganz verbieten. „Anders ist es, wenn die betroffenen Nachbarn nichts dagegen haben.“ Im Streitfall entscheiden die Gerichte – die Urteile gelten allerdings immer nur für den Einzelfall.

Was sagen die Gerichte?

Die Urteile fallen unterschiedlich aus. Das Landgericht Stuttgart gestattete jährlich drei Grill-Events (Az.: 10 T 359/96). Das Amtsgericht Bonn bestand auf Vorankündigung des Grillabends beim Nachbarn (Az.: 6 C 545/96). Das Landgericht Aachen wiederum hielt zweimaliges Grillen im Monat zwischen 17 und 22 Uhr im hinteren Teil des Gartens für zulässig (Az.: 6 S 2/02).

Generöser zeigte sich das Landgericht München und entschied, Grillen im Sommer sei üblich. Ein Verbot könne es nur bei wesentlicher Belästigung durch Rauch, Ruß und Wärme geben (Az.: I 15 S 22735/03).

Kai Althoetmar

Rubriklistenbild: © dpa

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