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Kocht wie einst die Mama: Francesco Piva bereitet im „Camatti“ italienische Hausmannskost zu.

Wo sich die Nachbarn zu Hause fühlen

München - Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast im „Camatti“, einem neu eröffneten Café in Pasing.

Stefan Hertle importiert Käse, Schinken und Wein direkt aus Italien. Die Kunden schätzen die individuelle Beratung.

Von außen sieht das „Camatti“ aus wie ein gewöhnliches Lebensmittel-Geschäft. Doch sobald man durch die elektrisch schwingende Tür nach innen tritt, ist man in einer anderen Welt angelangt: Geradeaus ein Delikatessen-Geschäft, rechter Hand geht’s zu einer italienischen Bar, liebevoll von Barbara Holzherr (43) mit Antiquitäten eingerichtet.

Seit einem Monat betreibt sie zusammen mit Stefan Hertle (36) das „Camatti“ in der Pasinger Villenkolonie. Aus dem früheren Lebensmittelladen an der Ecke – knapp 50 Jahre von der Familie Ettinger geführt – ist eine gelungene Mischung aus Café-Bar und Delikatessenladen geworden.

Wie schon im Nationalmuseum, wo Barbara Holzherr seit 2004 die Museums-Gastronomie führt, bildet auch hier eine antike Bar das Herzstück. „Sie ist ein Originalstück aus den 30er Jahren“, sagt die Gastronomin stolz. Angeblich war das antike Stück auch Filmkulisse in dem Stauffenberg-Film mit Tom Cruise. „Das hat mir zumindest der Antiquitätenhändler erzählt.“

Alle Gegenstände haben im Camatti eine Geschichte: Die feinen Schokoladen werden auf original Silbertablettchen aus den 20er Jahren serviert. Die Gäste nehmen an Tischen Platz, die noch aus dem Aubergine-Bistro stammen.

Gelebte Geschichte ist auch das Haus selbst: 1895, damals war Pasing noch eine eigenständige Stadt, eröffneten hier an der Orthstraße 14 die Gebrüder Neeb ein Lebensmittelgeschäft, spezialisierten sich auf Delikatessen, Gewürze und Kaffee. Acht Jahre später baute der Architekt und Unternehmer Bernhard Borst – bekannt durch die nach ihm benannte Borstei in München – das Haus um.

Stefan Hertle, der wenige Straßen weiter aufgewachsen ist, kennt den Laden und die Geschichten drum herum von klein auf. So weiß er zu berichten, dass die Gebrüder Neeb ihr Vermögen in der Nazizeit sicher in Wein anlegten: Die Flaschen sollen sie an der einstigen Pippinger Unterführung sicher durch den Krieg gebracht haben.

Wie schon seine Vorgänger will auch Hertle jetzt lieber „in Parmesan, Schinken und Wein investieren. Das bringt mehr als an der Börse.“ Aus dem studierten Kunsthistoriker ist ein „Gastronom aus Überzeugung“ und leidenschaftlicher Barista geworden.

Das Sortiment im Camatti ist bunt gemischt: Neben Produkten des täglichen Bedarfs und Bio-Obst und -Gemüse stehen Spezialitäten aus Italien in den Regalen. In der Frischfleisch-Theke liegt Fleisch vom Kratzerhof, einem ökologischen Landbau-Betrieb. Top-Produkte und Beratung will das Team Holzherr/Hertle seinen Kunden bieten.

Hierher kommt die Nachbarschaft zum Einkaufen und Ratschen. Manche schon seit über 50 Jahren. Das Camatti ist ein Tante-Emma-Laden im besten Sinne mit ausgewählten Produkten. Und auch der Name Camatti kommt nicht von ungefähr: Der italienische Likör, den die Familie Holzherr seit Jahrzehnten aus dem Italienurlaub mit nach Hause bringt, gab dem Lokal den Namen. Dass es den „Camatti“-Likör im Laden zu kaufen gibt, ist selbstverständlich. Die 0,7-Liter-Flasche kostet 14 Euro.

Das zweite Standbein ist das Café, in dem es mittags warme Küche gibt. Für die ist Francesco Piva (48) zuständig. „Ich koche italienische Hausmannskost. So wie es mir meine Mama beigebracht hat.“ Seine Familie stammt ursprünglich aus Sizilien, er selbst wuchs zusammen mit sieben Geschwistern im Trentino auf.

Seit 15 Jahren lebt Piva in Deutschland und kochte unter anderem in so namhaften Restaurants wie dem „Vinaiolo“ und dem „Acetaia“. Sein Küchenstil ist bodenständig, es gibt Klassiker. Die Qualität der Zutaten sind dem Koch wichtig. Die Speisekarte ist klein, dafür sind die Gerichte täglich frisch zubereitet.

Es sind die Pasinger, die hier mittags vorbeikommen. Ältere Damen ebenso wie junge Familien und Handwerker. „Wir wollen wieder ein Nachbarschaftstreff werden“, sagt Hertl. Das „Camatti“-Team ist auf dem besten Weg dazu.

Stephanie Ebner

Camatti

Das Camatti: Café und Lebensmittel, Orthstraße 14 in München Pasing.

Öffnungszeiten: werktags von 9 bis 19 Uhr, am Donnerstag bis 20 Uhr geöffnet. Samstag von 9 bis 15 Uhr.

Hinkommen: am besten mit der S-Bahn. Von dort kurzer Fußweg durch die Pasinger Villenkolonie.

Sonstiges: täglich wechselnde Mittagskarte im Café, die Francesco Piva frisch kocht. Der Lebensmittelladen ist auf Spezialitäten aus Italien und Frankreich spezialisiert.

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