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Mehr als 1300 Köche in 150 Ländern werden am Donnerstag französische Menüs anbieten.

Tourismus ankurbeln

Weltweite Genuss-Offensive von Frankreichs Küchendiplomatie

Gänseleber, bretonischer Hummer, Seezungenfilet, glasierte Entenbrust und vor dem Schoko-Dessert natürlich die obligatorische Käseplatte - am Donnerstag wird weltweit die französische Küche zelebriert.

Mehr als 1300 Köche in 150 Ländern werden dann französische Menüs anbieten, die französischen Botschaften laden gleichzeitig zu einem festlichen Dîner. Mit dem weltweiten Gastro-Ereignis will Frankreich für seine Küche werben, deren Ruf in den vergangenen Jahren gelitten hat. Außenminister Laurent Fabius hat die Gastronomie zur Chefsache erklärt, seine Küchendiplomatie soll mehr Touristen ins Land locken.

Auch rund ein Dutzend deutsche Restaurants etwa in München und Düsseldorf beteiligt sich an dem Küchenereignis, das mit dem französisch-englischen Titel "Goût de France/Good France" (Der Geschmack Frankreichs/Gutes Frankreich) daherkommt und das sich der umtriebige Sternekoch Alain Ducasse ausgedacht hat. Jedes Restaurant entwirft ein eigenes Menü aus Aperitif, einer kalten und einer warmen Vorspeise, zwei Hauptspeisen mit Fisch und Fleisch, Käseteller und Nachtisch, das alles begleitet von französischen Weinen.

Edle Köstlichkeiten wie Gänseleber und Hummer kommen häufig vor, es sollen aber vor allem frische und regionale Saisonprodukte verwendet werden. Angeboten werden die Menüs in Restaurants von Syndey über Kapstadt bis Rio de Janeiro, die Preise liegen zwischen 30 und 380 Euro.

"Die französische Küche ist seit 2010 Unesco-Weltkulturerbe", sagte Fabius unlängst. "Aber es ist ein Kulturerbe, das nicht nur verherrlicht oder genossen werden soll, sondern das auch Gewinne bringen und zur Geltung gebracht werden muss."

Dabei hat der legendäre Ruf der französischen Küche Kratzer bekommen; die unumstrittene Führungsposition, die Frankreichs Köche in der Gourmet-Welt einst in Anspruch nehmen konnten, ist schon lange verloren gegangen. Viele französische Restaurants ruhten sich auf ihren Lorbeeren aus, experimentierfreudige Köche in Spanien oder den skandinavischen Ländern machen den Franzosen zunehmend Konkurrenz.

Waren früher der französischer Restaurant-Führer Michelin und die von ihm vergebenen Sterne das Maß aller Dinge, so gibt es heute auch andere Referenzen. Und in der Liste "Die 50 besten Restaurants der Welt" des britischen Magazins "Restaurant" finden sich nur fünf französische Adressen wieder - keine davon unter den besten zehn.

"Die Angelsachsen wollen uns entthronen und sagen: 'Frankreich war mal gut, ist es aber nicht mehr'", kommentiert der französische Diplomat Philippe Faure, der im Auftrag von Außenminister Fabius den Frankreich-Tourismus fördern und für die heimische Küche werben soll. Das sei natürlich falsch: "Wir sagen nicht, dass wir die einzigen sind, aber wir sind nicht am Aussterben."

Zugleich räumt Faure ein, dass sich die französische Küche im mittleren Preissegment teilweise verschlechtert habe, etwa an Touristenorten wie dem Klosterberg Mont Saint-Michel und in der Pariser Innenstadt. "Eine Form der französischen Gastronomie hat sich verschlechtert", sagt der Diplomat. "Wir fangen uns manche Ohrfeige ein, die wir verdient haben." Bistros und kleinere Restaurants seien "oft nicht sehr gut und sehr oft teuer".

Die französische Regierung handelt nun, denn die Gastronomie ist ein wichtiger Tourismusfaktor. 60 Prozent der ausländischen Besucher, so erklärt das Außenministerium, reisten unter anderem wegen des Essens ins Land. Und auch wenn Frankreich mit im vergangenen Jahr knapp 85 Millionen Besuchern das bei Touristen beliebteste Land der Welt ist - zuletzt stagnierten die Besucherzahlen.

Die weltweite Werbeaktion für die französische Küche soll helfen, den Tourismus-Sektor neu zu beleben. Und Außenminister Fabius, Frankreichs oberster Tourismus-Förderer, profitiert natürlich auch von dem Ereignis: Er wird am Donnerstag mit 650 geladenen Gästen im Schloss von Versailles ein Schlemmer-Menü verkosten.

dpa

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