Tafeln wie die Könige

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast in der Landtagsgaststätte. Normalerweise ist sie den Politikern vorbehalten. Im Mai tischt Eva Mühlegg (42) dem Volk ein Vier- Gänge-Menü auf.

Wenn Eva Mühlegg heute auf „ihrer Terrasse“ sitzt und den Sonnenuntergang über der Stadt München genießt, dann kann sie sich gar nicht mehr vorstellen, dass es einst die Not war, die ihre Familie vom Allgäu nach München verschlug. Denn sie ist überzeugt: „Es gibt eigentlich nichts Schöneres wie diesen Blick über die Stadt. Besonders am Abend.“ Der Sonnenuntergang ist „einfach sensationell“. Die 42-Jährige ist Geschäftsführerin der Landtagsgaststätte und für alles Essbare im Maximilianeum zuständig.

Mit ihren 18 Mitarbeitern serviert sie einfachen Abgeordneten ebenso wie Ministern das Mittagessen. Nur dem Ministerpräsidenten nicht. Horst Seehofer meidet – wie schon sein Vorgänger Edmund Stoiber – die Landtagsgaststätte. Eva Mühlegg: „Bislang kam er nur auf einen Kaffee vorbei.“

Der Vater von Eva Mühlegg, ein erfolgreicher Hotelier aus dem Allgäu, musste in den 1980er Jahren sein Haus aus wirtschaftlichen Gründen schließen. Die Gäste waren nach dem Bau einer Umgehungsstraße schlagartig weggeblieben. 19 Jahre ist das mittlerweile her, dass die Mühleggs nach München gingen. Der Vater war zunächst Küchenchef im „Drei Rosen“, wechselte dann in den „Franziskaner“, bevor er Wirt im Hofbräukeller am Wiener Platz wurde. Für Eva Mühlegg eine Position mit weitreichenden Folgen. Da das bayerische Traditionslokal damals mit der Gaststätte im Bayerischen Landtag verbunden war und die junge Hotelfachfrau kurzerhand die Landtagsgaststätte übernahm.

Viel hat sich seither verändert: Ging es anfangs zunächst nur um die Verpflegung der Parlamentarier und der Besuchergruppen der einzelnen Politiker, besteht seit dem Jahr 2000 die Möglichkeit, das Haus an Wochenenden und in der sitzungsfreien Zeit für Veranstaltungen zu buchen. Besonders Firmen machen davon Gebrauch, in dem repräsentativen Bau zu feiern. Ein nicht ganz billiges Vergnügen: „Mit rund 100 Euro pro Person muss man schon rechnen.“

Dafür bekommt der Gast nicht nur ehrenvolle Räumlichkeiten, sondern ein tolles Fest geboten. Und darauf versteht sich Eva Mühlegg. Die gelernte Hotelkauffrau hat nach ihrer Ausbildung bei Gerd Käfer gelernt, „wie man Partys macht“. Damals zählten zu den Kunden unter anderem Lebemann Gunther Sachs, der Industrielle Friedrich Karl Flick und Schlagerkomponist Ralph Siegel. „Da war immer was los“, erinnert sich Eva Mühlegg. Einmal hat sie bei Heinz Rühmann am Starnberger See ein Essen ausrichten müssen. An den berühmten Schauspieler kam sie kaum heran. „Er war sehr reserviert“. Die Organisation habe damals seine Frau übernommen.

Feste feiern ist das eine – auch der Speiseplan selbst hat eine grundlegende Wandlung im Landtag hinter sich: Waren vor 20 Jahren schwere Kost wie Schweinebraten mit Knödel oder Leberkäs-Semmeln gefragt, greifen die Politiker heutzutage lieber zu leichter Kost. Dass die Nahrungsmittel vorwiegend aus Bayern kommen, versteht sich bei Eva Mühlegg und ihrem Team von selbst. Dass fünf Fraktionen im Haus ein und aus gehen, „macht die Sache nicht einfacher“ für die Küche. Denn jede Partei habe „so ihre Eigenheiten“. Die SPD bevorzugt „italienisch“, die CSU will regionale Spezialitäten und die Grünen setzen auf „Bio-Kost“. Bei den Freien Wählern und der FDP kann sich Eva Mühlegg noch nicht recht äußern – „die sind noch nicht lang genug dabei“. Details über die Essgewohnheiten so mancher Parlamentarier dürfte sie eh nicht verraten. „Wir unterliegen einer Schweigepflicht, was hier im Haus vor sich geht“.

Als München 2008 seinen 850. Geburtstag feierte, wollte Eva Mühlegg die Münchner selbst in den Prachtbau holen. Mit ihrer Aktion „Königlich tafeln“. Weil die Veranstaltung 2008 so erfolgreich war, erlebt sie heuer ein Revival. Allerdings nur an zwei Wochen. „Länger geht nicht, weil das Restaurant im Sommer über renoviert wird.“

durchaus wörtlich zu verstehen: Die Gäste nehmen bei schönem Wetter an festlich gedeckten Tafeln unter den Arkaden des Landtags Platz (Tipp: Ein Blick nach oben lohnt sich durchaus. Die Bögen sind erst 1990 aufwändig renoviert worden.). Küchenchef Martin Nachbauer serviert ein Vier- Gänge- Menü. Auf regionaler und saisonaler Basis – das versteht sich in diesem Haus von selbst. Und bei einem hoffentlich märchenhaften Sonnenuntergang über der Stadt. Das hätte auch König Ludwig II. gefallen.

Stephanie Ebner

Essen einst und heute

Geschmäcker ändern sich – diese alte Volksweisheit bestätigt einmal mehr ein Blick auf die Speisekarten von einst und heute.

„Blancmanger“, ein Mus aus Huhn und Reis, dazu eine Beilage aus „Kamelinsoße“ mit zerstoßenen Mandeln, Brotkrumen und Gewürzen. Angerührt mit saurem Traubensaft. Dazu trinkt man „Hippokras“, warmen Würzwein. So könnte ein Festessen der Oberschicht einst ausgesehen haben. Dickliche Breis und warme Weine – für den heutigen Geschmack undenkbar. Schmackhafte Küche sieht in der Neuzeit anders aus: Gewürze haben an Bedeutung verloren, Obst und Gemüse kommt auch mal in rohem Zustand auf den Tisch. Mit Zucker gesüßte Speisen runden ein Festmahl ab. „Königlich tafeln“ – der Titel für den Gala-Abend im Maximilianeum erinnert zwar an längst vergangene Tage in Bayern. Das Essen jedoch entspricht der Neuzeit: „Wir servieren beim Gala-Dinner unter den Arkaden moderne Kost.“ Wie marinierten Ziegenfrischkäse oder eine rosa gebratene Lende vom Weiderind. Dazu erklingen gefühlvoll vorgetragene Swing- und Jazz-Balladen. „Königlich tafeln“ startet am 30. Mai und dauert bis 14 Juni. Karten gibt es im Vorverkauf und an der Abendkasse für 98 Euro pro Person.

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