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Riesige Palmölplantagen gehören einem Konzern. Und so machen wenige Konzerne die Preise.

"Konzernatlas"

Wer hat die Macht über unser Essen?

Das Geschäft mit der Ernährung der Welt ist lukrativ. Es mischen sogar Versicherungen und Hedgefonds mit. Wenige Konzerne machen die Preise.

Sieben Sorten Erdbeermarmelade stehen im Supermarktregal. Auf den Gläsern saftige Früchte, alte Bauernhäuser. Sie zeichnen ein romantisches Bild von Landwirtschaft, das wohl kein Verbraucher mehr glaubt. Doch sie gaukeln auch eine Vielfalt vor, die die meisten für bare Münze nehmen. Zu unrecht.

Hinter unseren Lebensmitteln stehen weltweit immer weniger große Konzerne. Umwelt- und Entwicklungsorganisationen warnen jetzt: Die Auswahl im Supermarktregal täuscht.

Die Organisationen beschreiben in ihrem "Konzernatlas" eine Fusionswelle: Fünf der zwölf kapitalintensivsten Übernahmen börsennotierter Unternehmen spielten in den vergangenen zwei Jahren im Bereich Nahrungsmittel, Getränke und Agrar. Die Konzentration zeige sich auf allen Ebenen, vom Acker bis zum Supermarkt.

Land

Weltweit entstehen riesige Plantagen. Vor allem südlich des Äquators kaufen Konzerne Ländereien für Palmöl, Mais, Zucker und Soja, die nicht nur Nahrungsmittel, sondern Futter, Kraft- und Rohstoff sind. Ein einziger malayischer Konzern kontrolliert nahezu eine Million Hektar Ölpalmen, ein argentinischer produziert auf 700 000 Hektar Soja. Forciert wird Großgrundbesitz durch die Digitalisierung, die sich auf diesen Flächen schneller rechnet.

Saatgut

Den weltweiten Markt für Saatgut und Pestizide dominieren sieben große Unternehmen. Wenn Kartellbehörden grünes Licht geben, könnten es zu Jahresende nur noch drei sein. Der Gigant wäre ein Deutscher: der Pharmakonzern Bayer will für rund 66 Milliarden Dollar den amerikanischen Saatgutriesen Monsanto übernehmen.

Spekulanten

Sie gewinnen immer mehr Einfluss auf das Ernährungssystem. In den USA investieren Versicherungen, Pensions- und Hedgefonds in Weizen, Mais, Sojabohnen und Kaffee. Dadurch schwanken die Preise für Nahrungsmittel, was Bauern Probleme bringt.

Hersteller

50 Lebensmittel-Hersteller machen die Hälfte des Branchenumsatzes. Und sie werden größer: 2015 übernahm der Ketchuphersteller Heinz den Lebensmittelhersteller Kraft - es entstand der weltweit sechstgrößte Lebensmittelkonzern. Den Teehandel kontrollieren zu 80 Prozent drei Konzerne: Unilever ("Lipton"), Tata ("Tetley") und Associated British Foods ("Twinnings"). Drei Viertel der Babynahrung in Westeuropa stammen von nur vier Herstellern.

Supermärkte

Vertrieben werden die Waren von immer größeren Ketten. Der US-Riese Walmart macht allein 6,1 Prozent des globalen Einzelhandelsumsatzes. Das umsatzstärkste Unternehmen der Welt übertrumpft Ölkonzerne und Autohersteller. Unter den zehn größten Lebensmittel-Einzelhändlern der Welt sind mit dem Lidl-Mutterkonzern Schwarz, Aldi und Metro gleich drei deutsche. Der Einfluss der Discounter zeigte sich zuletzt beim Milchpreis: Kaum hob Aldi ihn an, zog die Konkurrenz nach.

Folgen

"Die Verbraucher haben keine Freiheit mehr, qualitativ Lebensmittel auszuwählen", warnt Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung. Im Supermarkt gebe es bald nur noch Einheitsprodukte mit unterschiedlichen Labels. Die Ernährungsindustrie weist das zurück: In Deutschland habe die Branche eine beispielhafte mittelständische Unternehmensstruktur. Die zehn größten Unternehmen hätten nur einen Umsatzanteil von 16 Prozent. Ohne industrielle Lebensmittelproduktion gebe es hierzulande keinen solchen Ernährungswohlstand.

Die Verbände meinen zudem, kleine Bauernbetriebe müssten fürchten, zwischen Saatgut-, und Landmaschinenherstellern auf der einen und großen Handelsketten auf der anderen Seite zerrieben zu werden. "Es wird immer weniger in der Landwirtschaft verdient und immer mehr an der Landwirtschaft", sagt BUND-Chef Hubert Weiger. Der Deutsche Bauernverband sieht die Gefahr von Preisdiktaten beispielsweise auf dem Milchmarkt. Die Verbände fordern ein schärferes Kartellrecht vor allem bei den Handelsketten. "Denn noch gibt es Wettbewerb auf unserem Markt", sagt Bauernverbands-Sprecher Michael Lohse.

dpa

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