Udes Geständnisse unter Tränen

München - Immer freitags schauen wir Oberbayern in der Küche über die Schulter. Heute kocht Münchens Oberbürgermeister Christian Ude "Leber venezianisch".

Normalerweise greift Christian Ude zum Telefon, wenn er Hunger hat. "Er ruft meist vom Auto aus an und sagt: ,Ich bin in einer halben Stunde da und hab Brüll-Hunger'", erzählt seine Frau Edith Welser-Ude. Ganz klar, die Gattin soll dann schnell in der Küche etwas zaubern. Diesmal aber hat Edith Welser-Ude den Spieß umgedreht: Sie hat ihren Ehemann an den Herd geordert. Er soll als Gastkoch in ihrem "Club der Köchinnen" auftreten. Die Sendung gibt es seit einem Jahr beim Sender "München TV". Seit kurzem dürfen auch mal Männer ihr Lieblingsrezept vorstellen.

Bevor das Stadtoberhaupt überhaupt zur Tat schreitet, muss er in die Maske. Gepudert und in schwarzem Anzug - Ude ist direkt vom Planungsausschuss des Stadtrats an den Kochtopf - steht er am Herd.

Obwohl er, wie Ude selbst einräumt, in der Fernsehküche "absolutes Fremdland" betritt, gibt sich der Bürgermeister locker. "Warum sollte ich nervös sein? Kameras bin ich gewohnt", sagt er kess. "Wenn's Probleme gibt, dann nur wegen der Pfannen." Um dann noch selbstbewusst hinzuzufügen: "Euch werde ich Begeisterung beibringen." Ude, Entertainer durch und durch.

Der 60-jährige Griechenland-Fan hat sich für seinen Auftritt als Gastkoch "Leber venezianisch" ausgesucht. Die Wahl sei ihm nicht schwergefallen, weil es außer Leberkäs abbräunen eigentlich das einzige Gericht sei, das er überhaupt beherrsche. "Und mit Nasi Goreng aus der Dose wollte ich dann auch nicht auftreten."

Dass er am Herd ein absoluter Laie ist, daran sei seine Mutter schuld, erzählt er im lockeren Plauderton. Sie war eine leidenschaftliche Köchin aus der französischen Schweiz und der Sohn war "sehr zufrieden mit ihr". Als verheirateter Mann muss der OB auch nicht mehr kochen, dafür sorgt seine Frau Edith. Lediglich die Studentenzeit sei "eine kulinarische Durststrecke" gewesen. In dieser Zeit habe es Leber venezianisch in allen Variationen gegeben. "Man konnte neue Freundinnen ja nicht sofort in die Küche schicken", sagt Ude mit einem Grinsen.

Nur im Urlaub engagiert sich der vielbeschäftigte Politiker bei der Essenszubereitung. Grillen und Salate, am liebsten den griechischen, übernimmt er dann.

Als es dann endlich mit dem Kochen losgeht, dauert es nicht lange und der OB greift zum rot-weiß karierten Taschentuch. "Nicht vor Rührung, weil ich hier auftreten darf", wie er mit Schalk im Nacken betont. Auch die hartnäckigen Fragen seiner Frau, warum er denn nichts im Haushalt mache, sind nicht schuld an den Tränen: Die Zwiebeln haben dem Stadtoberhaupt das Wasser in die Augen getrieben.

Zwischen fleißigem Pfannenrühren, "das ist ja wirklich Arbeit", unterhalten sich die Eheleute über häusliche Pflichten und die Tatsache, dass der Ehemann in dieser Disziplin "so gar nicht glänzt". Oder wie Ude es dezent nennt: "Ich übe mich im Haushalt in Zurückhaltung." Aber am 17. November habe er den Müll rausgetragen - "das hab' ich mir extra aufgeschrieben".

Dass Ude wirklich wenig mit Kochen am Hut hat, beweist sich in der kurzen Drehpause: Während er zur Maske eilt, vergisst er glatt seine Zwiebeln auf dem Herd. Hätte sich nicht ein fleißiger TV-Mitarbeiter um das Gemüse gekümmert - die Zwiebeln wären verbrutzelt.

Doch nach der Pause geht alles ganz schnell: Leber rein in die Pfanne, zum Schluss mit Gewürzen abgeschmeckt. "Halt" - plötzlich schreitet Ehefrau Edith ein. "Viel zu viel Salz." Beim Abschmecken und Würzen hält sich Ude dann brav an die Vorgaben seiner Frau.

"Riechen tut's gut", sagt er zum Schluss zufrieden, richtet die Leber zusammen mit Salat auf einem Teller an ("Das ist mediterran.") und reicht's den Gästen. Mit einer angedeuteten Verbeugung und dem Hinweis: "Herr Ober, das reicht heute." Als die Jubelrufe nicht umgehend erschallen, ist Christian Ude um Selbstlob nicht verlegen: "Mmhh. Schmeckt wirklich gut." Eine Prise Selbstbewusstsein kann auch am Herd nicht schaden.

Die Sendetermine

Der "Club der Köchinnen" mit OB-Gattin Edith Welser-Ude und ihren Gästen läuft immer freitags im Sender "München TV". Am 1. August wird die Folge mit Christian Ude ausgestrahlt. Weitere Koch-Sendungen im Sommer: 15. August mit Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler und 29. August mit Franz Maget. Die Sendung läuft immer um 21.30 Uhr und wird zweimal am Wochende wiederholt: samstags um 16.45 Uhr und sonntags um 19 Uhr.

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