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Der Wirt und sein Chefkoch: Forellen spielen eine zentrale Rolle bei Wolfgang Hintz (l.) und Julian Petri.

Traumadresse am Tierpark

München - Heute sind wir zu Gast bei Wolfgang Hintz in der Thalkirchner „Villa Floßlände“. 

Der Mann hat einen Vogel. Und er ist auch noch stolz darauf, denn er hat ihn selbst gemacht. 15 Jahre hat der überdimensionale Metall-Papagei Wolfgang Hintz rund um die Welt begleitet. Jetzt hat er seine Heimat im Garten der Floßlände in Thalkirchen gefunden. Und endlich ist das passiert, worauf Hintz schon so lange gewartet hat: Die Kupferteile des Papageis haben eine schöne grüne Patina angesetzt. „Er scheint sich hier wohlzufühlen“, sagt Hintz.

Das tut Hintz auch. Er, der in München seit 20 Jahren eine feste Größe bei Tollwood ist und dort mit seinen Bars auch schon einige Preise abstauben konnte. Er, der die Minifeuerzangenbowle erfunden hat und der vor einem Jahr, wie er selbst sagt, die Villa Floßlände unweit des Tierparks „aus dem Dornröschenschlaf geküsst hat“.

Und das ist ihm vortrefflich gelungen, auch wenn man sich einen Märchenprinzen anders vorstellt. Hintz ist einer, der gerne selbst anpackt, aber auch gerne antreibt. „Ich bin überall und nirgendwo.“ „Abends bin ich alleine eine Stunde beschäftigt, um alle Lampen anzuzünden.“ Damit, wie er sagt, „auch jedes Kräuterbüschchen schön beleuchtet ist“. Bei unserem Besuch kommt er gerade von den Baustellen an der neuen Räucherstation und am Kiosk des Maria-Einsiedel-Bads. An diesem Pfingst-Wochenende ist – bei Sonnenschein und Temperaturen bis zu 23 Grad – Eröffnung der Freiluftsaison, im Freibad und im Biergarten. Endspurt für den Gastronomen.

Handarbeit

Selber machen ist für ihn ganz wichtig und ein Team, auf das er sich seit Jahren verlassen kann. Gemeinsam haben sie in und an der neuen Floßlände so gut wie alles selbst gemacht: den Garten gestaltet, die Bänke geschreinert und bezogen, das Weinregal gebaut, gemalert. Auch der Kerzenleuchter in der Ecke – aus alten Nockenwellen – ist, wie der Papagei, ein Werk des Metallkünstlers, der in der Floßlände viel Liebe zum Detail spielen ließ. Und sich Inspirationen auf der ganzen Welt holte. „Ich bin viel rumgekommen in meinem Leben, da nimmt man von überall etwas mit.“

Für diese Detailverliebtheit ist die alte Villa, die schon seit 1899 ein Gasthaus ist, der perfekte Ort. Vor eineinhalb Jahren hatten die Stadtwerke das kleine Juwel in der Zentralländstraße, dort wo die Flöße in München landen, zur Verpachtung ausgeschrieben. Hintz bewarb sich von Mallorca aus und bekam den Zuschlag. Im Mai 2009 wurde eröffnet und seitdem ist auch Küchenchef Julian Petri, der vorher am Starnberger See und in der Emmeramsmühle tätig war, mit im Team.

Gemeinsam haben sie in der Floßlände eine Speisekarte zusammengestellt, auf der viele Fisch-, aber auch einige Fleischgerichte stehen. Sogenannte Convenience-, also Fertigprodukte, gibt es nicht. „Da krieg ich Sodbrennen, das will ich nicht“, sagt Hintz. „Schließlich essen meine Kinder auch hier.“ Selbst die Soßen werden daher alle selbst gezogen. Neben Frische zählt für Hintz vor allem Bezahlbarkeit. „Wenn ich hätte abzocken wollen, hätte ich auf der Reeperbahn einen Laden aufgemacht“, sagt der gebürtige Hamburger.

Moderate Preise

So gibt es das Münchner Schnitzel für 9,90 Euro, den Schweinekrustenbraten für 10,90 Euro und eine viertel Bauernente für 11,90 Euro. Das sind die Standards, aber es gibt auch – bei ständig wechselnder Karte und in, so betont Hintz, „Hausmannskostportionen“ – auch Ausgefallenes: „Perlhuhnbrüstchen im Limonenblattsud pochiert auf Zitronengras-Kokossauce mit glasiertem Zuckerschoten-Karottengemüse und Basmati- Wildreis“ oder „Geschnetzeltes Fasanenbrüstchen in Calvadosrahm mit Äpfeln, Champignons und gerösteten Pinienkernen, dazu getrüffelte Pappardelle und Broccoli“ (beides 16,90 Euro), zum Beispiel.

Auch der Fisch ist mehr als bezahlbar. Die Forelle in Pergamentpapier, das Rezept hat Petri unseren Lesern zur Verfügung gestellt, gibt es genauso wie die Scholle Finkenwerder Art mit knusprigem Speck, Knusperkräutern in Limonensauce und Kartoffel- Gurken-Salat für 12,90 Euro. Forelle gehört auf der Floßländenkarte zum Standard. „Die ist immer da“, sagt Hintz. Bald werden die auch in dem neuen Räucherofen zubereitet, den er gerade im Selbstbedienungsbereich seines Biergartens errichtet hat. Dort soll es aber auch geräuchertes Geflügel, gegrillte Steaks und ein Salatbuffet geben.

Gerne würden er und Petri auch öfter Renken anbieten, „doch die sind für uns oft nicht zu bekommen. Die vom Starnberger und Ammersee sind oft schon an die dortigen Lokale verkauft, sodass wir gar keine mehr kriegen“, sagt Petri. Deshalb haben sie meist Felchen vom Bodensee auf der Karte.

Biergarten mit Freiluft-Grill

Die Fische werden im Sommer im hinteren Teil des Biergartens, der vor allem für private Feste genutzt wird, an der Grillstation gegrillt. Dort ist auch eine Wiese, die direkt an den Isararm grenzt, der durch das Naturbad Maria Einsiedel fließt. Hier sollen bald unter 200 Jahre alten Rotbuchen schöne Lounge- Sessel stehen. Passend zur Musik, die Hintz in angenehmer Lautstärke im Biergarten spielt. Eine Isar-Lounge in Alleinlage, nur wenige Minuten von der Münchner Innenstadt entfernt.

Feine Fischspezialitäten bietet er auch in seiner Fischhütte im Freibad an. Und Bio- Produkte. Doch dort hat er im vergangenen Sommer seine ganz eigenen Erfahrungen machen müssen. „Bio und Fisch wird hier gar nicht so gut angenommen. Im Bad essen die Leute am liebsten Currywurst und Pommes.“ Und die bekommen sie dann auch – auch wenn er die Fisch-Tapas weiter anbietet. „Wir lernen hier jeden Tag dazu“, sagt der 46-Jährige. Und dann wird entsprechend reagiert.

Solche Tage soll es noch viele geben. „Ich richte mich darauf ein, hier die nächsten Jahre zu verbringen.“ Gemeinsam mit Familie – und Vogel.

VON CLAUDIA MUSCHIOL

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