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Drei, die das Spektakel lieben: Werner Ostheimer mit seiner Frau Alexandra und Tochter Valentina.

Im Spektakel: Donner, Blitz und Doria

Freitags schauen wir im Wechsel Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast im „Spektakel“ in München .

Wer nicht weiß, dass an der Pfeuferstraße ein Biergarten ist, rauscht daran schon mal auf der viel befahrenen Straße vorbei. Versteckt, hinter einer Häuserzeile liegt der „Spektakel“-Biergarten. Eine kleine, ruhige Oase nahe der Sendlinger Kirche. Rund 600 Gäste haben hier Platz, die meisten Besucher kommen aus der Nachbarschaft.

An lauen Sommerabenden mit Tischtuch und Brotzeitkorb. Manchmal auch mit einem dampfenden Topf. Für Wirt Werner Ostheimer kein Problem: „Wir wollen ein typisch bayerischer Biergarten sein. Und dazu gehört nun mal auch, dass man seine Brotzeit selbst mitbringt.“ Die Mass Helles gibt’s dazu für 5,90 Euro. Wer will, kann aber auch bayerische Schmankerl à la carte bestellen – beispielsweise eine Tellersülze mit Bratkartoffeln für 6,90 Euro.

Das Gasthaus existiert schon seit über 100 Jahren. Anfangs hieß es noch „Tannengarten“, hier traf sich in den Nachkriegsjahren die Münchner SPD. Der Tannenwald ist längt verschwunden, ebenso wie der Name. Als Werner Ostheimer die Wirtschaft 2002 übernahm, benannte er sie um. Dass die Wirtschaft ausgerechnet Spektakel heißt, liegt daran, dass der gelernte Marketing-Kaufmann in dieser Zeit viel von Ludwig Thoma las: „Da kam innerhalb eines Kapitels ständig das Wort Spektakel vor“, erinnert sich Ostheimer an die Namensfindung.

Ein Spektakel gibt es in der Tat auch jeden Abend in der Wirtschaft. Donner, Blitz und Doria: Pünktlich um 19.30 und um 21.30 Uhr sorgt eine Gewittershow dafür, dass in der ganzen Wirtschaft kurz die Lichter ausgehen. Ein Höllenspektakel, das die Gäste lieben.

In den Anfangszeiten kam es da schon mal vor, dass die Biergartengäste angesichts des Donnergrollens eiligst ihre Sachen zusammenpackten. Und selbst die Wirtin ist schon mal Opfer der eigenen Show geworden: Alexandra Ostheimer (42) nahm ein Donnergrollen einfach nicht ernst. Ihr Pech: Ein echter Gewitterregen setzt ihr Cabrio unter Wasser.

Werner Ostheimer ist schon „von klein auf“ mit dem Wirte-Virus infiziert. Der Großvater war ein gelernter Küchenmeister und schrieb auch ein Hauswirtschaftsbuch. „Ich liebte diese Atmosphäre von klein auf.“ Mit 14 Jahren jobbte Werner Ostheimer das erste Mal in einer Eisdiele. Von da an arbeitete er jeden Sommer in der Gastronomie. Trotzdem ist der 41-Jährige ein Quereinsteiger: Er ging erst ins Marketing, bevor er 1995 sein erstes Lokal – das „Colonial“ in Puchheim – eröffnete.

Wie im Spektakel legte er auch dort Wert auf Authentizität. Die Dekoration besteht ausschließlich aus Originalen. Während Ostheimer das „Colonial“ mit echten Teakholzmöbeln eingerichtet hat, kaufte er für das Spekakel in Südtirol, Ungarn und im Allgäu alte Sachen auf.

Die Ostheimer lieben das Spektakel, deshalb trifft sich dort auch seit ein paar Jahren die Kleinstkunstszene. Die Künstler treten nicht abgehoben auf einer Bühne, sondern zwischen den Tischen auf. Der Gast sitzt quasi mittendrin im Geschehen. Die Spielzeit startet im Herbst, nach der Wiesn, und geht bis zum 1. Mai.

Schon zweimal haben die Ostheimers einen Maibaum aufgestellt. Nächstes Jahr soll’s zwar keinen neuen Maibaum, dafür aber einen mindestens zweitägigen Tanz in den Mai geben. Und natürlich mit den inzwischen traditionellen „Stoaheber Meisterschaften“. Viel Spektakel eben.

Von Stephanie Ebner

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