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Ein gutes Team: Josef Hartl jun. mit seinen Eltern Christa und Sepp.

Gasthaus Hartl: Traditionelles mit einer Prise Innovation

Türkenfeld - Im Wechsel schauen wir Wirten und Hobbyköchen über die Schulter. Heute sind wir zu Gast beim Unterwirt und Familie Hartl in Türkenfeld.

So kommen Sie hin

„Zum Unterwirt“ – Gasthof Hartl, Duringstr. 5, 82299 Türkenfeld Tel.: 08193 / 99 95 17, Fax: 08193 / 99 95 18 Mail: kontakt@gasthof-hartl.de, Internet www.gasthof-hartl.de Öffnungszeiten: Mo – So 8.00 bis 23.00 Uhr, Dienstag Ruhetag, Küche 11.00 – 14.30 Uhr, 17.30 bis 21.30 Uhr Anfahrt über die A96 München/Lindau, Ausfahrt Greifenberg/Türkenfeld. Von dort aus der Beschilderung Türkenfeld folgen. Oder über die B471 über Fürstenfeldbruck und Grafrath. Der Gasthof Hartl – zum Unterwirt vermietet außerdem Gästezimmer (Einzelbettzimmer: bis 48,- Euro, Doppelbettzimmer: bis 74,- Euro). Außerdem verfügt er über einen Festsaal für bis zu 250 Personen sowie eine weitere große Stube für Veranstaltungen bis zu 100 Personen. Im Sommer gibt es im Innenhof des Anwesens einen Wirtsgarten für bis zu 150 Personen. Wochentags gibt es zwischen 11.30 und 14 Uhr je ein Mittagsschmankerl für 4,90 Euro.

Schon als ganz kleiner Mann hatte Josef Hartl jun. ganz genaue Vorstellungen davon, was er werden will, wenn er einmal groß ist. Während die anderen im Kindergarten auf die Frage nach ihren Berufswünschen recht utopisch mit „Fußballstar“ oder „Prinzessin“ antworteten, stand für den kleinen Josef schon damals fest, wohin sein Weg ihn führen wird: „Koch“ antwortete er. Und ließ sich davon von da an nicht mehr abbringen.

Von Familientradition konnte der Bub damals noch nichts wissen. Die allerdings ist lang bei Familie Hartl aus Türkenfeld. Bis ins Jahr 1873 lässt sich die Gastwirtschaft an dieser Stelle zurückverfolgen. Und wurde von da an immer von den Eltern an den Sohn weitergegeben. Heute führen Josefs Eltern Christa und Sepp in vierter Generation den Unterwirt. Seit eineinhalb Jahren unterstützt von Sohn Josef jun. Mittlerweile – natürlich – Koch. Wie vor über 20 Jahren von ihm selbst prognostiziert. Und was für einer.

Die Stationen des heute 26-Jährigen können sich sehen lassen. Seine Kochlehre absolvierte er in Grünwald und er war Mitglied der Jugendnationalmannschaft der Köche Deutschlands. Um Erfahrungen zu sammeln arbeitete er in den folgenden Jahren in der Sternegastronomie in Deutschland, Schweiz, Portugal und England.

„Wanderschaft“ nennt Josef Hartl jun. diese Zeit, in der er viele wertvolle Erfahrungen sammelte, heute. Doch die war schneller vorbei, als er sich eigentlich vorgenommen hatte. Dann aber ging Ende 2008 der Küchenchef im „Unterwirt“. Und es begann die Kochzeit des Junior-Chefs.

Und der brachte frischen Wind in die Küche – allerdings „ohne alles völlig umzukrempeln“, wie er betont. „Wir sind ein bayerisches Wirtshaus, kein Gourmet-Tempel – und wollen bayerische Gemütlichkeit pflegen.“ Kein Sterne-Schi-Schi, aber vieles, was er in den Jahren in den Küchen der Welt gelernt hatte, konnte er auch in Türkenfeld einsetzen.

Seine Küche dort folgt strengen, aber einfachen Regeln: saisonal – regional – und ohne Geschmacksverstärker. „Ich verarbeite ausschließlich frisches Rinder-, Kalbs- und Schweine-Qualitätsfleisch aus bayerischer Aufzucht und Schlachtung“, sagt Hartl, der das Glück hat, zwei Metzger in der Familie zu haben.

Aber noch etwas ist Hartl und seinen Eltern extrem wichtig: eine familienfreundliche Preisgestaltung. „Wir wollen, dass eine Familie mit zwei Kindern zu uns zum Essen kommen kann, ohne gleich ein Vermögen loszuwerden.“ Deshalb gibt es beim Unterwirt viele Gerichte unter 10 Euro, und bei 15 Euro ist Schluss. „Die Grenze wollen wir nicht überschreiten.“ Den Schweinekrustenbraten aus der Schulter mit Kartoffelknödel gibt es beispielsweise für 7,20 Euro, den Burgunderbraten in Rotweinsoße mit Wurzelgemüse und Breznknödel für 9,20 Euro oder das Epfenhausener Regenbogenforellen-Filet blau, gegart im Gewürzessigsud auf Kartoffel-Schnittlauch-Gemüse für 10,20 Euro. Bei unserem Besuch war das Wild-Duo, ein Wildschweinbraten und ein Hirschschnitzel in der Kerndl-Parmesan-Kruste, auf Speckrosenkohl und Preiselbeerpüree mit 12,50 Euro das teuerste Gericht auf der Karte.

Neben den Familien liegen Hartl auch die Vegetarier besonders am Herzen. „Wir haben immer mehr Gäste, die fleischlos essen wollen.“ Und um denen mehr zu bieten als die obligatorischen Käsespätzle, lässt sich Hartl jede Woche neue vegetarische Gerichte einfallen. Das wird gut angenommen und macht ihm Spaß. „Ich koche einfach gern mit Gemüse.“ Auf der Karte liest sich das dann zum Beispiel so: „Wintergemüse“ – mit Hüttenkäs-Spinat gefüllte Gemüse auf marinierter Roter Bete oder Safran-Nudel-Rissotto mit gebackener Zucchini und Ruccola-Parmesan-Salat.

Ansonsten aber blieb beim Unterwirt alles beim bewährt Alten. Das heißt auch, dass auch weiterhin die ganze Familie mit anpackt, denn wenn der Gasthof – zum Beispiel bei einer Hochzeit im Sommer – voll belegt ist, gilt es um die 400 Gäste zu bewirten. Bis vor drei Jahren stand sogar die Oma, heute 88, noch selbst am Herd.

Der Unterwirt ist eben ein Familienunternehmen mit Tradition. Und dass sein Bruder Andreas nicht Koch, sondern Braumeister bei Paulaner geworden ist, verführt den Hartl junior zu einem Blick in die Zukunft. „Mein Traum wäre es, hier vielleicht eines Tages eine Hausbrauerei zu installieren.“

Und dass er mit seinen Visionen ja manchmal nicht ganz falsch liegt, hat er ja bereits bewiesen. Siehe Kindergarten.

Claudia Muschiol

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