Die Strudel-Bäcker vom Wörthsee (Raabe am See)

Wörthsee - Heute bäckt die Wirtsfamilie Bernhard am Wörthsee Strudel.

Maria Magdalena Bernhard hat ihr ganz eigenes Fitness-Training: Walken statt walking. Jeden Morgen, Sommer wie Winter. Seit 1994 bäckt die 39-Jährige täglich mehrere Strudel und muss dazu den Teig dünn auswalken. Das kostet Kraft. Besonders viel, wenn das Wetter sonnig, aber nicht zu heiß wird - die Wirtin spricht von "Kaffee-und- Kuchen-Wetter" - strömen die Gäste ins "Raabe am See" und die Wirtin bäckt die dreifache Menge. Denn viele Gäste kommen sogar extra wegen der Strudel hierher.

Früher waren hier Frauen mit offenen Haaren verpönt

Die Bernhards führen das Lokal bereits in vierter Generation: 1913 hatte Urgroßvater Karl Raabe das landwirtschaftliche Anwesen in Steinebach erworben und kurz darauf die erste Badeanstalt am See eröffnet. Damals wurden hier laut "Badeverordnung" Damen mit aufgelöstem Haar noch nicht geduldet und den Männern war das Tragen von Dreieckshosen strengstens untersagt. Die Mutter vom jetzigen Wirt Thomas Bernhard war noch eine Raabe, doch mit der Heirat ging der Familienname verloren. Nur der Name des Lokals erinnert noch an den Gründer.

In den Anfangsjahren war das "Raabe" ein reines Strandbad. Erst in den 1960er-Jahren kam ein Lokal hinzu. Mit dem komplett umgebauten "Raabe" startete Thomas Bernhard 1992 einen Neuanfang - seitdem setzen die Wirtsleute ihren Schwerpunkt auf die Gastronomie, der Strandbetrieb läuft nebenher.

Als Bub wollte Thomas Bernhard Astronaut werden, doch weil das utopisch war, sattelte er um und lernte im Münchner Hotel "Vier Jahreszeiten" den Beruf des Restaurantfachmanns: "Mir hätte nichts Besseres passieren können", sagt er rückblickend. Als die Eltern kürzertreten wollten, übernahm er das "Raabe". Erst allein, später kam seine Frau Maria Magdalena hinzu. Ebenfalls eine Wirtstochter - sie brachte die Strudelrezepte ihrer Mama mit. Die gelernte Köchin: "Bei uns zuhause war freitags Mehlspeisentag. Da hab ich eine Menge gelernt."

Täglich bäckt die Mutter von zwei Töchtern mindestens zwei verschiedene Strudel für das "Raabe" - je nach Saison und Laune. Wie sie die Teigrollen füllt, das entscheidet sie spontan, worauf sie gerade Lust hat. Denn obwohl sie schon Tausende Strudel gebacken hat, isst sie immer noch gerne selbst welchen, am liebsten einen Topfenstrudel. Ausflügler aus München und sogar dem Augsburger Raum sitzen neben Einheimischen und Stammgästen auf der Seeterrasse, die von frühmorgens bis in den Abend sonnenbeschienen ist. "Da hatte mein Urgroßvater schon einen guten Riecher", sagt Thomas Bernhard über den Standort.

Die Seenähe ist für Thomas Bernhard ganz wichtig: "Ich bin ein Wassermensch." Seine Leidenschaften sind das Surfen, Tauchen und Segeln. Als Jugendlicher hat er sogar zeitweise auf Regatten teilgenommen. Auf der Hochzeitsreise war Thomas Bernhard einen Tag in Florenz. Das hat er nicht ausgehalten: "Ich wollte ans Wasser. So sind wir am nächsten Tag nach Livorno gefahren. Da war ich wieder glücklich." Im Sommer hat der Wirt kaum Zeit, den Wörthsee zu genießen. Aber manchmal gelingt es ihm doch. Dann rudert er mit seinen beiden Töchtern Eva-Maria (11) und Viktoria (3) hinaus auf den See. Oder er packt seine Tauchausrüstung und lässt sich am Seegrund treiben - "ein Traum".

Da unten, fernab vom Trubel, kommen dem 40-Jährigen die besten Ideen. Beispielsweise, dass sie das "Raabe" Schritt für Schritt auf Bio- Kost umstellen wollen. Ein Gericht steht bereits auf der Speisekarte. Die Rinderochsenbrust (11,80 Euro) kommt von einem Bio-Bauern aus der Umgebung.

Raabe am See:

Adresse:

Seestraße 97

82237 Wörthsee

Telefon (0 81 53) 72 05

www.raabe-am-see.de

Öffnungszeiten:

Täglich 9.30 bis 24 Uhr. Im Winter (von Oktober bis April) Dienstag Ruhetag. Frühstück ab 9. 30 Uhr. Warme Küche 11.30 bis 22 Uhr.

Hinkommen:

von München aus über die A 96, Ausfahrt Wörthsee, Richtung Etterschlag und Steinebach. Dann Richtung See halten.

Sonstiges:

zum Café gehört ein Strandbad (Eintritt 3 Euro, ab 17 Uhr halber Preis) mit Bootsverleih (Ruderboot 6 Euro die Stunde, Tretboot 8 Euro).

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